Emder Event Die Planungen für den Kultursommer gehen in die heiße Phase
Im vergangenen Jahr kamen mehrere Tausend Leute zu den Events des Kultursommers. In diesem Jahr soll es eine abgespeckte Variante geben. Aber was ist danach?
Emden - Es gibt schon viele Anfragen von Künstlerinnen und Künstlern für die Bühnen des diesjährigen Emder Kultursommers. Das sagte Projektkoordinatorin Heika Ring beim Kulturausschuss des Emder Rats am Dienstag. Die Veranstaltungsreihe, die es im vergangenen Jahr erstmals gegeben hatte, soll am 26. Juni wieder durchstarten. Zwei Monate lang, bis zum 26. August, soll es dann Auftritte auf der Bühne am Stephansplatz beim Café Einstein geben. Jeden Freitag ist eine „Open Stage“ vorgesehen, auf der jeder und jede Kunstschaffende das eigene Können zeigen kann. Das läuft auf Hutgeld-Basis. Interessierte können sich bei der Stadt hier anmelden.
Was und warum
Darum geht es: die Weiterentwicklung des beliebten Kultursommers in Emden
Vor allem interessant für: Kulturinteressierte und -schaffende in Emden und umzu
Deshalb berichten wir: Im Kulturausschuss des Emder Rates wurde über die Zukunft des Kultursommers gesprochen, der langfristig auf eigenen Beinen stehen muss. Die Frage aber ist noch, wie. Die Autorin erreichen Sie unter: m.hanssen@zgo.de
Im vergangenen Jahr hatte es insgesamt 38 Einzelveranstaltungen gegeben, zu denen im Schnitt 50 bis 250 Leute kamen. Der Kultursommer hatte drei Monate gedauert, Bühnen auf dem Neuen Markt und auf der Hahn‘schen Insel vor der Kunsthalle waren ebenfalls bespielt worden. Aber: Die 50.000 Euro dafür waren aus dem EU-Sofortprogramm Perspektive Innenstadt geflossen. Das gab es nur einmal zur Wiederbelebung der Innenstädte nach der Corona-Pandemie. In diesem Jahr kommen die Mittel - etwa 25.000 Euro - aus dem Haushalt des städtischen Betriebs Kulturevents. Kommt das Team um Heika Ring damit aus? Und wie geht es langfristig weiter? Das wollte Wilke Held (CDU) für seine Fraktion wissen.
Kultursommer 2024 ist noch sehr unsicher
Dieses Jahr sei gesichert, sagte Heika Ring. Derzeit sei man in der konkreten Planung. Aufträge seien zwar noch nicht vergeben, aber das sei in diesem Monat dran. „Letztes Jahr war es sehr knapp und wir haben es trotzdem geschafft. So knapp wollen wir es jetzt aber nicht noch mal haben“, sagte sie. Mit den 25.000 Euro kämen sie aus. Im vergangenen Jahr hatte es zusätzlich das Straßenkunstfestival und das „Lüttje Welt“-Festival gegeben, die aus den EU-Mitteln gezahlt wurden. Das falle nun weg. „Wir können gut damit arbeiten, aber es wäre schön, wenn wir in Zukunft ein bisschen mehr hätten“, sagte sie.
Wenn im kommenden Jahr kein Geld von der Stadt komme, dann könne es das Festival entweder nicht geben - oder es müssten ausreichende Fördertöpfe und Sponsoren angezapft werden. Aber: Sie selbst sei in der Maßnahme „Perspektive Innenstadt“ sehr gebunden. Bewerbungen für Förderprogramme seien mit einem „sehr großen bürokratischen Aufwand“ verbunden, der personell nicht zu leisten sei. Auf das von Wilke Held vorgeschlagene Programm „Interreg“ der Ems-Dollart-Region könne man sich zum einen nur bis Januar bewerben und zum anderen werde darüber schon das Matjesfest in Emden gefördert. „Da müssen wir natürlich gucken, dass wir da nichts klauen“, sagte sie. Damit der Kultursommer langfristig auf festen Beinen steht, müssten Planungs- und Personalsicherheit gegeben sein.
Kruithoff will „organisatorischen Rahmen“ für Events
„Wir haben klar gesagt, dass es einen einmaligen Zuschuss gibt und keine Verstetigung“, betonte Gregor Strelow (SPD) als Ausschussvorsitzender. Die Stadt könne entsprechend - insbesondere mit Blick auf den klammen Haushalt - nicht jedes Jahr die Summe stemmen. Oberbürgermeister Tim Kruithoff (parteilos) wünscht insgesamt einen „organisatorischen Rahmen für Veranstaltungen in der Innenstadt“, sagte er. Der Kultursommer etwa könne nicht dauerhaft aus dem Projekt „Perspektive Innenstadt“ von Heika Ring geleistet werden. Sie habe im vergangenen Jahr schon „deutlich über ihre Aufgabe hinaus“ gewirkt, sagte Kruithoff.
Langfristig müsse auch geschaut werden wie Veranstaltungen wie der Weihnachtsmarkt ehrenamtlich organisiert werden können. Die Werbegemeinschaft Schaufenster hat dabei die Zügel schon seit Jahrzehnten in der Hand, der Vorstand aber wird auch nicht jünger. „Wir wollen niemandem etwas wegnehmen, aber auch nicht davor stehen, dass es plötzlich nicht mehr geht“, sagte er. Wie könnte man es schaffen, liebgewonnene Dinge nachhaltig zu etablieren? Wie könnte es auch gelingen, die gastronomischen Betriebe mit einzubinden - etwa auch finanziell? Der Kultursommer 2023 sei „auf dem Weg“, danach wolle man im Herbst schauen, wie es in den Jahren danach weitergehen könnte, so der abschließende Konsens.
Im vergangenen Sommer blühte Emden nach den Corona-Lockdowns kulturell wieder voll auf. Außer dem Kultursommer fand wieder die Open-Air-Konzertreihe „Summer in the City“ immer donnerstags statt sowie das Mitternachtsschwimmen mit Livemusik im Van-Ameren-Bad. Das Internationale Filmfest Emden/Norderney, Matjes-, Delft- und Hafenfeste: In Emden war fast jedes Wochenende etwas los.