Neue Betreibergesellschaft  Nach langem Ringen geht es auf dem Golfplatz in Wiesmoor weiter

Ole Cordsen
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Von Ole Cordsen
| 02.03.2023 08:03 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Der Golfplatz auf dem Gelände der Wiesmoor-Gärtnereien gehört zu den größten Anlagen ihrer Art in Nordwestdeutschland. Foto: Archiv
Der Golfplatz auf dem Gelände der Wiesmoor-Gärtnereien gehört zu den größten Anlagen ihrer Art in Nordwestdeutschland. Foto: Archiv
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Geht es für den Golfsport in Wiesmoor zurück aufs Grün? Nach der Insolvenz des Golfclubs und langem Ringen ist nun eine neue Regelung gefunden worden.

Wiesmoor - Es war offenbar ein zähes Ringen, auch wenn der Kurs gesetzt war: Der 27-Loch-Golfplatz in Wiesmoor wird weiter bespielt, auch wenn der Golfclub Ostfriesland, der dort seine Heimat hatte, nach krisenreichen Jahren im Vorjahr in die Insolvenz gerutscht war, das Verfahren mangels Masse eingestellt und der Verein selbst liquidiert wurde. „Wir hatten zuletzt immer häufiger Leute, die in den Blauen Fasan gekommen sind, um sich zu erkundigen, ob und wie es weitergeht. Das Ganze hat sich ja schon hingezogen“, sagt Volker Quitmeyer, dem gemeinsam mit seinem Bruder Tim Quitmeyer-Dirks das knapp 100 Hektar große Gelände gehört.

Doch was sich schon länger angedeutet hatte, ist jetzt vollzogen: Beide haben als Gesellschafter der Wiesmoor-Gärtnerei und Baumschule GmbH gemeinsam eine neue Betreiberfirma gegründet, über die als neue Pächterin der Spielbetrieb auf der 27-Loch-Anlage seit diesem Mittwoch läuft.

Blauer Fasan und Golfplatz rücken enger zusammen

Blauer Fasan Golf heißt die Gesellschaft und sie zeigt nun auch namentlich die enge Verbundenheit zwischen dem Hotel und Restaurant Blauer Fasan, das Quitmeyers ebenfalls gehört, und dem benachbarten Golfplatz. „Es ist Ziel, durch die Verbindung von Golfspielen und kulinarischen Genüssen vor oder nach dem Spiel wieder mehr Golfer auf die Anlage zu locken“, schreibt Volker Quitmeyer. Auch verspreche man sich durch die Vermarktung aus einer Hand zusätzliche Chancen: „So kann man gemeinsam kurzfristig Angebote für Buchungslücken veröffentlichen und schneller auf den Markt reagieren.“ Auch solle das Angebot für die Nebensaison deutlich ausgeweitet werden.

Dies ist für die Erbengemeinschaft Quitmeyer doppelt wichtig, denn der Golfplatz sorgt für Auslastung in Hotel und Restaurant. Dies wiederum kann nun aber noch etwas stärker helfen, auch den Platz auszulasten und wichtige Einnahmen zu erzielen. Das Clubhaus des Vereins sowie einen Teil des „beweglichen Sachanlagevermögens des Vereins“ hatte die Erbengemeinschaft aus der Insolvenzmasse des Vereins gekauft, wie Insolvenzverwalter Axel Gerbers schon vor Wochen bestätigt hatte. Aktuell laufen noch Gedankenspiele, wie es künftig genutzt wird.

Investitionsbedarf in deutlicher Millionenhöhe

Die neuen Betreiber sehen zugleich nach eigenen Angaben einen Investitionsbedarf deutlich im Millionenbereich auf der Anlage. Die Investoren planen zusätzliche digitale Angebote und vereinfachte Buchungen, zugleich soll das Areal modernisiert werden, wo Anfänger ihre ersten Schläge üben können – um auf Sicht mehr Neulinge anzulocken. Dies könnte auch nötig sein, weil Stand Jetzt womöglich noch nicht abgeschätzt ist, wie viele der vormaligen Club-Mitglieder sich nach den turbulenten Jahren und Monaten eventuell hin zu anderen Golfclubs in der Region orientiert haben, vielleicht nach Lütetsburg oder Papenburg zum Beispiel. Und über Jahre hatte der Verein bereits vor der Insolvenz in Schwierigkeiten gesteckt. Schon vor etwa zweieinhalb Jahren konnte der unter den hohen Kosten für die Pflege des um neun Löcher auf 27 Spielfelder erweiterten Platzes ächzende Verein eine drohende Insolvenz nur knapp abwenden – durch eine zähneknirschend von den Mitgliedern gewährte Sonderzahlung von jeweils 250 Euro.

Mit dem frisch gewählten Präsidenten Ralf Wilde versuchte der Verein einen Neuanfang, doch wurde der dem Vernehmen nach flankiert von Rechtsstreitigkeiten, von Streit über Geldforderungen und durch Partnerwechsel plötzlich fehlende Leitungen auf dem Platz, auch von internen Lagerbildungen, heißt es aus dem Club-Umfeld. Unter anderem war die Zufahrt zum Vereinsparkplatz zwischenzeitlich von riesigen Blumenkübeln zugestellt worden: einer von mehreren Streitfällen, die auch vor Gericht landeten. An verschiedenen Stellen ging, zwischenmenschlich gesprochen, einiges Porzellan zu Bruch. Zugleich blieb der hohe Finanzdruck für den Club: Zu gering waren die Einnahmen aus Mitgliederbeiträgen im Verhältnis zu den Kosten für Platzpflege, Mitarbeiter und Pacht – und diesmal, im vorigen Herbst, ließ sich die Insolvenz nicht mehr abwenden.

Spielrechte statt Club-Mitgliedschaft

Nun soll der Golfsport unter neuer Führung neuen Schwung gewinnen. Die Wiesmoor-Gärtnerei wird die Platzpflege wieder, wie lange Jahre, übernehmen. „Es ist gelungen, den vier Mitarbeitern, die im vergangenen Jahr den Platz gepflegt haben, einen Arbeitsplatz zu sichern. Zusätzlich werden mindestens zwei weitere neue Arbeitsplätze in der Platzpflege geschaffen“, teilt Volker Quitmeyer mit. Auch im Service und an weiteren Stellen wolle man Jobs schaffen.

Klar ist: Das Golfen läuft auch organisatorisch in Wiesmoor künftig etwas anders. Denn während vorher die Golfer über ihre Mitgliedschaft im Verein sich das Recht erwarben, auf der Anlage die Bälle fliegen zu lassen und einzulochen, können sie jetzt direkt bei Blauer Fasan Golf Spielrechte erwerben. Fürs gesamte Kalenderjahr 2023 kostet dies 999 Euro, wenn man ohne Einschränkung und theoretisch jeden Tag des Jahres golfen möchte. 149 Euro kostet das grundsätzliche Spielrecht, zu dem dann wie für Gäste zusätzlich ein „Greenfee“ gezahlt werden muss, wenn man konkret mit Caddy, Schlägern und Bällen über die Anlage ziehen möchte. Interessenten können sich per Mail an golf@blauer-fasan.de wenden oder Spielrechtsverträge ab sofort auch direkt vor Ort im Blauen Fasan abschließen.

Bürgermeister zeigt sich sehr erfreut

Wiesmoors Bürgermeister Sven Lübbers (parteilos) sagt: „Für uns ist es eine sehr erfreuliche Nachricht, dass es auf dem Golfplatz weitergeht. Schon wegen ihrer Größe hat die Anlage ein Alleinstellungsmerkmal und ist ein besonderer Teil der Stadt.“ Er wünsche der Erbengemeinschaft „viel Glück und Erfolg bei den kommenden Aufgaben, die sicherlich nicht einfach sind.“ Ihn freuten die Einigung und das neue Modell auch, weil neben dem Golfplatz so auch der Blaue Fasan eine Zukunft habe. „Wir hätten mittelfristig beides verlieren können, deshalb ist das wirklich eine sehr gute Nachricht“, sagt Lübbers und fügt an: „Ich hoffe, dass auch den Spielern bewusst ist, was für eine tolle Anlage sie in Wiesmoor haben, und dass diejenigen, die eventuell abgewandert sind, vielleicht nach Rastede, Bad Zwischenahn oder Lütetsburg, zurückkehren.“

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