Energieversorgung  Gas- und Ölheizung sollen schon ab Januar 2024 verboten werden

Martin Teschke
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Von Martin Teschke
| 28.02.2023 17:54 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Bald ein Bild der Vergangenheit? Ein Mann liefert mit seinem Tank-LKW Heizöl an einen Privathaushalt. Foto: Büttner/dpa
Bald ein Bild der Vergangenheit? Ein Mann liefert mit seinem Tank-LKW Heizöl an einen Privathaushalt. Foto: Büttner/dpa
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Es ist vielleicht nur ein Referentenentwurf aus dem fernen Berlin – aber der hat es in sich. Heizungsbauer sind verärgert, Kunden verunsichert. Wir haben uns in Ostfriesland umgehört.

Ostfriesland/Berlin - In Ostfriesland – und wahrscheinlich auch in ganz Deutschland – hat am Dienstag ein Gesetzesvorhaben der Bundesregierung große Verunsicherung ausgelöst. Es geht darum, dass der Einbau neuer Gas- und Ölheizungen schon von Januar nächsten Jahres an verboten werden soll. Bei den Handwerkern, die unsere Redaktion befragt hat, riefen zahlreiche Kunden an, um in Erfahrung zu bringen, was sie denn jetzt mit ihrer alten Gasheizung tun sollen.

Entsprechend genervt reagierte Edzard Wagner auf die Kunde aus Berlin. „Ich glaube, da sitzt ganz oben jemand an der falschen Stelle“, sagte der Obermeister der Installateur-, Heizungsbau- und Klempner-Innung Emden mit Blick auf Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) unserer Redaktion. „Wir beobachten schon seit Januar einen Run auf Gasheizungen, weil die Kunden Angst haben, dass sie demnächst keine neue Anlage mehr bekommen.“ Und am Dienstag sei das dann eskaliert: ungezählte Anrufe bei seiner Firma und Gespräche mit Kunden vor Ort.

Was steht im Referentenentwurf?

Was war geschehen? Am Dienstag berichtete die „Bild“-Zeitung über einen öffentlich gewordenen Entwurf für ein Verbot für den Einbau neuer Gas- und Ölheizungen ab 2024. Die Details sind aber noch mit Vorsicht zu behandeln: „Die Entwürfe, die teilweise kursieren, sind nicht aktuell und entsprechen nicht dem aktuellen Stand“, betonte eine Sprecherin des Wirtschaftsministeriums.

Derzeit heizt jeder zweite Haushalt in Deutschland mit Erdgas. Ab 2024 sollen keine neuen Erdgas- und Ölheizungen mehr eingebaut werden. An ihre Stelle träten Heizungen, die mindestens zu 65 Prozent mit erneuerbaren Energien betrieben werden. Ab 2045 sollen Heizungen dann komplett mit erneuerbaren Energien etwa aus Wind und Sonne laufen. Wer vorher eine Heizung ersetzt oder repariert, muss diese Frist im Kopf behalten.

Was passiert, wenn die Gasheizung kaputt geht?

Wenn eine Erdgasheizung irreparabel kaputt geht, kann dem Entwurf zufolge übergangsweise für bestimmte Fristen auch eine althergebrachte Heizungsanlage eingebaut werden – man muss also nicht sofort einen modernen Ersatz finden. Außerdem solle es Fördergeld und Härtefallregelungen geben, hieß es aus Regierungskreisen. Mieter sollten zudem vor hohen Betriebskosten geschützt werden, etwa durch stromhungrige Wärmepumpen.

Die Kunden sind offenbar trotzdem verunsichert. „Viele Kunden wollen sich noch in diesem Jahr eine neue Gasheizung einbauen lassen“, sagte auch Hannes Wilken, Geschäftsführer von H.D. Hilbrands, unserer Redaktion. Einige wollten auch ihre Heizungsanlage modernisieren lassen, obwohl sie noch nicht erneuert werden müsste. Die Nachfrage sei spürbar gestiegen.

Was ist jetzt mit den hochgelobten Wärmepumpen?

„Die Nachfrage nach Wärmepumpen lässt stark nach“, sagte Obermeister Wagner. Eine Wärmepumpe könne sich auch nicht jeder leisten. „Sie müssen mit 25.000 bis 30.000 Euro rechnen“, so Wagner. Man bekomme zwar einen staatlichen Zuschuss von bis zu 35 Prozent, aber das Verfahren sei äußerst kompliziert. Außerdem müsse man bedenken, dass eventuell die Heizkörper ausgetauscht werden müssten und solch eine Wärmepumpe außen wie innen Platz benötige. Für Wagner ist die Heizungsumstellung auf erneuerbare Energien noch nicht richtig durchdacht.

Im Koalitionsvertrag hatten SPD, Grüne und FDP vereinbart, dass ab 2025 jede neu eingebaute Heizung zu 65 Prozent mit erneuerbaren Energien betrieben werden soll. Im März vergangenen Jahres vereinbarten die Koalitionsspitzen dann, dass „möglichst“ schon ab dem 1. Januar 2024 jede neue eingebaute Heizung so betrieben werden soll. FDP-Vertreter liefen am Dienstag Sturm gegen die Pläne. Generalsekretär Bijan Djir-Sarai nannte den Vorstoß im Nachrichtenportal T-Online „Unsinn“ und sagte steigende Kosten voraus. „Als FDP werden wir das zu verhindern wissen.“

Mit Material von DPA

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