Versorgung in Ostfriesland Wohin bewegen sich die Gaspreise in der Region?
Es sind widersprüchliche Aussagen: Auf der einen Seite senken Anbieter die Preise für Gas. Auf der anderen Seite warnt die Internationale Energieagentur vor Rekordpreisen.
Ostfriesland - Wohin bewegen sich die Gaspreise? Vor dieser Frage stehen derzeit viele Verbraucher. Es gibt widersprüchliche Signale. So warnt die Internationale Energieagentur (IEA) vor neuen Rekordpreisen beim Erdgas. Gleichzeitig scheinen einige Anbieter ihre Preise teils drastisch zu senken.
So berichtete ein Leser dieser Zeitung, sein Anbieter habe angeboten, den Abschlag nahezu zu halbieren. Das würde die Haushaltskasse natürlich deutlich entlasten. Allerdings nur, wenn am Ende keine hohe Nachzahlungsaufforderung ins Haus flattert. Ein Überblick über die wichtigsten Fragen:
Wohin bewegen sich die Preise?
Diese Frage lässt sich nicht einfach beantworten. „Wie die Marktentwicklung zukünftig aussieht, ist schwer zu prognostizieren“, sagt beispielsweise Dietmar Bücker, Sprecher der EWE, die in Ostfriesland als Grundversorger auftritt. „Die EWE hat vor dem Hintergrund der aktuellen Marktentwicklung erst kürzlich eine Preissenkung für Strom und Gas zum 1. April angekündigt“, sagt er.
Gleichzeitig warnt die IEA vor neuen Rekordpreisen. Obwohl die Preise in den letzten Monaten gesunken sind, könnte sich dies im laufenden Jahr bei einer wiederanziehenden Nachfrage in Asien und insbesondere China ändern, teilte die IEA in ihrem Gasmarktbericht mit. Als weltgrößter Erdgasimporteur habe China seine Covid-Beschränkungen kürzlich aufgehoben, die die Inlandsnachfrage im vergangenen Jahr gedämpft hatten.
Wie reagieren die Versorger?
Die EWE wird die Preise senken. Es gibt jedoch Berichte von anderen Anbietern, die teils deutlich anziehen. „Wir erhalten gerade viele Anfragen und Beschwerden zu neu angesetzten Abschlagszahlungen. In der Regel landen bei uns aber eher Fälle, in denen Abschlagszahlungen sehr hoch oder zu hoch angesetzt werden“, sagt Julia Schröder, Projektleiterin Energiepreissteigerungen bei der Verbraucherzentrale Niedersachsen.
Es sei seit einigen Wochen zu beobachten, dass die Handelspreise für Strom und Gas sinken. Bei Bestandskunden mache sich das bisher noch kaum bemerkbar, so die Verbraucherzentrale. „Viele Versorger haben ihre Preise kürzlich eher noch erhöht. Neukundentarife sind hingegen erstmals wieder zu annehmbaren Kosten zu haben“, so Schröder.
Wie sollten Kunden die Abschläge festsetzen?
Auch diese Frage ist sehr individuell. „Diese sollten sich grundsätzlich am kundenindividuellen Verbrauch und dem Preis orientieren“, sagt beispielsweise der EWE-Sprecher. Dem pflichtet die Verbraucherzentrale bei. „Grundsätzlich sinnvoll wäre eine Absenkung bei einer vorausgegangenen oder gleichzeitig ergehenden Preissenkung“, so Schröder.
Hier ist also der Kunde gefragt. Es gilt, genau durchzurechnen, welcher Abschlag bei welchem Preis sinnvoll wäre. „Für den Verbrauch kann man sich an dem Vorjahresverbrauch, der sich aus der letzten Jahresrechnung ergibt, orientieren. Ist es in der letzten Zeit zu einer Preiserhöhung gekommen, kann es eine Überlegung wert sein, den Abschlag anzupassen – um hohe Nachzahlungen zu vermeiden“, rät die Verbraucherschützerin. Sei es zu einer Preissenkung im Tarif gekommen, sollte der Abschlag entsprechend auch gesenkt werden. „Niemand muss überhöhte Abschläge zahlen und dem Versorger überschüssig Geld zur Verfügung stellen“, betont sie. Auf der Homepage der Verbraucherzentrale wurde auch ein Rechner veröffentlicht, der für jeden Kunden individuell eine sinnvolle Abschlagszahlung ausrechnen kann.
Wie geht es weiter?
Das ist von der globalen Wirtschaft abhängig. In einem Szenario könnte das erneute Nachfragewachstum nach verflüssigtem Erdgas (LNG) in China bis zu 35 Prozent betragen, teilte die IEA mit. Dies würde einen harten Wettbewerb auf den internationalen Märkten auslösen und könnte dazu führen, dass die Gaspreise wieder das unhaltbare Niveau des letzten Sommers erreichten, was insbesondere für die europäischen Abnehmer ein Problem darstellt.
„Das vergangene Jahr war für die globalen Gasmärkte außergewöhnlich. Die Preise kehren auf ein erträgliches Niveau zurück, vor allem in Europa, wo ein milder Winter und ein Nachfragerückgang zur Abkühlung der Märkte beigetragen haben“, sagte der IEA-Direktor für Energiemärkte und -sicherheit, Keisuke Sadamori. „China ist die große Unbekannte im Jahr 2023. Wenn die weltweite LNG-Nachfrage wieder das Vorkrisenniveau erreicht, wird das den Wettbewerb auf den Weltmärkten nur verschärfen und die Preise unweigerlich wieder in die Höhe treiben.“
Trotz des Anstiegs der weltweiten LNG-Nachfrage im Jahr 2022 war der Anstieg des Angebots mit 5,5 Prozent relativ bescheiden, so die IEA. Die Investitionstätigkeit war aufgrund steigender Baukosten und laufender Vertragsneuverhandlungen träge. Viele Projekte, die bereits vor der Investition stehen – darunter mehrere Vorhaben in Nordamerika sowie die Erweiterung des North Field South in Katar – machten jedoch erhebliche Fortschritte auf dem Weg zu einer endgültigen Entscheidung, teilte die IEA mit.