Kleine Ursache, große Wirkung  Feuerwehr warnt vor Billig-Akkus – Explosionsgefahr

Marion Luppen
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Von Marion Luppen
| 27.02.2023 19:31 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Batterien und Akkus haben im Hausmüll nichts zu suchen. Foto: Kalaene/dpa
Batterien und Akkus haben im Hausmüll nichts zu suchen. Foto: Kalaene/dpa
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Eine qualmende Powerbank hat kürzlich in Ihlow einen Feuerwehreinsatz ausgelöst. Die Feuerwehr warnt vor Billigmaterial und falscher Lagerung.

Aurich/Ihlow - Qualmende Akkus sind der Albtraum jedes Feuerwehrmanns. Die entweichenden Dämpfe sind hochgiftig. Es besteht zudem Explosionsgefahr. „Zum Glück kommt das eher selten vor“, sagt Manuel Goldenstein, Pressesprecher des Kreisfeuerwehrverbandes Aurich. Dennoch sei im Umgang mit diesen Geräten Vorsicht geboten.

Vor etwa zwei Wochen hatte eine Powerbank, also ein externer Zusatzakku etwa für Handys, in Ihlowerfehn einen Feuerwehreinsatz ausgelöst. In einem Wohnhaus sei ein Akku explodiert und das Gebäude sei verraucht, hieß es. Unter Atemschutz betraten Feuerwehrleute das Gebäude, brachten die Powerbank ins Freie und lüfteten. Nach Angaben von Gemeindefeuerwehr-Pressesprecher Pascal Coordes war die Powerbank zum Zeitpunkt des Zwischenfalls nicht ans Stromnetz angeschlossen. Aus dem Nichts seien plötzlich Gase ausgetreten. Ob das Gerät beschädigt war, womöglich fallen gelassen wurde, sei nicht bekannt. Der Besitzer tat jedenfalls das einzig Richtige: Er rief die Feuerwehr.

„Ein Akku fängt nicht einfach so an zu brennen“

Akkus, also wieder aufladbare Batterien, kommen unter anderem in Handys, tragbaren Computern, elektrischen Zahnbürsten, Fahrrädern und Werkzeugen vor. „Ein Akku fängt nicht einfach so an zu brennen“, sagt Kreisfeuerwehrverbands-Pressesprecher Goldenstein. Das passiere, wenn der Akku beschädigt sei, falsch gelagert werde oder mit einem falschen Gerät geladen werde. Goldenstein rät dringend davon ab, Billig-Akkus und -Ladegeräte zu nehmen. Gerade bei solchen Nachahmer-Produkten komme es zu unerwünschten Zwischenfällen. „Man sollte nur den Akku und das Ladegerät verwenden, das zum Gerät dazugehört“, sagt Goldenstein. „Nichts anderes.“

Geräte mit Akkus sollten zudem möglichst fern von leicht brennbaren Gegenständen aufbewahrt werden. Der Akkuschrauber wird also beipielsweise besser nicht neben einem Holz- oder Papierstapel gelagert. Auch winterliche Kälte sei für Akkus nicht gut. Goldenstein rät, in der kalten Jahreszeit den Fahrrad-Akku nicht im Geräteschuppen zu lagern, sondern an einem wärmeren Ort.

„Bombenstimmung in der Restabfalltonne“

Wenn ein Akku anfängt zu qualmen, sollte man sofort die Feuerwehr rufen, empfiehlt der Pressesprecher. Feuerlöscher seien zum Löschen nur bedingt geeignet, weil der Schaum nur an die Oberfläche komme. Der Brand vollziehe sich aber im Inneren des Gerätes. Dort komme es zu Kettenreaktionen. Dafür benötige man spezielle Löschmittel, die nicht zur Standardausrüstung der Feuerwehr gehörten, etwa Gel-Löscher oder Pyrobubbles. Die Feuerwehr habe aber auch ohne diese Spezialausrüstung bessere Möglichkeiten, mit einem solchen Zwischenfall umzugehen, als ein Laie. Sie könne die Akkus beispielsweise in spezielle Behälter packen oder Löschdecken verwenden.

Auch Abfallentsorger weisen immer wieder auf die Brandgefahr durch Akkus und Batterien hin. Wer sie in den Hausmüll gebe, gefährde Mitarbeiter in Müllfahrzeugen und Sortieranlagen, warnt der Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Rohstoffwirtschaft. Nur etwa jede zweite verkaufte Batterie lande in den dafür vorgesehenen Sammelstellen. „Bombenstimmung in der Restabfalltonne“ stand auf einem Flyer, den 2021 die Stadt Oldenburg an alle Haushalte verteilte, um vor der Entsorgung unter anderem von Batterien und Akkus im Hausmüll zu warnen.

Yves Knoblich vom Abfallwirtschaftsbetrieb Landkreis Aurich bestätigte damals ähnliche Probleme auch in Ostfriesland: So sei durch Funkenflug eines illegal entsorgten Lithium-Ionen-Akkus im Vorzerkleinerer der mechanisch-biologischen Abfallbehandlungsanlage in Großefehn ein Feuer ausgebrochen und über das Förderband in die Halle getragen worden. Dort habe der Brand großen Schaden angerichtet.

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