Bedarfsanalyse Verwaltung will Schulen und Kitas in der Krummhörn schließen
Die letzte Besprechung der Analyse zu Grundschulen und Kitas in der Gemeinde Krummhörn steht noch an. Aber die Gemeindeverwaltung hat schon einen Vorschlag entwickelt. Der hat es in sich.
Krummhörn - Es ist ein Grundsatzbeschluss, den die Verwaltung der Gemeinde Krummhörn erreichen will. Noch bevor am kommenden Sonnabend abschließend die Bedarfsanalyse zu den Kitas und Grundschulen in der Gemeinde der Politik sowie den Schulen und Kitas vorgestellt wird, kommt die Verwaltung um Bürgermeisterin Hilke Looden (parteilos) mit einem Vorschlag für die Zukunft sprichwörtlich um die Ecke.
In der Kurzfassung: Geschlossen werden sollen die Grundschulen Greetsiel und Loquard. Jennelt und Pewsum sollen erhalten und ausgebaut beziehungsweise saniert werden. Die Kitalandschaft soll ebenfalls eine „Neuausrichtung“ erfahren. Dies steht in den Sitzungsunterlagen zum Bildungsausschuss in der kommenden Woche.
Verwaltung orientiert sich an Biregio-Empfehlung
Die Verwaltung folgt damit den von der Firma Biregio in der Analyse empfohlenen Varianten. Zwar hatte Biregio mehrere mögliche Varianten entworfen, allerdings sind die nun von der Verwaltung vorgetragenen Varianten die bevorzugten. Die Entscheidungen zu den Kitas hängen in dieser Version sehr direkt mit der Entscheidung zu den Kitas zusammen.
In der Analyse wurde deutlich, dass es der Gemeinde Krummhörn schon jetzt an Betreuungsplätzen für Unter-Dreijährige mangelt. Perspektivisch, trotz eines zunächst vorhergesagten Rückgangs an Kindergarten- und Schulkindern, wird sich der Mangel auch auf die Plätze für die Über-Dreijährigen ausdehnen. Politik und Verwaltung sind also zum Handeln gezwungen.
Fünf Kita-Standorte sollen erhalten bleiben
Mit der Schließung der Grundschulen in Loquard und Greetsiel, denen aus verschiedenen Gründen keine guten Entwicklungschancen vorausgesagt werden, würden diese Schulgebäude frei werden. Diese, so der Vorschlag von Biregio, könnten dann künftig als Kitas genutzt werden. In der Krummhörn gibt es elf Kindertagesstätten, zusätzlich den Sprachheilkindergarten Pewsum sowie die Tagesbetreuungsstelle (TABS) im Familienzentrum des Landkreises Aurich in Pewsum, Schatthausstraße. Von diesen Kitas sind laut Biregio fünf „ohne Entwicklungspotenzial“: Greetsiel, Groothusen, Loquard, Manslagt und Uttum. Einige weitere Standorte – Eilsum, Jennelt, Pewsum, Pilsum und Visquard – „erscheinen den Gutachtern nur bedingt erhaltenswert“.
Die Gemeindeverwaltung um Bürgermeisterin Hilke Looden schlägt nun vor, „zukünftig in den Ortschaften Greetsiel, Loquard, Jennelt, Pewsum und Woquard“ Kindertageseinrichtungen vorzuhalten. Also nur noch fünf statt elf. In Greetsiel und Loquard sollen die bislang bestehenden Kitas aufgelöst werden und die „jetzigen Schulstandorte“ zu „mehrgruppigen Kindertagesstätten“ umgebaut werden.
Gänzlich vom Tisch von den durch Biregio vorgeschlagenen Versionen ist nur, dass allein Pewsum als Grundschulstandort bestehen bleibt. Dies setze eine Fünfzügigkeit (also fünf Klassen pro Klassenstufe) voraus. Und das sei, so die Verwaltung in der Beschlussvorlage, durch das Land Niedersachsen „dauerhaft nicht zulässig“.
Politik will Klausurtagung abwarten
Welche Kosten dadurch auf die Gemeinde zukommen, ist dabei noch völlig offen. „Zum gegenwärtigen Beratungsstand noch nicht absehbar“, heißt es in der Beschlussvorlage. Allerdings heißt es dort auch, dass entsprechend noch geschaut werden muss, wie mit Pewsum und Jennelt als Grundschulstandorten weiter verfahren wird. „Für die verbleibenden Standorte in der Ortschaft Pewsum und Jennelt ist […] zu prüfen, ob eine Sanierung (einschl. Erweiterung) der Altgebäude oder aber jeweils ein Neubau der Schulgebäude die wirtschaftlichste und nachhaltigste Lösung darstellt“.
Über den Vorschlag der Verwaltung entscheidet schlussendlich die Politik. Die im Gemeinderat vertretenen Parteien und Gruppen zeigten sich angesichts des Vorschlags am Montag allerdings überrascht. CDU, SPD, SWK und FBL waren sich einig, dass man sich vor der abschließenden Klausurtagung am kommenden Sonnabend, 4. März, nicht auf eine Richtung festlegen wolle. Grüne und AfD konnten von dieser Zeitung nicht erreicht werden. Man sei etwas irritiert und überrascht, so der Tenor, dass die Verwaltung schon einen Vorschlag parat habe. Viele der Parteien haben extra für diese Woche noch weitere interne Sitzungen anberaumt, um über das Thema zu diskutieren.
„Ich wundere mich gerade über die Schnelligkeit der Verwaltung“, kommentiert SPD-Fraktionschef Alfred Jacobsen am Montag. Zuerst sei die Bürgermeisterin beim Thema Jufa-Hotel nach vorne geprescht und nun mit der Bedarfsanalyse. Looden hatte derweil schon im Vorfeld angekündigt, dass sie möglichst bis April eine Entscheidung von der Politik haben möchte.