Ehrenamtlicher Einsatz Wiesmoorer kämpft für den Aufbau von Augenbanken in Afrika
US-Augenbanken versorgen aktuell verstärkt Kriegsverletzte in der Ukraine mit Gewebe. Dadurch wird die von Ostfriesland aus organisierte Hilfe in Afrika erschwert.
Wiesmoor - Vor einer Woche traf Klaus Renken daheim in Wiesmoor „der Schock“, wie er sagt. Wieder einmal hatte er über seinen Verein Cornea Help bei einer Augenbank Hornhäute bestellt, zehn Stück, die Erkrankten in Ruanda eingesetzt werden sollten, um ihnen zu neuer Sehkraft zu verhelfen. „Alles wurde über Monate organisiert und vorbereitet“, sagt Renken. Für die Transplantation hatte sich eigens eine Spezialistin aus Belgien, Prof. Dr. Beatrijs Foets, nach Ruanda aufgemacht. Doch am 13. Februar kam die Nachricht, dass die Augenbank in den USA, Vision Share, entgegen der Zusage nicht zehn, sondern nur zwei Hornhäute zur Transplantation nach Ruanda geschickt hatte. Warum? „Augenbanken in den USA liefern momentan aufgrund des Angriffskriegs von Russland auf die Ukraine vermehrt Augenhornhautgewebe an ukrainische Augenkliniken und Kliniken in Nachbarländern, um den dort verwundeten Soldaten und Zivilisten zu helfen“, sagt Renken.
Man habe diesmal nicht nur deutlich weniger Hornhäute erhalten, sondern auch deutlich mehr bezahlt: 800 statt 500 Euro pro Hornhaut sowie einen massiv auf 500 Euro gestiegenen Transportpreis pro Hornhaut-Paar. „Ich habe daraufhin von Wiesmoor aus Mail nach Mail geschrieben im Stress – und es am Ende doch noch geschafft, über eine andere Augenbank die benötigten Hornhäute zu besorgen“, sagt Renken. „Die Zeit drängte dabei, denn das Zeitfenster war eng, die Spezialistin war ja nur für einen begrenzten Zeitraum vor Ort.“ Die Transplantate seien zudem sogar noch etwas günstiger gewesen. Umso stolzer seien er und die Beteiligten, dass es doch noch gelungen sei, die geplanten und notwendigen zehn Hornhaut-Transplantationen erfolgreich über die Bühne zu bringen.
Hilfe wurde zuletzt immer wieder erschwert
Renken lobt die US-Datenbanken für ihre Unterstützung von Kriegsopfern in der Ukraine durchaus. „Es ist eine wichtige Aufgabe, Menschen in der Ukraine, die schwerwiegende Augenverletzungen erlitten haben, zu helfen. Das Engagement der Augenbanken verdient unseren Respekt und unsere Anerkennung. Sie leisten einen wertvollen Dienst für die Menschen und tragen so zu einer humanitären Hilfe bei“, sagt er. Dennoch sei es schwieriger für seinen Verein und die 114 Mitglieder (rund 30 davon aus Ostfriesland) und die Unterstützer auf dem afrikanischen Kontinent geworden, die über Jahre aufgebaute Hilfe für an der Hornhaut Erkrankte fortzusetzen. „Die Corona-Pandemie hatte 2021 und 2022 die Hilfe von Cornea Help in Afrika zeitweise gestoppt und eingeschränkt. Nun wird unsere Hilfe in Afrika durch den ukrainisch-russischen Krieg stark beschränkt.“
Es werde insofern umso wichtiger, in Ruanda, aber auch in anderen Staaten Afrikas wie Kenia, eigene Augenbanken aufzubauen. Auch deshalb wird Renken am 5. März selbst nach Kenia fliegen, „um mit einigen Leuten aus West- und Ostafrika zusammenzukommen und zu besprechen, wie es weitergehen kann“, sagt er. „Es ist schön, wenn man jungen, von Erblindung bedrohten Menschen helfen kann, aber wir haben uns zuletzt von einem Loch ins nächste geschlagen“, sagt Renken.
Bedarf an Hornhäuten in Afrika ist groß
Insbesondere im muslimisch geprägten Staat Kenia gebe es noch massive Widerstände gegen den Aufbau eigener Augenbanken. In Ruanda gebe es aber erste Aussichten, eine solche Einrichtung gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Gewebetransplantation (DGFG) aus Hannover aufzubauen. Mit der kooperiert Renkens Verein seit Ende 2021. Die DGFG schreibt: „Eine Hornhauttransplantation ist immer die letzte Therapieoption und einzige Chance auf die Rettung vor der drohenden Erblindung. Jedes Transplantat stammt aus der Gewebespende und ist ein Geschenk ans Leben eines bedürftigen Patienten, gegeben von einer Spenderin oder einem Spender. Während auch in Deutschland, trotz eines der besten Gesundheitssysteme weltweit, noch immer ein Mangel an Spendergewebe herrscht, zeichnet sich in Afrika ein weitaus drastischeres Bild ab.“
Dort könnten sich die wenigen afrikanischen Patienten, die im eigenen Land eine Hornhaut transplantiert bekommen, zur glücklichen Ausnahme zählen. „Der Bedarf an Hornhauttransplantaten in Afrika ist groß: Verletzungen der Augenhornhaut, Vernarbungen oder erblich bedingte Augenerkrankungen sind häufige Indikationen. Weitere Ursache für einen hohen Bedarf an Hornhauttransplantaten ist auch die oft unzureichende medizinische Versorgung: Vermeintlich leichte Infektionen der Augenhornhaut werden zu spät erkannt, oft nicht rechtzeitig behandelt, so dass den Patienten oft der Verlust ihrer Sehkraft droht. Doch eine verfügbare Spenderhornhaut und Ärzte, die über das nötige Know-how verfügen, zählen in Afrika leider noch zur seltenen Ausnahme.“ Dabei würde es in Afrika, genau wie in Deutschland, ausreichend Hornhautspender geben. Renken: „Wir hoffen, dass wir da bald entscheidende Schritte vorwärts kommen, um Spenden in den Ländern für die Menschen aus den Ländern verwirklichen und so vielleicht auch noch mehr Menschen helfen zu können.“ Es gehe auch darum, „die Kosten für die Versorgung afrikanischer Patienten zu senken und eine sichere Versorgung entsprechend des Bedarfs zu gewährleisten“.
Whatsapp-fähige Handys gesucht
Àpropos Hilfe: Der Wiesmoorer appelliert auch an Ostfriesen, alte, in Schubladen ungenutzt liegende Handys zu spenden. „Wir tauschen uns mit den jungen Menschen, die ihr Augenlicht zurückerlangt haben, viel über Whatsapp aus. Es fehlt aber noch an Telefonen. Die Geräte müssen nicht viel können. Das einzige, was wichtig wäre, ist, dass Whatsapp darauf läuft“, sagt Renken. Falls wer noch solch ein funktionsfähiges Gerät abzugeben habe, würde Renken sich über einen Anruf unter Telefon 04944/2788 freuen.