Hamburg  Falsche Preisschilder: Werden Kunden im Supermarkt bewusst abgezockt?

Laurenz Constantin Blume
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Von Laurenz Constantin Blume
| 27.02.2023 13:45 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Durch falsche Preisschilder könnten Kunden im Supermarkt teilweise mehr zahlen als gedacht. Foto: dpa/ Sven Hoppe
Durch falsche Preisschilder könnten Kunden im Supermarkt teilweise mehr zahlen als gedacht. Foto: dpa/ Sven Hoppe
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Mehrmals zahlt eine Kundin in einem Supermarkt einen höheren Preis für Käse, als am Supermarktregal angegeben. Laut Verbraucherzentrale Hamburg ist das kein Einzelfall. Die Verbraucherschützer kennen noch andere Tricks der Händler.

Einkaufen ist dieser Tage teuer. Umso größer ist die Freude bei niedrigen Preisen oder Rabattschildern im Supermarkt. Stellt sich an der Kasse dann heraus, dass der Preis viel höher ist, fühlt man sich getäuscht. Eva Rasch aus Hamburg berichtet, dass es ihr so etwas in den vergangenen Wochen zweimal in einem Rewe-Markt im Einkaufszentrum Hamburger Meile passiert ist. Beide Male sei der Preis für Cheddar-Käse an der Kasse ein anderer gewesen als der, der am Regal stand.

„Beim ersten Mal habe ich mitbekommen, dass eine Kundin vor mir monierte, dass der Preis für gefüllte Weinblätter, den sie zahlen sollte, nicht mit jenem am Regal übereinstimmte“, berichtet die Hamburgerin. „Als ich später meinen Kassenbon prüfte, sah ich, dass der Cheddar über 3 Euro kostete. Ich war mir sicher, dass am Regal ein sehr viel niedriger Preis stand, denn für diesen Preis hätte ich den Käse nicht gekauft”, so Rasch weiter. 

Nachdem sie sich beim ersten Einkauf getäuscht fühlte, fotografierte sie beim nächsten Cheddar-Kauf vorsichtshalber das Preisschild am Regal. „Der Cheddar sollte 2,39 Euro kosten. An der Kasse wurden dann plötzlich 2,69 Euro verlangt“, berichtet Rasch. Als sie der Kassiererin das Foto zeigte, bekam sie den Käse zum niedrigeren Preis.

Offensichtlich ist dies kein Einzelfall. Auch ihrem Mann sei das passiert, berichtet die Kundin: Statt wie angegeben 5,69 Euro wurden an der Kasse eines Rewe-Marktes in Lübeck für ein Fitnessmüsli 5,99 Euro fällig.

Als sich Eva Rasch an der Kasse darüber beschwerte, sagte die Kassiererin nach Angaben der Kundin, dass viele Preise an den Regalen nicht stimmten, weil sie gar nicht mehr hinterherkämen. „Ich meinte dann, das sei doch Kundentäuschung und man könne sich ja nicht alle Preise bis zur Kasse merken. Daraufhin sagte sie, ich könne mich gerne bei ihrem Chef darüber beschweren“, so Rasch.

Vor solchen Fällen warnt auch die Verbraucherzentrale Hamburg (vzhh). Immer wieder würden die Preisschilder an den Produkten nicht mit den Preisen an der Kasse übereinstimmen. Häufig liege das an mangelnder Sorgfalt im Laden, da die Schilder beispielsweise nach Rabattaktionen nicht schnell genug ausgetauscht oder bereits am Vortag vor dem eigentlichen Rabattbeginn angebracht werden.

Auch wenn sich der Verpackungsinhalt von Produkten verringert bleiben alte Preisschilder für die ursprüngliche Füllmenge laut Verbraucherzentrale häufig kleben. Meist ändert sich zwar nichts an dem Produktpreis, jedoch müsste der Grundpreis, beispielsweise die Kosten pro Kilogramm, ausgetauscht werden. Diesen müssen Händler bei Lebensmitteln angeben, die nach Gewicht und Volumen angeboten werden. Für Kunden lassen sich die Preise sonst nicht gut vergleichen. In einigen Läden fehle dieser Grundpreis sogar ganz.

Zudem warnen die Verbraucherschützer vor Händlern, die mit der Unverbindlichen Preisempfehlung (UVP) als Streichpreis werben, was fälschlicherweise den Eindruck eines Angebots erweckt. Außerdem arbeiten Händler teilweise mit roten Preisschildern, die gar kein Angebot markieren sowie mit Rabattschildern für Produktgruppen, auf denen die betroffenen Produkte dann aber nur im Kleingedruckten stehen.

Im Falle von falschen Preisen an den Produkten rät die Verbraucherzentrale, im Notfall vom Kauf zurückzutreten. Der Kaufvertrag wird erst an der Kasse geschlossen. Es gebe jedoch „kein Anrecht auf den Preis am Regal“. Verkauft der Händler wie im Fall von Eva Rasch das Produkt zum Preis auf dem Preisschild, dann geschieht das aus Kulanz.

Kommen falsche Preise in einem Laden häufig vor, kann man sich an die Verbraucherzentrale wenden – auch bei fehlenden Grundpreisen.

Genau hinzuschauen und Preise zu vergleichen hilft zudem, falsche Grundpreise, irreführende Streichpreise oder die rabattierten Produkte auf großen Angebotsaufstellern zu erkennen. Bei roten Preisschildern sind zusätzlich die Wörter „Aktion“ oder ähnliche Begriffe wichtig – nicht aber das Wort „Werbung“. Dieses kennzeichnet nämlich keinen Rabatt. Bei der Farbwahl der Preisschilder sind die Händler allerdings grundsätzlich frei.

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