Wenn das Schule macht Quereinstieg – so kann man in Ostfriesland Lehrer werden
Schulen in Ostfriesland brauchen Lehrkräfte. Welche Wege führen in den Unterricht, welche Voraussetzungen muss man mitbringen und was verdient man? Wir haben das Kultusministerium gefragt.
Ostfriesland/Hannover - Niedersachsens Schulen fehlt es an Lehrkräften. In dieser Notlage sind Quereinsteiger gefragt. Kann man mal eben Lehrer oder Lehrerin werden? Unsere Zeitung hat beim Kultusministerium nachgefragt.
Welche Qualifikationen braucht man, um unterrichten zu dürfen?
Das Kultusministerium favorisiert einen Quereinstieg über „den Vorbereitungsdienst für das Lehramt“ – für das Lehramt an Grundschulen, an Haupt- und Realschulen, an Gymnasien und für das Lehramt für Sonderpädagogik. Bewerber brauchen dafür ein Studium, dessen Hauptfach einem Unterrichtsfach beziehungsweise einer sonderpädagogischen Fachrichtung „des besonderen Bedarfs“ zugeordnet werden kann. Zudem muss mindestens ein weiteres Studienfach zu einem Unterrichtsfach passen.
Gibt es noch einen schnelleren Weg in den Lehrerberuf?
Interessenten können sich auch „direkt für die Einstellung in den niedersächsischen Schuldienst bewerben“, schreibt das Kultusministerium – bei den Schulen. Sie müssten ein Bewerbungs- und Auswahlverfahren durchlaufen: „Die Einstellungschancen sind abhängig vom fächerspezifischen Bedarf der Schulen, der Schulform sowie der regionalen Bewerberlage.“ Und: „Die Bewerbung um unbefristete Einstellung in den niedersächsischen Schuldienst erfordert für alle Schulformen einen universitären Hochschulabschluss mit einem Mastergrad oder einen gleichwertigen Hochschulabschluss.“ Der Abschluss müsse „mindestens einem Unterrichtsfach oder einer sonderpädagogischen Fachrichtung“ der jeweiligen Schulform zuzuordnen sein: „Ein Studienabschluss kann einem Unterrichtsfach nur dann zugeordnet werden, wenn aufgrund der nachgewiesenen Studien- und Prüfungsleistungen davon ausgegangen werden kann, dass die jeweiligen erworbenen fachwissenschaftlichen Kenntnisse im Wesentlichen denen eines entsprechenden abgeschlossenen Lehramtsstudiums des jeweiligen Faches entsprechen.“ Und: „Bewerberinnen und Bewerber mit einem anderen Bachelor- oder vergleichbarem Hochschulabschluss können für befristeten Vertretungsunterricht eingestellt werden, sofern der nachgewiesene Abschluss mindestens einem Lehrbefähigungsfach zugeordnet werden kann“, ergänzt das Kultusministerium.
Werden Quereinsteiger auf den Schuldienst vorbereitet?
„Eine pädagogisch-didaktische Qualifizierung im direkten Quereinstieg erfolgt an öffentlichen Schulen oder anerkannten Ersatzschulen der jeweiligen Schulform und an Studienseminaren, die für das entsprechende Lehramt ausbilden“, so das Kultusministerium. „Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger, denen zwei Unterrichtsfächer zugeordnet werden können, haben die Möglichkeit, den Vorbereitungsdienst für Lehrämter zu absolvieren.“
Was verdient man als Quereinsteiger?
„Diese Frage ist in ihrer Pauschalität nicht beantwortbar“, erklärt das Kultusministerium. Wer die beamten- und laufbahnrechtlichen Voraussetzungen erfülle, bekomme je nach Lehramt ein Einstiegsgehalt von 3879,75 Euro im Monat (Besoldungsgruppe A12) oder 4352,21 Euro (A13) – das seien die Summen der „untersten Erfahrungsstufe“.
Das Einkommen einer tarifbeschäftigten Lehrkraft könne – abhängig von der individuellen Einstufung – zwischen den Entgeltgruppen 9b und 13 des Tarifvertrag-Land liegen. Wiederum in der untersten Erfahrungsstufe entspreche das einem monatlichen Einkommen von 3051,16 bis 4074,30 Euro.
Welche Gehälter sind maximal möglich?
„Für beamtete Lehrkräfte ergibt sich je nach Einstiegsamt und Laufbahngruppe in der höchsten Erfahrungsstufe und ohne Beförderungen in ein höheres Amt ein Brutto-Grundgehalt von zurzeit 5063,29 Euro (Besoldungsgruppe A12) oder 5630,29 Euro (A13)“, informiert das Kultusministerium. Für tarifbeschäftigte Lehrkräfte betrage das Entgelt nach der derzeitigen Entgelttabelle des Tarifvertrag-Land für Beschäftigte in der Gruppe 9b in der sechsten Erfahrungsstufe 4303,46 Euro. In der Entgeltgruppe 13 seien es 5872,94 Euro.
Werden Quereinsteiger befristet angeheuert?
„Eine Einstellung im direkten Quereinstieg erfolgt in der Regel als befristete beschäftigte Lehrkraft“, so das Ministerium. „Die Befristung richtet sich nach der Dauer der berufsbegleitenden Qualifizierungsmaßnahme.“ In der Regel seien es zwei Jahre. Eine Einstellung im Beamtenverhältnis auf Probe mit der Möglichkeit einer späteren Verbeamtung auf Lebenszeit komme unter bestimmten Voraussetzungen auch in Betracht. Eine Vorschrift besage: „Eine Lehrbefähigung durch Studium und berufliche Tätigkeit erwirbt, wer ein anderes Hochschulstudium als ein Lehramtsstudium mit einem Mastergrad abgeschlossen hat, wenn der Abschluss zwei Fächern im Sinne der Ausbildungs- und Prüfungsverordnung zugeordnet werden kann und mindestens vier Jahre lang eine berufliche Tätigkeit ausgeübt hat, die fachlich an das Hochschulstudium anknüpft sowie den fachlichen Anforderungen für das jeweilige Einstiegsamt entspricht.“ Wer die Voraussetzungen nicht erfülle, der werde als Tarifbeschäftigter angestellt. Nur „Vertretungslehrkräfte“ seien „längstens bis zum letzten Unterrichtstag in einem Schuljahr“ beschäftigt.
Wohin können sich Interessierte wenden?
Eine Bewerbung sei über das folgende Internetportal möglich, schreibt das Ministerium: www.eis-online.niedersachsen.de.
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