Lehrermangel in Ostfriesland  Vier-Tage-Woche – so schnell können Schulen in Notlagen geraten

Andreas Ellinger
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Von Andreas Ellinger
| 26.02.2023 19:03 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Wenn es so wenige Lehrkräfte gibt, dass eine erkrankte Lehrkraft nicht vertreten werden kann, bekommen die Schülerinnen und Schüler frei. Symbolfoto: Seidel-Dißmann/dpa
Wenn es so wenige Lehrkräfte gibt, dass eine erkrankte Lehrkraft nicht vertreten werden kann, bekommen die Schülerinnen und Schüler frei. Symbolfoto: Seidel-Dißmann/dpa
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Ein kurzzeitige Vier-Tage-Woche an einer Ammerländer Grundschule zeigt, wie schnell Personalnot entstehen kann. Ostfriesische Grundschulen sind im Vergleich sogar schlechter mit Lehrern versorgt.

Ostfriesland/Hannover/Lüneburg - Die ostfriesischen Schulen haben 85 bis 103,7 Prozent der Lehrerstunden, die sie brauchen. Das geht aus einer Statistik hervor, die das Regionalen Landesamt für Schule und Bildung Lüneburg geschickt hat. Die Statistik weist Prozentsätze für die Landkreise Aurich, Leer und Wittmund sowie für die Stadt Emden aus, jeweils in Schularten untergliedert. Das heißt, sie ist nicht schulscharf. Demnach könnte es auch Schulen geben, die mehr als 103,7 Prozent der benötigten Lehrer haben – oder weniger als 85 Prozent.

85 Prozent bedeuten, dass – auf jeweils 20 benötigte Lehrkräfte gerechnet – drei fehlen. Dabei ist der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sogar eine 100-prozentige Versorgung zu wenig. Das schreibt deren kommissarische Vorsitzende im Bezirk Weser-Ems, Wencke Hlynsdóttir: „Die GEW fordert seit langem eine ausreichende Vertretungsreserve mit weit über 100 Prozent Unterrichtsversorgung.“

Grundschulen sind die – relativ – „am besten versorgte Schulform“

Nach Auskunft des Kultusministeriums „sind Grundschulen die am besten versorgte Schulform in Niedersachsen“. Laut Landesstatistik lag die Lehrerversorgung der Grundschulen zum Schuljahresbeginn aber in allen ostfriesischen Kreisen unter 100 Prozent – den niedrigsten Wert hatte Emden mit 94,7 Prozent.

Im Vergleich dazu war die Personalsituation an der Ammerländer Grundschule Wiefelstede überdurchschnittlich gut. Laut Ministerium hatte sie „zum Stichtag 8. September 2022 eine Unterrichtsversorgung von über 100 Prozent“. Trotzdem hat die dortige Schulleitung Mitte Februar kurz eine Vier-Tage-Woche ausgerufen. Weil drei Lehrkräfte für den Präsenzbetrieb ausgefallen seien, wie das Ministerium berichtet, und eine Vertretungskraft „ebenfalls krankheitsbedingt nicht eingesetzt werden konnte“. Das zeige, „wie schnell eine Schule durch das Zusammenspiel unterschiedlicher, gleichzeitig eintretender Ereignisse in eine solch schwierige Lage kommen kann“.

Wie oft fällt der Unterricht in Ostfriesland aus?

Was bedeutet das für Ostfriesland, wo die Grundschulen statistisch unter einer 100-Prozent-Versorgung liegen? Und bei den meisten anderen Schularten sieht es noch schlechter aus. Unsere Zeitung hatte schon Anfang Februar beim Kultusministerium angefragt, wie viele der zu wenigen Lehrerstunden wegen Erkrankung, Fortbildung und ähnlichem in diesem und im vergangenen Schuljahr ausgefallen sind.

Das Landesschulamt Lüneburg hat darauf geantwortet: „Jede Schule in Niedersachsen hat im Rahmen ihrer Eigenverantwortlichkeit ein schulinternes Vertretungskonzept, mit dem kurzfristige Lehrkräfteausfälle aufgefangen werden können.“ Diese kurzfristigen Vertretungen oder Ausfälle sowie Krankmeldungen von Lehrkräften würden der Behörde „nicht gemeldet, so dass wir Ihnen hierzu keine statistischen Daten nennen können“. Lediglich „in Einzelfällen“ könne es „auch zu Kürzungen beim Pflichtunterricht kommen“.

Stichprobenartige Umfrage unter ostfriesischen Schulen

Unsere Zeitung hat daraufhin bei rund 15 Schulen in Ostfriesland angefragt, wie viele Lehrerstunden bei ihnen ausfallen. In den bisher eingegangenen Antworten sind jedoch ebenfalls keine Zahlen enthalten. „Eine detaillierte Erhebung dazu müssen wir nicht vorhalten“, erklärt beispielsweise die Gesamtschuldirektorin Silvia Fleßner der KGS Großefehn. Sie und andere Schulleitungen verweisen auf das jeweilige Vertretungskonzept, das greife. Aber: „Auch hier kann es passieren, dass Unterricht nicht vertreten werden kann, so dass er letztlich ausfallen muss“, schreibt Gesamtschuldirektor Günter Tautz von der IGS Ihlow. „Dies passiert allerdings äußerst selten.“ Eine Buchführung dazu gebe es nicht. Für die IGS Emden antwortete Vertretungsplaner Nils Thorweger im Auftrag des Schulleiters: „In Phasen mit einem hohen Krankenstand im Kollegium kann es vorkommen, dass vereinzelt Randstunden entfallen.“

Einige andere Schulleiterinnen und Schulleiter waren nicht bereit, diese und andere Fragen unserer Zeitung zur Personalsituation an ihrer Schule zu beantworten. Sie haben an die Landesschulverwaltung verwiesen – und die hat in der Frage des Unterrichtsausfalls, wie erwähnt, keine Daten.

Ein weiterer Bericht zu dieser Thematik folgt in Kürze.

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