Jedes Jahr im April Erneut Großdemo gegen Tiertransporte in Aurich geplant
Rund 350 Menschen sind im April 2022 in Aurich gegen Rindertransporte auf die Straße gegangen. Die „Ostfriesen gegen Tierleid“ planen eine Neuauflage der Demo.
Aurich - Das Thema Viehexport ist in Aurich ein heißes Eisen. Die Kreisstadt gilt als Drehscheibe für umstrittene Rindertransporte in Länder wie Marokko und Usbekistan. Tierschützer rufen immer wieder zu Mahnwachen und Protestaktionen auf. Außerhalb der EU-Grenzen erwarteten die Tiere Qualen, heißt es. Sie müssten hungern und dursten, würden misshandelt und vor der Schlachtung nicht betäubt.
Unter dem Motto „Schluss mit Tiertransporten!“ hatten die Vereinigung „Ostfriesen gegen Tierleid“ und der Wiesmoorer Ratsherr Diedrich Kleen (Tierschutzpartei) am 9. April 2022 in Aurich eine Großdemonstration mit anschließender Expertenrunde und Podiumsdiskussion vor dem Rathaus organisiert. Rund 350 Menschen gingen damals auf die Straße. Die „Ostfriesen gegen Tierleid“ planen eine Neuauflage der Demo, diesmal allerdings ohne Expertenrunde und Podiumsdiskussion. Sie rechnen mit rund 200 Teilnehmern.
Mit Trommeln und Trillerpfeifen
„Schließt euch uns an im Kampf für Tierrechte und gegen Tiertransporte!“, heißt es in einer Aufruf zur Demonstration am Sonnabend, 29. April. Die Teilnehmer treffen sich um 10.30 Uhr vor der Sparkassen-Arena. Von dort setzt sich der Demonstrationszug um 11 Uhr in Bewegung und geht um den Innenstadtring. Mit Trommeln, Schildern, Bannern, Trillerpfeifen und Megafonen wollen die Demonstranten einen sofortigen Stopp der Tiertransporte verlangen.
Zwischen 14 und 14.30 Uhr planen die Organisatoren eine Menschenkette vor dem Viehvermarktungszentrum des Vereins Ostfriesischer Stammviehzüchter (VOST) in Schirum. In den dortigen Stallungen werden Rinder auf den Transport vorbereitet. „Mit Bannern, Plakaten und Fahnen wollen wir still auf das Leid der Tiere aufmerksam machen“, heißt es in dem Aufruf. Die Mahnwache werde gegen 15.15 Uhr beendet sein.
„Weg von der Fleisch- und Milchindustrie“
Zu den Organisatoren gehört Manfred Hagemann aus Emden. „Wir versuchen, das zu einer festen Einrichtung zu machen“, sagt der pensionierte Biologielehrer über die geplante Demo. „Jedes Jahr im April in Aurich.“ Ziel sei es, „weg von der Fleisch- und Milchindustrie zu kommen“ und „die Verbraucher zum Umdenken zu bringen“. Er engagiere sich seit Jahrzehnten für den Tierschutz, sagt der 72-Jährige, der fast 40 Jahre lang an der Osterburgschule in Emden unterrichtete.
Er habe „als einziger Biologielehrer weit und breit“ im Unterricht „die Haltungsbedingungen sogenannter Nutztiere“ thematisiert, sagt Hagemann. Im Biobuch stehe nur: „Die Kuh gibt Milch.“ Was dahintersteckt, werde verschwiegen. Er esse seit fast 50 Jahren kein Fleisch, was früher exotisch gewesen sei. „Bei Grillabenden hieß es dann: ,Manni, ich mach dir extra was mit Gemüse.′“ Heute gehe er nicht mehr zu Grillfesten, sagt der Veganer: „Weil ich das nicht sehen kann.“
Agrarminister Özdemir reagiert
Der seit Jahren andauernde Protest bleibt indessen nicht ohne Wirkung: Das Bundeslandwirtschaftsministerium schränkt Tiertransporte aus Deutschland in Länder außerhalb der EU deutlich ein. Mit Wirkung zum 1. Juli werden deutsche Veterinärbescheinigungen für Exporte lebender Rinder, Schafe und Ziegen in Drittstaaten zurückgezogen. Diese Regelung könne aber umgangen werden, indem die Tiere in andere EU-Länder gebracht und vor dort exportiert werden, erklärte Landwirtschaftsminister Cem Özdemir (Grüne). Es brauche daher gemeinsame Regeln in Europa.
Die Pläne des Agrarministeriums seien ein Schritt in die richtige Richtung, meinen die „Ostfriesen gegen Tierleid“. Sie könnten die Exporte jedoch nicht verhindern. „Will man dem Tierleid wirklich ein Ende bereiten, dann muss ein nationales und ein EU-weites Verbot her!“, heißt es in dem Aufruf. „Und deshalb müssen wir auf die Straße!“
„Vielleicht müssen wir es aushalten“
Der VOST hält die Kritik für ungerechtfertigt. Der Zucht- und Absatzgenossenschaft mit Sitz in Leer gehören rund 1400 familiengeführte Betriebe an. Nach eigenen Angaben exportiert der VOST jährlich rund 15.000 Rinder, rund 50 Prozent davon in EU-Länder, die andere Hälfte in Drittländer. Die Branche selbst habe sich hohe Standards für den Transport und dessen lückenlose Dokumentation auferlegt, wird VOST-Geschäftsführer Dr. Cord-Hinnerk Thies nicht müde zu betonen. Sie habe ein eigenes Interesse daran, dass Tiere gesund und wohlbehalten am Ziel ankommen.
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Anlässlich der Großdemonstration in Aurich hatte der VOST im vergangenen Jahr eine eigene Aktion vorbereitet und eine Woche vor der Demo zu einem Thementag „Zuchtrinderexport“ nach Schirum eingeladen. Wird es auch diesmal eine Gegenveranstaltung geben? Thies schließt das nicht aus. Er hat allerdings erst durch einen Anruf der Redaktion von den Demoplänen erfahren. „Ich will nicht sagen, dass man sich an die Demonstrationen gewöhnt hat“, sagt er. Es gebe ja regelmäßig Kundgebungen in Schirum. „Wir müssen gucken, ob wir was machen. Vielleicht müssen wir es auch einfach aushalten.“