Versenkbare Poller geplant  Aurich verbannt Lieferverkehr aus Fußgängerzone

Marion Luppen
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Von Marion Luppen
| 23.02.2023 19:09 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Am Ausgang der Norderstraße zum Busbahnhof wird demnächst ein versenkbarer Poller installiert. Fotos: Ortgies
Am Ausgang der Norderstraße zum Busbahnhof wird demnächst ein versenkbarer Poller installiert. Fotos: Ortgies
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Zwischen 10 und 18 Uhr ist die Auricher Fußgängerzone für Autos tabu. Trotzdem fahren auch tagsüber regelmäßig Lieferfahrzeuge bis vor die Geschäfte. Damit ist bald Schluss.

Aurich - Die Fußgängerzone ist für Fußgänger da. Sie sollen sich dort ungestört und ohne Furcht vor vorbeifahrenden Autos und Fahrrädern bewegen können. Die Realität sieht in Aurich anders aus: Auch mitten am Tag kommt es immer wieder vor, dass Lieferfahrzeuge in die Burg- und Osterstraße fahren und direkt vor den Geschäften parken. Manche Autofahrer benutzen die Fußgängerzone auch als Abkürzung zur Umfahrung der Ampeln auf dem Innenstadtring. „Wir haben seit Jahren massive Probleme in der Innenstadt mit dem Lieferverkehr“, sagt Ordnungsamtsleiter Helmut Lücht. Die Polizei kontrolliere zwar stichprobenartig, doch sie könne das auch nicht immer unterbinden. Die Stadt selbst sei nur für den ruhenden Verkehr zuständig, also für Falschparker.

Die Poller sind an fünf Standorten geplant. Grafik: Fischer
Die Poller sind an fünf Standorten geplant. Grafik: Fischer

Die Verwaltung will dem unerwünschten Verkehr nun einen Riegel vorschieben – durch versenkbare Poller. „Wir wollen eine richtige Fußgängerzone zurückholen und den Lieferverkehr da raushalten“, sagt Lücht. „Wir versprechen uns dadurch eine deutlich höhere Aufenthaltsqualität in der Fußgängerzone.“ Der Bauausschuss des Rates hat am Mittwochabend ohne Gegenstimme ein Konzept der Verwaltung befürwortet. In Absprache mit der Polizei werden nun an fünf Stellen Poller installiert, um Fahrzeuge am Befahren der Fußgängerzone zu hindern: in der Burgstraße, in der Hafenstraße, in der Kirchstraße, in der Wallstraße und in der Norderstraße (siehe Grafik). Das Ganze kostet rund 150.000 Euro.

Einsatzfahrzeuge dürfen passieren

Um 10 Uhr werden die Poller hochgefahren, um 18 Uhr wieder heruntergefahren. In dieser Zeit ist das Befahren der Fußgängerzone nur mit Ausnahmegenehmigung erlaubt. Die bekommen zum Beispiel Baustellenfahrzeuge, Geldtransporter und Taxis, die Patienten zum Arzt bringen. Auch für Einsatzfahrzeuge von Polizei und Feuerwehr sind die Poller kein Hindernis. Für sie gebe es eine automatisierte Schaltung und einen Notzugang, erklärt Lücht.

Aus technischen Gründen können am Marktplatz und an der Osterstraße keine Poller installiert werden – am Marktplatz, weil sich darunter die Tiefgarage befindet, an der Osterstraße wegen der vielen dort verlaufenden Kabel. Gerade auf dem Marktplatz seien Autos jedoch ein Ärgernis, sagte der Grünen-Ratsherr Gunnar Ott in der Ausschusssitzung. Er beobachte immer wieder, dass Autos verbotswidrig hinter der Markthalle parken. „Dann fahren die kackfrech über den Marktplatz und biegen links ab auf die Osterstraße.“ Womöglich könne man das durch Aufstellen von Blumenkübeln am Ende der Osterstraße unterbinden, schlug Ott vor. „Wir nehmen die Anregung gerne auf“, sagte Lücht. Ohnehin sei geplant, die Zufahrt zur Osterstraße durch Bepflanzung zu verengen. Auch das Parken auf dem Marktplatz sei ein leidiges Thema, räumte der Ordnungsamtsleiter ein. „Wir sind häufiger in den Abendstunden da und sprechen Verwarnungen aus.“

Kaufleute sind skeptisch

In der Kaufmannschaft wird der Poller-Plan skeptisch gesehen. Heida Haltermann, Inhaberin des Modehauses Silomon, vertritt im Bauausschuss den Kaufmännischen Verein Aurich. Die Kaufleute sähen zwar die Notwendigkeit, die Fußgängerzone sicherer und attraktiver zu machen, doch auch die Belieferung müsse funktionieren, sagte sie. „Wir sind wirklich in permanenten Gesprächen mit den Lieferanten und bitten um Einhaltung der Regeln.“ Doch für viele sei es schwierig, bis 10 Uhr alles geliefert zu haben. Die meisten Lieferanten kämen aus Oldenburg.

Auch in der Hafenstraße wird die Zufahrt für Autos durch Poller versperrt.
Auch in der Hafenstraße wird die Zufahrt für Autos durch Poller versperrt.

„Wir brauchen ein bisschen Verhandlungsmasse“, sagte die Geschäftsfrau. Wenn jemand nach 10 Uhr komme und dann 20 Pakete durch den Regen tragen müsse, sei das ärgerlich. Vielleicht könne man sich auf 11 Uhr einigen. Auch der Ratsherr Rolf-Werner Blesene (SPD) ist skeptisch. Auch er ist Geschäftsmann und beliefert Kunden in der Innenstadt. Viele seien erst ab 9.30 Uhr erreichbar. Da sei die Zeit bis 10 Uhr zu knapp, um alle Lieferungen zu erledigen.

Schlechte Erfahrungen in Leer

Ordnungsamtsleiter Lücht beharrte auf der 10-Uhr-Regelung. Andere Städte hätten damit gute Erfahrungen gemacht. „Wenn man mit Lieferanten spricht, stellen die sich um.“ Außerdem werde ja noch etwas Zeit ins Land gehen, bis die Poller stehen. Der Ausschussvorsitzende Manfred Möhlmann (CDU) empfahl, es jetzt erst einmal wie geplant anzugehen und dann zu gucken, wie sich das Ganze einspielt.

Die Stadt Leer hat mit versenkbaren Pollern schlechte Erfahrungen gemacht. Dort wurden sie 2021 auf dem Ernst-Reuter-Platz installiert, um das Parkverbot durchzusetzen und nächtliche Treffen der Tuningszene zu unterbinden. Die beiden Poller sollten von Anwohnern und Einsatzkräften per Funk im Boden versenkt werden können. Doch die Ansteuerung über das Mobilfunknetz funktionierte nicht. Daher ließ die Stadt eine provisorische Schranke errichten.

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