Mehrwegverpackungen sind Pflicht Warum das Spagetti-Eis-to-go zum Problem wird
Ob Fastfood-Kette, Dönerladen oder Café – seit Anfang des Jahres müssen Gastronomen für den Außer-Haus-Verkauf auch Mehrwegplastik-Verpackungen anbieten. Eisdielen stehen vor einer Herausforderung.
Ostfriesland - „Eis im Pfandbecher schont die Umwelt“ steht auf dem Schild auf dem Tresen des Eiscafés Venezia in Weener. Das Betreiberehepaar Vanessa und Andreas Karafotias steht voll hinter dem Gedanken, der Umwelt zur Liebe Einwegbecher aus Plastik abzuschaffen. Die Umsetzung stellt das Ehepaar aus Weener und andere Eisdielen-Betreiber in Ostfriesland vor Herausforderungen.
Was und warum
Darum geht es: Eisdielen sind seit Jahresbeginn gesetzlich verpflichtet, Mehrwegbecher anzubieten.
Vor allem interessant für: alle, die sich für Nachhaltigkeit und Klimaschutz interessieren und gerne Eis essen
Deshalb berichten wir: Wir wollten wissen, welche Mehrwegverpackungen in Eisdielen angeboten werden und ob Kunden sie überhaupt nachfragen. Die Autorin erreichen Sie unter: t.gettkowski@zgo.de
Zum 1. Januar dieses Jahres ist das Gesetz in Kraft getreten. Umgesetzt wird dabei die EU-Richtlinie für Einwegkunststoffe. Laut Bundesumweltministerium sollen dadurch vor allem Einwegbecher aus Kunststoff aus dem Verkehr gezogen werden. Speisen und Getränke in Mehrwegverpackungen dürfen zwar nicht teurer sein, aber die Gastronomen dürfen Pfand für diese Verpackungen erheben, das die Kunden bei Rückgabe wiederbekommen. Bereits im Mai 2021 hat der Bundestag die Gesetzesnovelle beschlossen. Eigentlich Zeit genug für Hersteller und Gastronomen, die Verpackungen umzustellen. Sollte man meinen.
Keine passenden Becher
„Ich habe zwei Jahre lang vergeblich recherchiert, um einen Anbieter für ein ordentliches Mehrweg-System zu finden“, erzählt Andreas Karafotias. Auf der weltgrößten Eismesse im italienischen Rimini seien er und seine Frau fündig geworden. „Wir warten jetzt auf Musterexemplare.“ Bis dahin improvisieren die beiden. „Wir haben hier sämtliche Haushaltswarenläden durchforstet“, erzählt Andreas Karafotias. Für kleine Eisportionen von ein bis zwei Kugeln habe man Einweckgläser gefunden. „Nachteil ist, dass man die nicht stapeln kann.“ Für Eisspezialitäten wie Spaghetti-Eis oder Erdbeer-Becher hat er Kunststoffbecher gefunden. „Dazu geben wir eine Pfandmarke aus, damit gewährleistet ist, dass wir die Becher zurückbekommen, die wir auch ausgegeben haben.“ Jeweils 500 der Becher in den beiden Größen sind jetzt im Einsatz.
Mehrweg ist wenig gefragt
Auch Paolo Alves, der seit 2015 in Emden das Eiscafé „Rialto“ betreibt, stellt die neue Vorschrift vor Probleme. „Mehrwegbecher sind schwer zu bekommen“, hat er festgestellt. „Für Spezialitäten wie Spagetti-Eis gibt es keine geeigneten Mehrwegschalen.“ Das Muster, das er von einem Lieferanten erhalten habe, habe sich als ungeeignet erwiesen. „Der Becher ist viel zu groß, da sieht die Eisportion viel zu mickerig drin aus.“ Er habe bislang die Erfahrung gemacht, dass die Mehrwegverpackung von den Kunden nicht nachgefragt werde. Er rechnet auch nicht damit, dass sich daran in den kommenden Monaten etwas ändert. „Das liegt daran, dass neben den Stammgästen viele Touristen kommen.“ Und die hätten keine Lust mit Mehrwegbechern durch die Stadt zu schlendern.
Wer im Eiscafé Venezia in Eis zum Mitnehmen bestellt, wird dagegen explizit gefragt, ob ein Ein- oder Mehrwegbecher gewünscht wird. „Im Sinne des Nachhaltigkeitsgedanken und der Umwelt finde ich das wichtig“, macht Andreas Karafotias deutlich. Die meisten Kunden hätten von der Mehrwegpflicht gar nichts mitbekommen. Auch Tanja Brink aus Weener hatte davon noch nichts gehört. „Eigentlich ist das ja auch sinnvoll. Wir werden das mal ausprobieren“, sagt die Mutter aus Weener. Trotzdem hat sie für ihre Kinder Metje (6) und Lenert (2) diesmal noch zwei Kugeln im Pappbecher gekauft. „Aber nur weil wir noch einkaufen gehen und nicht die klebrigen Becher mit herumschleppen wollen.“