Banken OLB setzt auf maximalen Gewinn
Die Oldenburgische Landesbank ist im vergangenen Jahr äußerst profitabel gewesen. Müssen Mitarbeiter und Kunden nun die Zeche für die Anleger zahlen? Ein großes Thema sind auch Automaten-Sprengungen.
Oldenburg/Ostfriesland - Die Oldenburgische Landesbank (OLB) hat am Mittwoch beeindruckende Bilanzzahlen vorgelegt. Das Ergebnis nach Steuern, vereinfacht: der Gewinn, ist im vergangenen Jahr im Vergleich zum Vorjahr um 71,5 Prozent auf 197,7 Millionen Euro geklettert, wie der OLB-Vorstandsvorsitzende Stefan Barth in einer Bilanzpressekonferenz bekannt gab. Und es soll weiter nach oben gehen. Der Preis dafür ist allerdings hoch.
So sank die Zahl der Beschäftigten im Jahr 2022 um 23 Prozent, also um fast ein Viertel, von 1648 auf 1275 Mitarbeiter. Das sind genau 373 Stellen weniger. „Wir haben unsere Zielgröße erreicht“, sagte Barth dazu. „Die Restrukturierung ist abgeschlossen.“ Dazu gehöre auch, dass die Zahl der Filialen mittlerweile auf 40 und die Zahl der Geldautomaten auf 110 gesunken sei. Auf Nachfrage wollte Barth aber weitere „Anpassungen“ sowohl bei den Mitarbeitern als auch bei den Filialen nicht kategorisch ausschließen.
Übernahme anderer Banken
Im Fokus der OLB stehen momentan ohnehin andere Projekte. So hofft die Bank, die Übernahme der Degussa-Bank für 220 Millionen Euro Mitte dieses Jahres abschließen zu können. Der Kundenstamm der OLB würde nach Auskunft von Barth damit von jetzt 600.000 auf 900.000 mit Perspektive auf über eine Million Kunden anwachsen. Die OLB wolle dann auch „einen Teil der Mitarbeiter von Degussa“ übernehmen. Auf eine genaue Zahl des Stellenabbaus bei der Degussa-Bank wollte Barth sich auf Nachfrage aber nicht einlassen.
Außerdem wird in Oldenburg offenbar nach wie vor über einen Börsengang nachgedacht. „Unsere Gesamtkennzahlen sind börsenreif“, sagte Barth zu den Überlegungen. „Jetzt müssen die Eigentümer entscheiden.“
Vorteile für die Kunden
Profitieren sollen von diesem strikten Wachstumskurs Anleger und Privatkunden. Wie OLB-Finanzvorstand Rainer Polster ausführte, zahlte die OLB 2021 (für das Jahr 2020) rund 30 Millionen Euro Dividende. Ein Jahr später seien es schon 40 Millionen Euro gewesen. Über die Auszahlungen in diesem Jahr werde demnächst entschieden, so Polster.
Der Vorteil für die Kunden: Auf das Zwölf-Monats-Geld erhalte man jetzt zwei Prozent Zinsen, wie Polster betonte, für das Girokonto XL gebe es 0,25 Prozent. Vorstandschef Barth versprach für dieses Jahr zudem ein „besseres Kundenerlebnis“. Es werde noch in diesem Jahr möglich sein, online in fünf Minuten ein neues Konto zu eröffnen oder sogar in fünf Minuten einen Kredit zu beantragen.
Digitalisierung schreitet voran
Mit ihren Investitionen in die Digitalisierung steht die OLB nicht allein da. Nach Einschätzung von Verbraucherschützern geht es bei den Schließungen vor allem um Sparmaßnahmen der Bankhäuser. Der Trend sei bereits seit vielen Jahren zu beobachten, sagte Finanzexperte Philipp Rehberg von der Verbraucherzentrale Niedersachsen bereits vor mehr als einem Jahr. Problematisch sei das ausgedünnte Filialnetz vor allem für ältere Menschen, die nicht digital unterwegs und gleichzeitig nur noch eingeschränkt mobil seien. Zwar würden auch Senioren immer digitaler, aber eben nicht alle. „Viele fallen daher durchs Raster“, bemängelte der Finanzexperte.
Die Schließungen haben beispielsweise auch vor den ostfriesischen Inseln nicht halt gemacht. Bereits Ende 2021 war bekannt geworden, dass die OLB ihre Filialen auf Borkum, Langeoog und Norderney ab 2022 nicht mehr öffnet. Hintergrund war wohl die Nachfrage von Beratungsangeboten: „Die Nutzergewohnheiten ändern sich“, sagte eine Sprecherin des Bundesverbandes deutscher Banken damals. Dies bedeutete mehr Onlinebanking, mehr Videoberatung, mehr Kartenzahlung. Corona habe diese Entwicklung zuletzt beschleunigt. Auch der demografische Wandel spiele eine Rolle, sagte eine Sprecherin der Bundesbank.
Pewsum und Warsingfehn geschlossen
Zu den aktuell 40 Filialstandorten der OLB zählen nach Angaben der Bank im ostfriesischen Raum Aurich, Emden, Esens, Jever, Leer, Norden, Rhauderfehn und Wiesmoor. Im vergangenen Jahr hat die OLB in Ostfriesland die Filialen in Pewsum und Warsingsfehn geschlossen.
Hinzu kommen die Geldautomaten-Sprengungen. Das Thema Sicherheit bei Geldautomaten und SB-Stellen generell ist bei der OLB ein laufender Prozess, der die Bank seit Aufkommen der Geldautomatensprengungen im Nordwesten in den vergangenen Jahren beschäftigt. „Wir haben deutlich in die Ausstattung investiert und den Kriminellen den Erfolg ihrer Taten nachweislich erschwert“, sagte ein Sprecher der Bank unserer Zeitung. „Alle unsere Geräte sind bereits auf unterschiedliche Art und Weise mit Sicherheitsstufen ausgestattet.“
Im Kampf gegen Automaten-Sprenger
Je nach örtlichen Gegebenheiten seien bereits in der Vergangenheit unterschiedliche Vorgehensweisen zur Anwendung gekommen, so der Sprecher. Die OLB habe zum Beispiel eine mechanische Vorrichtung in Form eines Riegels, den die OLB selbst mit entwickelt habe, an den Geräten installiert, der es den Tätern deutlich erschwere, in kurzer Zeit und ohne massives Werkzeug den Automaten aufhebeln zu können, um eine Sprengung von innen zu initiieren. Außerdem seien die Geräte beispielsweise mit einer integrierten Gasabsorption versehen.
Zu einzelnen Maßnahmen beispielsweise der automatischen Einfärbung des Geldes gibt es laut OLB allerdings unterschiedliche Bewertungen: „So wurde uns aus Polizeikreisen mitgeteilt, dass es für eingefärbte Geldnoten sehr wohl einen internationalen Absatzmarkt gibt“, so die OLB. Die Methodik des Verklebens sei zumindest in Deutschland noch neu, so dass man sich hierzu derzeit informiere. Bislang erkenne die Bundesbank verklebte Scheine noch nicht an. Des Weiteren greife die OLB auch auf Nachtschließungen zurück und nutze zusätzlich private Sicherheitsdienste.