Künstler in Ostfriesland  Junger Comedian aus Emden will durchstarten

Rieke Heinig
|
Von Rieke Heinig
| 22.02.2023 14:03 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Assane Badiane ist 24 Jahre alt und hat vor, als Comedian groß rauszukommen. Foto: Heinig
Assane Badiane ist 24 Jahre alt und hat vor, als Comedian groß rauszukommen. Foto: Heinig
Artikel teilen:

Assane Badiane kommt aus Emden und hat gerade mal vor eineinhalb Jahren mit Stand-Up-Comedy angefangen. Inzwischen ist er auf Bühnen in ganz Deutschland unterwegs und hat viel vor.

Emden - Ein gepackter Koffer steht in der Wohnung von Assane Badiane. Am Wochenende reist der 24-jährige Emder nach Hamburg. Nicht etwa, um sich bei einem Städtetrip den Michel oder die Elbphilharmonie anzuschauen. Auf ihn wartet dort ein Publikum.

Denn Badiane reist seit nun mehr als einem Jahr durch ganz Deutschland, um Menschen als Stand-Up-Comedian zum Lachen zu bringen. Er ist neu in der Szene und hat der Redaktion erzählt, wie es dazu kam und was er vorhat.

Herr Badiane, wie sind Sie zur Comedy gekommen?

Assane Badiane: Es gab schon immer Comedians aus Amerika, die ich mir angeguckt habe, zum Beispiel David Chapelle. Den fand ich immer cool, er ist so etwas wie ein Vorbild für mich. Im deutschen Raum fand ich Comedy aber nie so gut, weil es lange nicht an meine Generation gerichtet gewesen war. Es gab zwar echt gute Kabarettisten, aber das war nichts, womit ich mich identifizieren konnte. Otto fand ich als Emder natürlich als Kind richtig witzig und er hat für Komiker in Deutschland meiner Meinung nach den Weg geebnet.

Und wann ist der Wunsch aufgekommen, so etwas selbst zu machen?

Badiane: Ich wusste lange nicht, was ich eigentlich mal machen will, ich hatte also nie einen Traumberuf oder so. Ich habe nach dem Abitur erst ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) im Jugendzentrum gemacht und danach angefangen, hier in Emden International Business zu studieren, aber richtig erfüllt hat mich das nie. Als ich vor etwa eineinhalb Jahren in Berlin war und damals mit meiner Freundin eine Show in einem kleinen Comedy-Club angeguckt habe, habe ich dann gemerkt: Ich will auch mal auf die Bühne. Und dann habe ich in der Pause auf dem Klo den Inhaber getroffen und meinte einfach zu ihm: „Ey, ich will das auch mal machen.“ Er sagte dann zu mir, dass sich das ja gut träfe, weil in der zweiten Hälfte jemand ausgefallen war. „Hast du ein Programm?“, hat er dann gefragt und ich meinte: „Ja, na klar hab' ich ein Programm.“ Hatte ich nicht. Also habe ich einfach irgendwas erzählt und versucht dabei lustig zu sein. Ein paar Leute haben sogar gelacht. Und das war der Anfang.

Wie ging es dann weiter?

Badiane: Ich habe im vergangenen Jahr an einem Talent-Award von Nightwash teilgenommen. Das ist ein deutsches Comedy-Format, bei dem angehende Stand-Up-Comedians die Chance haben, vor Publikum aufzutreten und etwas bekannter zu werden. Den Award konnte ich dann glücklicherweise gewinnen. Und das, obwohl Influencer dabei waren, die in den sozialen Medien Tausende Follower haben. Aber weil ich mein Programm vorher viel getestet habe bei Open-Mics [Testbühne für neue Gags von jungen Comedians und erste Auftritte, die nicht bezahlt werden; Anm. d. Redaktion], wusste ich, dass es gut ankommt. Inzwischen trete ich auf Mix-Shows, also Shows, bei denen mehrere Comedians dabei sind, in ganz Deutschland auf. Das ist ein echtes Privileg und man muss sagen, ich arbeite sehr hart dafür, aber ich hatte auch viel Glück. Aktuell spiele ich zwischen 15 und 20 Shows im Monat. Weil es mit der Comedy immer mehr wird, musste ich aber mein Studium auf Eis legen. Das fand meine Mutter zwar erstmal nicht so witzig, aber sie ist trotzdem meine größte Unterstützerin.

Worum geht es denn eigentlich im Programm?

Badiane: Ich versuche, immer authentisch zu sein und erzähle Geschichten aus meinem Leben. Zum Beispiel aus der Zeit, als ich im Jugendzentrum gearbeitet habe. Oder von meiner Familie. Da gab es mal eine lustige Geschichte, die auch Teil meines Programms ist. Mein Vater ist Afrikaner, meine Mutter ist deutsch. Also deutsch-deutsch. Grünkohl-deutsch. Als mein Bruder und ich mal bei meiner Oma waren, haben wir das Geschirr weggeräumt. Als wir das umgedreht haben, waren einfach Hakenkreuze drauf. Da mussten wir schon irgendwie lachen, weil es so absurd war. Und das wird in vielen Familien so oder so ähnlich schon passiert sein. Sowas verwende ich dann. Aber ich achte auch immer darauf, dass ich mit meinen Gags keinen angreife, das ist mir wichtig.

Und was ist für die Zukunft geplant?

Badiane: Ich habe lange überlegt, ob ich nach Hamburg ziehe, weil es dort aktuell eine sehr gute und junge Comedy-Szene gibt. Ich dachte, ich muss da wohnen, um möglichst oft auftreten zu können. Aber seit ich so viel herumreise für die Shows, habe ich das verworfen. Ob ich aus Hamburg oder Emden losfahre, ist egal. Und ich liebe Emden schon. Hier bin ich aufgewachsen, hier sind meine ganzen Freunde. Mein Ziel ist es aktuell, eine Solo-Show zu spielen. Da brauche ich etwa 70 bis 90 Minuten Material für. An einem Programm arbeitet man mindestens ein Jahr und dann muss man die passenden Locations finden. Mein Wunsch wären schöne Theater. Ich bin zum Beispiel schon im Savoy Theater Düsseldorf aufgetreten, das wäre eine Traum-Location für meine eigene Show. Bis es so weit ist, ist es aber noch ein weiter Weg, mit viel Planung und Arbeit.

Ähnliche Artikel