Lübeck  Nach Shitstorm: Warum sich Fridays For Future hinter Katja Diehl stellt

Joshua Hirschfeld
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Von Joshua Hirschfeld
| 21.02.2023 13:30 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Katharina Kewitz, Sprecherin der Lübecker Ortsgruppe von Fridays For Future, findet, dass der Traum vom eigenen Auto verändert werden müsse. Foto: Joshua Hirschfeld
Katharina Kewitz, Sprecherin der Lübecker Ortsgruppe von Fridays For Future, findet, dass der Traum vom eigenen Auto verändert werden müsse. Foto: Joshua Hirschfeld
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„Wir nehmen den Deutschen den Traum vom eigenen Auto und vom Eigenheim - dessen müssen wir uns bewusst sein.“ Dieser Satz von Katja Diehl löste im Netz einen Shitstorm aus. Katharina Kewitz, Sprecherin von Fridays For Future Lübeck, auf deren Veranstaltung die Aussage gefallen war, verteidigt die Verkehrswende-Aktivisten und erklärt, warum der Satz im Kern richtig sei.

Als Katharina Kewitz gemeinsam mit ihrer Lübecker Ortsgruppe ihre Forderungen für die anstehende Kommunalwahl präsentierte, da dürfte sie wohl kaum erwartet haben, dass wenige Tage nach dieser Veranstaltung ein Shitstorm über ihren Gast Katja Diehl hereinbrechen würde, an dessen Ende die Verkehrswende-Aktivistin gar ihren Twitter-Account löschte. Und doch: Genau so ist es gekommen.

Auf der Veranstaltung von Fridays For Future fiel ein Satz, der einige Menschen offenbar dazu veranlasste, sogar Morddrohungen gegen Katja Diehl auszusprechen. „Wir nehmen den Deutschen den Traum vom eigenen Auto und vom Eigenheim“, hatte Katja Diehl gesagt und angefügt: „Dessen müssen wir uns bewusst sein.“

Für Katharina Kewitz, Sprecherin der Lübecker FFF-Ortsgruppe, eine Aussage, die sie ebenfalls so treffen würde. Denn: Diese Aussage Diehls spiegele wieder, dass es als Klimaaktivistin notwendig sei, sich selbst zu reflektieren, ein Bewusstsein dafür zu entwickeln, was die eigenen Ziele und Forderungen am Ende bedeuteten.

„Wir müssen uns bewusst sein, dass wir diesen Traum vom eigenen Auto und Eigenheim verändern müssen“, sagt Kewitz. „Und das muss man auch klar ansprechen.“ Es gehe dabei aber ausdrücklich nicht darum, anderen Menschen mutwillig ihre Träume zu zerstören. Es gehe darum, diese Träume zu verändern.

„Wir müssen ein Bewusstsein schaffen für den Traum, für den wir alle kämpfen: eine lebenswerte Zukunft“, sagt Kewitz. Für eine solche lebenswerte Zukunft brauche es in Zeiten der Klimakrise weniger Individualverkehr und weniger energie- und flächenintensive Neubauten. Kurz: Weniger Autos und weniger Eigenheime.

Dass sie mit dieser Vorstellung auf Widerstände trifft, das weiß Katharina Kewitz. Aber: „Ich glaube, wir können sehr viele Menschen mitnehmen, wenn unsere Gesellschaft zum Beispiel nicht mehr so gebaut ist, dass man zwingend ein Auto braucht“, meint die FFF-Sprecherin.

Die Politik müsse die Möglichkeiten schaffen, dass man auch ohne eigenes Auto gut, sicher und schnell unterwegs sein könne. Zum Beispiel über einen günstigeren und besser ausgebauten ÖPNV. Es brauche eine Veränderung der Rahmenbedingungen, um letztlich den gesellschaftlich verankerten Traum vom eigenen Auto verändern zu können.

Und: „Wir müssen uns klar machen, wofür wir das machen.“ Es gehe nicht nur um die zwingend notwendige Senkung der Emissionen. Es gehe auch um ein Mehr an Lebensqualität. „Man muss den Leuten sagen: Du stellst hier deinen Lebensraum zu“, hatte Katja Diehl bei ihrem Besuch formuliert. Autos hätten im Moment eine höhere Lebensqualität als Menschen. Auch die Lübecker Ortsgruppe von Fridays For Future fordert eine Umverteilung des Straßenraums - und eine Abkehr von der Privilegierung des Autoverkehrs.

„Wir brauchen einen offenen Diskurs“, findet Kewitz. „Einen der auf Fakten basiert und nicht auf populistischen Parolen.“ Shitstorms und Hass, wie ihn Katja Diehl gerade erfahre, sei für die Klimaaktivisten nichts Neues. „Das ist natürlich extrem belastend“, sagt Kewitz. „Aber wir machen weiter.“

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