Winterkinder in Ostfriesland  Erster wilder Nachwuchs im Wald ist da

Rieke Heinig
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Von Rieke Heinig
| 21.02.2023 14:03 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Die ersten Fuchswelpen kommen im März zur Welt. Foto: Pixabay/tommileew
Die ersten Fuchswelpen kommen im März zur Welt. Foto: Pixabay/tommileew
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Der Frühling ist dafür bekannt, dass Tiere ihren Nachwuchs zur Welt bringen. Aber auch jetzt findet man in Ostfrieslands Wäldern die ersten Jungen von Hase, Fuchs und Co. – das gilt es zu beachten.

Ostfriesland - Während der Igel aktuell noch wohlig warm in seinem Winterquartier die kalte Jahreszeit verschläft, sind andere Waldbewohner in der Region schon richtig aktiv. Und obwohl die Jahreszeit es nicht vermuten lässt: Sogar der erste Nachwuchs tummelt sich schon hier und da – zum Beispiel im Heseler Wald oder im Stadtwald in Emden.

Was und warum

Darum geht es: Es muss nicht erst Frühling werden, damit Wildtiere ihren ersten Nachwuchs zur Welt bringen. Schon jetzt gibt es für Spaziergänger einiges zu beachten.

Vor allem interessant für: Naturverbundene Menschen, die gerne im Wald oder in Parks spazieren gehen – ob mit Hund oder ohne

Deshalb berichten wir: Die ersten Waldbewohner haben Jungen bekommen.

Die Autorin erreichen Sie unter: r.heinig@zgo.de

„Bei Hasen beispielsweise beginnt die Rammelzeit, also die Zeit, in der sie sich paaren, bereits Mitte Januar. Nach 42 Tagen kommt dann der Nachwuchs zur Welt. Die ersten kleinen Hasen werden also Ende Februar, Anfang März schon geworfen“, erklärt Heinrich Rauert. Er ist Vorsitzender der Jägerschaft im Landkreis Leer. Auch Dachse bringen schon zum Ende ihrer Winterruhe, also ab Januar, den ersten Nachwuchs zur Welt. Und bei den Füchsen gibt es ab März die ersten Jungen zu versorgen.

Dachse bekommen ihren Nachwuchs nach der Winterruhe. Foto: Pixabay
Dachse bekommen ihren Nachwuchs nach der Winterruhe. Foto: Pixabay

Jungen auf keinen Fall anfassen

Für Spaziergänger bedeutet das, dass sie schon jetzt besonders viel Rücksicht auf die Tierwelt nehmen sollten, sagt Frank Radke, Vorsitzender der Emder Jägerschaft. Wer zum Beispiel mit einem Hund unterwegs ist, sollte diesen anleinen – auch wenn die offizielle Leinenpflicht im Wald erst ab dem 1. April gelte. „Fuchswelpen sind in ihren Bauten recht sicher. Aber die Jungen von Hasen verstecken sich zum Beispiel oft in Wiesen oder an Böschungen. Der Hund muss sie nur einmal anschlabbern – was die Halter oft nicht mal mitbekommen – und schon kann es sein, dass die Häsin ihr Junges nicht mehr annimmt, weil es nach Hund riecht. Und dann verhungert es.“

Hasenjunge verstecken sich im Gras und warten, bis ihre Mutter zum Säugen kommt. Foto: Pixabay
Hasenjunge verstecken sich im Gras und warten, bis ihre Mutter zum Säugen kommt. Foto: Pixabay

Auch Menschen sollten den Nachwuchs auf keinen Fall anfassen, um ihm zu helfen, selbst wenn keine Eltern in der Nähe zu sein scheinen. Bei Feldhasen beispielsweise käme die Häsin nur einige Male am Tag vorbei, um ihr Junges zu säugen. „Das Junge muss nicht gerettet werden. Seine Mutter wird kommen“, betont Radke mit Nachdruck. Das sei bei nahezu allen Wildtieren so. Völlig alleine sei der Nachwuchs in den meisten Fällen ohnehin nicht: Die Mutter ist meistens in der Nähe, auch wenn man sie nicht sieht. „Aber sie sieht den Menschen und hat Angst. Kommt dann noch der Geruch dazu, lässt die Mutter ihren Nachwuchs zurück und er verendet – so hart es auch klingt.“ Nur etwa ein kleiner Hase von zehn, die gemeldet werden, sei wirklich bedroht – „wenn überhaupt“. Im Zweifel sei es immer empfehlenswert, sich zunächst bei der zuständigen Jägerschaft zu melden. „Wir vermitteln dann gerne weiter, zum Beispiel an Aufzuchtstationen, wenn es nötig ist. Aber auf keinen Fall sollte man eigenmächtig handeln, auch wenn es gut gemeint ist. Wir Jäger haben einfach mehr Erfahrung“, bestätigt auch Heinrich Rauert.

Rehe aktuell hochschwanger

Zu achten gelte es aktuell aber nicht nur auf den tierischen Nachwuchs, sondern auch auf die Ricken, also weibliche Rehe. Gepaart werde sich zwar meistens schon im Juli und August, aber dann gehe das befruchtete Ei erst einmal für einige Monate in eine sogenannte „Eierruhe“, bis es im Dezember anfängt, sich zu einem Fötus zu entwickeln. „Sonst kämen die Kitze mitten im Winter zur Welt“, so der Jäger. Stattdessen sind die Ricken aktuell hochschwanger, ihre Jungen kommen im April zur Welt.

Rehe sind etwa von Dezember bis April trächtig. Foto: Pixabay
Rehe sind etwa von Dezember bis April trächtig. Foto: Pixabay

„Einige fallen leider immer wieder nicht angeleinten Hunden zum Opfer. Man muss sich mal vorstellen, man müsste als hochschwangere Frau um sein Leben hetzen“, so Rauert. Rehe seien sehr stressempfindlich. Als Reaktion auf die Hetz verendeten einige Tiere, die eh schon vom Winter geschwächt sind. „Oder sie bringen ihre Jungen viel zu früh auf die Welt. Die haben dann keine Chance, zu überleben.“ Vielen Menschen sei dies, so der Jäger, nicht klar. „Wir haben den Auftrag der Hege und Pflege der Natur. Wenn uns bei Spaziergängern Verhalten auffällt, das dieser schadet, sprechen wir sie darauf an und versuchen, im Gespräch aufzuklären.“

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