Tempolimits in Ostfriesland Wenn man außerorts plötzlich nur noch 50 fahren darf
Auf der Landstraße zwischen Emden und Leer gelten oft unterschiedliche Geschwindigkeiten. An einem Abschnitt soll das Tempo gedrosselt werden, wünscht die Emder FDP. Das hat anderswo auch geklappt.
Emden - Häufig ist es für Autofahrer nicht ganz nachvollziehbar: Auf der Landstraße müssen plötzlich 30 Stundenkilometer gefahren werden, dann 100, dann 50. Dort, wo man es vielleicht als gefährlich empfindet, darf gerast werden, anderswo wird geschlichen. Wie erklärt sich das? In der Stadt Emden war es zuletzt um einen Abschnitt der Petkumer Münte gegangen. Wer am Deich entlang nach Leer fährt, kennt den Weg zwischen Emden und Gandersum.
Nicht nur Pendler sind auf der Straße unterwegs, bei gutem Wetter steuern auch viele Auto-, Rad- und insbesondere Motorradfahrer das nahegelegene Emssperrwerk an. „Die Anlieger warnen vor der Verkehrssituation“, sagte Hillgriet Eilers (FDP) im Ratsausschuss für öffentliche Sicherheit, Ordnung und Bürgerservice vor kurzem. Die Münte zu queren sei bei einer dort geltenden Geschwindigkeitsbegrenzung von 100 Stundenkilometern gefährlich, sei ihrer Fraktion mitgeteilt worden. „Sonst gilt 50 km/h, nur bei der Münte nicht“, sagte sie. Bislang habe es zwar offenbar noch nicht viele Unfälle gegeben, aber „die Gefährdung scheint da zu sein“. Und das auch wegen einer uneinsichtigen Kurve.
Sieben Unfälle seit 2011
Da vor einiger Zeit die Geschwindigkeit auf dem Landstraßen-Abschnitt der Leeraner Straße zwischen dem Ausgang Petkums und dem Stadtteil Widdelswehr auf 50 Stundenkilometer beschränkt wurde, wollte die FDP wissen, ob eine Drosselung auch bei der Petkumer Münte möglich wäre. „Außerorts gilt in der Regel 100 Stundenkilometer. Und das darf nur reduziert werden, wenn es zwingend geboten wäre“, erklärte Hinrich Post, Leiter des Fachdienstes Straßenverkehr. Wenn sich also Unfälle häuften, könnte das ein Grund für die Absenkung sein.
Um das für einen Straßenabschnitt zu überprüfen, werden besondere Ereignisse auf der sogenannten elektronischen Unfalltypen-Steckkarte (Euska) angeschaut. Schon 2002 und 2008 hatte es politische Anträge zur Absenkung der Geschwindigkeit gegeben, erklärte er. Seit 2011, seitdem gibt es die Euska, habe es sieben Ereignisse an der Stelle gegeben, so Post. Vier davon seien Wildunfälle und einer ein Autounfall mit einem Schwerverletzten gewesen. Allerdings: „Dem Fahrer ist am Steuer schlecht geworden“, so Post. Aus dem Grund war er verunglückt. Auf Euska kann die Öffentlichkeit nicht zugreifen, aber auf den Unfallatlas der Statistischen Ämter. Dort lässt sich seit 2016 nachvollziehen, wie viele und welche Unfälle es auf deutschen Straßen gab. An der Petkumer Münte ist keiner eingetragen. Bei Widdelswehr und Gandersum jeweils sind es einige.
Post: Man könne den Behörden vertrauen
In Absprache mit der Polizeiinspektion Leer/Emden, der zuständigen Landes-Straßenbehörde und der Verkehrskommission habe man festgestellt, dass es „keinen Grund gibt, von der Regelgeschwindigkeit abzuweichen“. Man habe keine „latente Unfallgefahr“ festgestellt. Auf der Leeraner Straße sei das anders gewesen. Zwar habe man nach demselben Prüfschema herausgefunden, dass auch hier nicht von einem gehäuften Unfallgeschehen gesprochen werden kann. Aber: Der Abschnitt befinde sich in der Ortsmitte Widdelswehrs, auf Höhe des Bakkersweg. Es gebe mehr Bebauung und mehr Abbiege-Verkehr. So hatte man sich dort entschieden, die Geschwindigkeit von 70 auf 50 Stundenkilometer herunterzusetzen. „Bei der Petkumer Münte ist 100 ganz klar richtig und angemessen“, betonte er.
„Man muss nicht warten, bis etwas passiert“, sagte Hillgriet Eilers zur Entscheidung der Stadt. „Wir sind die Letzten, die die Herabsetzung nicht machen würden, aber das Gesetz ist klar“, so Post. Der Einschätzung der Polizeiinspektion und der Straßenbehörde, die beide das Verkehrsgeschehen auch außerhalb Emdens kennen und „über den Tellerrand schauen“, könne man vertrauen. „Und ich teile die Ansicht auch“, sagte er. Auf Nachfrage bei der Polizeiinspektion heißt es von Polizeihauptkommissar Günter Jelting, dass Überprüfungen der „örtlichen Gefahrenlage“ zum täglichen Arbeitsaufkommen gehören. Täglich werde mit Euska gearbeitet, „um so ein aktuelles und sehr genaues Verkehrslagebild vorzuhalten“.
Reinhard Hegewald (CDU) hat nach der Diskussion beantragt, dass geprüft werden soll, ob der teilmobile Blitzer „Engelke“ gelegentlich an der Petkumer Münte abgestellt werden könnte. Seiner Meinung nach werde in dem Straßenabschnitt häufig auch schneller als 100 Stundenkilometer gefahren. Für „Engelke“ gebe es gewisse Aufstellungsparameter, so Post. Es müsse geklärt werden, ob das Gerät auf öffentlichem Grund Platz findet oder Anwohner ein Abstellen auf Privatgrund erlauben. Ob das mittlerweile geprüft wurde und eine Entscheidung steht, haben wir bei der Pressestelle der Stadt angefragt. Die Antwort steht noch aus.