Ärger im Stadtteil Harsweg Anwohnerin wehrt sich gegen neuen Weg zum Emder Stadtwald
Die Stadt plant einen weiteren Zugang in den Stadtwald. Er soll direkt am Garten einer Seniorin entlang führen. Ihr Protest hat aber kaum Aussicht auf Erfolg.
Emden - Im Emder Stadtteil Harsweg gibt es Ärger. Grund sind aktuelle Pläne der Stadt, einen neuen Zugang in den Stadtwald anzulegen. Er soll direkt am Garten der Anwohnerin Gerta Schinzel vorbei führen. Die 84-Jährige und deren Tochter Sabine Janßen wehren sich dagegen, weil sie große Nachteile befürchten. Sie hatten Anfang dieses Monats offiziell von diesem Projekt erfahren, das laut Stadt in den nächsten Wochen umgesetzt werden soll.
Was und warum
Darum geht es: Ärger um einen geplanten Zugang in den Emder Stadtwald
Vor allem interessant für: alle, die sich für Streitfälle zwischen Behörden und Bewohnern einer Kommune interessieren
Deshalb berichten wir: Die Familie der betroffenen Bewohnerin in Harsweg trat an unserer Redaktion heran und schilderte den Fall. Diese Zeitung sah sich die Situation vor Ort an und befragte den Verantwortlichen der Stadt Emden dazu. Den Autor erreichen Sie unter: h.mueller@zgo.de
Konkret geht es um einen etwa drei Meter breiten und etwa 20 Meter langen Grünstreifen, der laut Plan zwischen dem Grundstück von Gerta Schindler an der Straße Zur Alten Gärtnerei und dem Gitterzaun des Regenrückhaltebeckens für das Neubaugebiet Nelkenweg/Zur Alten Gärtnerei verläuft. Diese Fläche ist Eigentum der Stadt. Eine tatsächliche Abgrenzung zwischen Grünstreifen und Grundstück gibt es aber seit 23 Jahren nicht.
Grundstück liegt direkt am Stadtwald
Das Grundstück der Seniorin liegt direkt am westlichen Rand des Stadtwaldes. Schindler und ihr mittlerweile verstorbener Mann hatten dort im Jahr 2000 gebaut. Ihr Haus war eines der ersten in diesem Gebiet. Damals war es noch von Wäldchen der früher dort ansässigen Gärtnereien Mennenga und Bömeke umgeben. In der Zwischenzeit ist das Baugebiet deutlich gewachsen.
Bislang nutzte die Gerta Schindler die städtische Fläche an ihrem Grundstück quasi als erweiterten Garten. Sie hat es immer gepflegt. „Auch den Schloot, der früher daran entlang führte, haben wir saubergehalten“, sagt sie. Dabei sei ihr immer bewusst gewesen, dass diese Fläche der Stadt gehört. Anfang dieses Monats flatterte ihr dann ein Schreiben mit dem Hinweis auf den geplanten Weg ins Haus.
Seniorin befürchtet Eingriffe ins Privatleben
Die Parzelle, um die es geht, liegt nur wenige Meter vor der Terrasse ihres Bungalows in der Straße Zur Alten Gärtnerei 33. Die Seniorin befürchtet deshalb, dass Passanten auf dem Weg in den Stadtwald ihr Privatleben empfindlich stören und Besucher des Stadtwaldes künftig ihre Autos vor ihrer Haustür abstellen werden.
Gerta Schinzel und ihre Familie halten einen weiteren Zugang zum Stadtwald für überflüssig, zumal es an beiden Seiten in jeweils nur kurzer Entfernung zwei Hauptwege in den Stadtwald gibt. Sie befinden sich am Ende der Zufahrt zum Gelände des Kleingartenbauvereins Harsweg und des Friedenswegs kurz vor der Stadtgrenze. Hinzu kämen drei weitere Zugänge über das Gewerbebiet in Harsweg und auf Suurhuser Gebiet jenseits der Stadtgrenze.
Es gibt Zweifel an der Notwendigkeit
„Fünf Wege in den Stadtwald reichen doch aus“, meint Sabine Janßen. Ein weiterer Zugang sei „einfach rausgeschmissenes Geld“. Die Summe, die die Stadt dafür aufwenden müsse, könne an anderer Stelle sinnvoller eingesetzt werden. „Damit könnte man zum Beispiel besser den Spielplatz im Stadtwald größer bauen,“ meint die Tochter der betroffenen Anliegerin.
Mit der Anlage des Weges sei es auch allein nicht getan. Denn es müsste auch eine Brücke über einen Graben gebaut werden, der entlang des Stadtwaldes verläuft. Außerdem müssten am Rande des Stadtwaldes erst einige Bäume entfernt werden, um über den neuen Weg auf den nächsten Trampelpfad im Wald gelangen zu können.
Die Stadt sieht keine Alternativen
Die Tochter der Anwohnerin hat sich auch schon an die Stadt und an Oberbürgermeister Tim Kruithoff gewandt. Sie appelliert an die Verantwortlichen, die Planungen zu stoppen, die Sache zu überprüfen und die Situation noch einmal mit betroffenen Anwohnerinnen und Anwohner zu erörtern.
Federführend für das Vorhaben bei der Stadt ist der für Stadtentwicklung, Umwelt und Klimaschutz zuständige Fachbereichsleiter Rainer Kinzel. Er hält die Lösung zwar für „nicht richtig glücklich“ und aus Sicht der betroffenen Seniorin für „nicht schön“, sieht aber keine Alternative. Andere Möglichkeiten für eine Zuwegung gebe es dort nicht.
Zugang ist nur für umliegende Bewohner gedacht
Der neue Zugang sei auch „nicht für eine große Masse von Besuchern“ des Stadtwaldes gedacht, sondern hauptsächlich für Bewohner des umliegenden Baugebietes, so Kinzel. Diese Anlieger müssten sonst zunächst längere Umwege über die Auricher Straße gehen, um in den Stadtwald zu gelangen. Dabei liegt dieses Naherholungsgebiet unmittelbar an diesem neuen Viertel.
Der Zugang sei auch von Anfang an im Bebauungsplan für dieses Gebiet ausgewiesen worden, so der Fachbereichsleiter. Das wisse auch Frau Schinzel, deren Grundstück in diesem Gebiet liegt. Es sei aber kein neuer und befestigter Hauptweg geplant. Vielmehr gehe es um einen etwa 1,50 Meter breiten und unbefestigten Pfad, der mit Rindenmulch aufgefüllt werden soll.
Anwohnerin will notfalls Sichtschutzwand bauen
Über den Graben soll laut Kinzel ein kleiner Holzsteg in den Stadtwald führen. „Dort müsste allenfalls ein Baum für den Anschluss an den nächsten Trampelpfad in Richtung Spielplatz weichen“, so der Fachbereichsleiter. Mit der Umsetzung des Vorhabens habe die Stadt das Ökowerk betraut. Die Kosten beliefen sich auf einige tausend Euro. Angedacht sei auch die Pflanzung einer Buchenhecke als Abgrenzung zum Garten von Gerta Schinzel.
Ein solche Hecke lehnt die Anwohnerin aber ab. Sie sehe sich in ihrem Alter nicht mehr dauerhaft in der Lage, sie noch zu pflegen. Sollte die Stadt an dem geplanten Weg festhalten, würde sie eine hohe Sichtschutzwand bauen lassen. Das würde bedeuten, dass Besucher des durch eine Art Schlauch zwischen dieser Wand und dem hohen Zaun des angrenzenden Regenrückhaltebeckens gehen müssten.