Krippengruppe geplant Leistet sich Wiesmoor künftig noch ein neues Kita-Gebäude?
Der Bedarf nach Kinderbetreuung in Wiesmoor ist weiterhin hoch. Nun gibt es erste Gedankenspiele um einen Kita-Neubau an neuer Stelle in Voßbarg.
Wiesmoor - Wiesmoor wächst weiter. Und weil das so ist und sich auch insbesondere junge Paare und Familien mit Kindern oder wenigstens Nachwuchsplänen dort niederlassen, wächst auch der Bedarf an Kindergarten- und Krippenplätzen. Denn die Lütten sollen und müssen ja betreut werden, gerade, wenn beide Elternteile arbeiten. Deshalb könnte der Stadt in näherer Zukunft ein weiteres Neubauprojekt ins Haus stehen – in Voßbarg. Dort gibt es einen Kindergarten, die „Muuskestuuv“, wo aktuell 46 Kinder in zwei Gruppen betreut werden. „Bedarf ist aber weiterhin da, und wir möchten dort eigentlich gern auch eine Krippengruppe einrichten“, sagt Bürgermeister Sven Lübbers.
Was und warum
Darum geht es: Wiesmoor prüft trotz knapper Kasse einen Kita-Neubau in Voßbarg
Vor allem interessant für: Eltern in Wiesmoor, die kleine Kinder haben, und alle, die mit dem Gedanken spielen, nach Wiesmoor zu ziehen
Deshalb berichten wir: Die Stadt hat 100.000 Euro an Planungskosten im aktuellen Haushaltsentwurf für einen möglichen Kita-Neubau in Voßbarg veranschlagt. Den Autor erreichen Sie unter: o.cordsen@zgo.de
Nun sitzt der Kindergarten in einem historischen Gebäude, der alten Dorfschule Voßbargs an der Bundesstraße 436. Und das Gelände teilen Kinder und Erzieher sich zudem mit der Dorfgemeinschaft Voßbarg, die dort ebenfalls ihr Domizil hat, genau wie der örtliche Schützenverein und die DLRG. „Wenn wir da nun noch zusätzlich einen Anbau verwirklichen würden, könnte es räumlich schwierig werden. Gerade, wenn wir zusätzlich noch eine Mensa bauen wollten, die dort eigentlich auch hingehört“, sagt Lübbers.
„Wir favorisieren einen Neubau an anderer Stelle“
Der Bürgermeister macht keinen Hehl daraus: „Wir als Stadt wissen um die Geschichte des Gebäudes, wissen um die Erinnerungen, die viele mit dem Ort verknüpfen, und um die Wichtigkeit für Voßbarg. Wir sind ergebnisoffen, favorisieren aber einen Neubau an anderer Stelle im Stadtteil.“ Warum? „Das Gebäude ist alt – und selbst, wenn wir es umbauen und sanieren würden, bliebe es von der Substanz her ein altes Gebäude. Natürlich kann man das auch umbauen und energetisch sanieren. Die Herausforderungen wären dort im Zweifel aber sogar größer und es würde voraussichtlich auch teurer als an anderer Stelle neu zu bauen“, sagt der Bürgermeister und schließt an: „Es geht zudem ja darum, dass auch die Dorfgemeinschaft, die DLRG und der Schützenverein dort einen Ort haben und die allesamt für den Ort wichtig sind. Und dass sie ihre Standorte natürlich behalten sollen. Das lässt sich aber umso schwieriger verwirklichen, wenn wir dort zusätzlich einen Anbau, zumal mit Mensa, umsetzen“, so Lübbers.
Auch Heiner Schoon, zuständiger Mitarbeiter im Ordnungsamt der Stadt, sagt: „Der Kindergarten fühlt sich da pudelwohl, so ist es nicht. Aber aktuell ist dort keine Mittagsverpflegung möglich. Aufgrund der räumlichen Enge können wir in einer Gruppe nur 21 statt 25 Kinder betreuen lassen, und das Gebäude ist, so wie es dort steht, schön. Die Kinder haben es dort gut. Das Haus ist aber ausgereizt in seinen Möglichkeiten.“ Schoon fügt an: „Und es ist ja so, wo neue Baugrundstücke entstehen, siedeln sich neue junge Familien an. Und die haben ja auch einen Anspruch darauf, dass ihre Kinder einen guten Betreuungsplatz finden und dass entsprechend viele Plätze da sind.“
Gedankenspiele noch am Anfang
Nun stehen die Gedankenspiele über einen möglichen Neubau noch ganz am Anfang, wie Lübbers betont. Vorsorglich hat die Stadt für dieses Jahr zunächst 100.000 Euro an Planungskosten in ihren Haushaltsentwurf aufgenommen, auf dass die Möglichkeiten eines Neubaus an anderer Stelle konkreter ausgelotet werden können. „Parallel wollen wir das Thema nun auch in der Politik besprechen, in die Ausschüsse geben“, so Lübbers. „Um als Stadt attraktiv zu sein und zu bleiben, ist eine gute und moderne Kinderbetreuung in guten Räumen aus meiner Sicht aber unverzichtbar “, fügt er an.
Christian Buss, der bis Ende 2021 lange Jahre Ortsvorsteher Voßbargs war und Vorsitzender der Dorfgemeinschaft ist, sagt: „Es ist so: Der Kindergarten ist zu klein, gerade, wenn man auch noch eine Krippengruppe einrichten möchte. Uns als Dorfgemeinschaft ist wichtig, dass man die alte Schule als Gebäude erhält – und dass wir auch einen Ort behalten als Dorfgemeinschaft. Wenn der Kindergarten nun fortziehen sollte und das Haus an Leben verliert, wäre das natürlich auch schade“, sagt Buss. „Denn es ist ja ein Ort, an dem immer viele Kinder gespielt und ihn mit Leben erfüllt haben. Auch der Spielplatz hinter dem Kindergarten ist wunderschön.“ Aber er habe Verständnis für die Position der Verwaltung. „Der Bürgermeister hat sicherlich Recht, wenn er sagt, dass man – gerade in Sachen Energiekosten – an anderer Stelle günstiger und besser bauen könnte“, so Buss.
Zwischentrakt am „Kinnerhuus“ wird bald gebaut
Unterdessen stehen in Wiesmoor-Mitte die etwa 640.000 Euro teuren Arbeiten für den Bau eines Verbindungstraktes zwischen dem Haupthaus des Kindergartens „Kinnerhuus an’t Markt“ und den neu geschaffenen Krippenräumen im ehemaligen Kindergarten „Tiddeltopp“ kurz bevor. Dort soll auch eine Mensa zur Verpflegung der Kinder entstehen. „Die ersten Aufträge sind ausgeschrieben und vergeben, in den kommenden Tagen sollen die ersten Baucontainer aufgestellt werden. Wir hoffen, dass das Projekt bis Sommer fertig ist“, sagt Heiner Schoon.
Die Kinderbetreuung lässt sich Wiesmoor trotz knapper Kassen einiges kosten. Gute sechs Millionen Euro wendet die Stadt insgesamt in diesem Jahr für die Kitas in ihrem Gebiet auf, in etwa die Hälfte dieses Betrags trägt sie selbst. Insgesamt liegen die jährlichen Kosten für Kinder und Jugend der Stadt bei knapp zehn Millionen Euro pro Jahr, etwa die Hälfte erhält sie als Zuschuss von Kreis oder Land. Und auch Kindergarten-Neubauten sind etwas, das durchaus Geld kosten kann: Die Gesamtkosten für den Ende 2021 in Betrieb genommenen Neubau des Kindergartens „Tiddeltopp“ am Hallenbad hatten etwa bei 2,7 Millionen Euro gelegen.