Gewerbegebiet D11  Neues Land für mehr Jobs und weitere Firmen in Wiesmoor

Ole Cordsen
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Von Ole Cordsen
| 20.02.2023 18:27 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Noch in diesem Jahr möchte die Stadt Wiesmoor gern mit den Erschließungsarbeiten starten. Symbolfoto: Archiv
Noch in diesem Jahr möchte die Stadt Wiesmoor gern mit den Erschließungsarbeiten starten. Symbolfoto: Archiv
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Die Stadt Wiesmoor bereitet weiteren Firmen den Boden und will in diesem Jahr ihr Gewerbegebiet D11 erschließen. Das millionenschwere Vorhaben steht vor dem nächsten Schritt.

Wiesmoor - Das vorzeitige Weihnachtsgeschenk für die Stadt Wiesmoor kam zwei Tage vor Heiligabend. Da erreichte das Rathaus in Wiesmoor die Nachricht, dass das Land Niedersachsen sich über die N-Bank mit 60 Prozent an den Erschließungskosten für das neue Gewerbegebiet D11 beteiligt. 2,25 Millionen Euro muss die Stadt dafür laut Plan hinblättern, 1,35 Millionen Euro fließen dafür nun aus Hannover. „Wir wollen und werden mit der Erschließung nun bald loslegen“, sagt Hinrich Beekmann, Leiter des Bauamtes bei der Stadt.

Was und warum

Darum geht es: Die Planungen fürs Gewerbegebiet D11 in Wiesmoor gehen in den Endspurt.

Vor allem interessant für: Menschen aus Wiesmoor und umzu, die auf zusätzliche Jobs hoffen, sowie Firmeninhaber auf der Suche nach Standorten

Deshalb berichten wir: Kürzlich hat das Land Niedersachsen mitgeteilt, 60 Prozent der Erschließungskosten für das Gewerbegebiet zu übernehmen. Wir haben den Stand der Dinge abgefragt.

Den Autor erreichen Sie unter: o.cordsen@zgo.de

Das Gewerbegebiet D11 an der Oldenburger Straße, knapp nördlich des kleinen Stadtteils Rammsfehn, ist ein zentraler Pfeiler in den Planungen für die Weiterentwicklung der Stadt. Denn zusätzliche Gewerbe-Ansiedlungen in Wiesmoor bedeuten mehr Jobs für die Menschen in der Stadt und im Umkreis. „Das allein ist schon sehr wichtig“, sagte Bürgermeister Sven Lübbers (parteilos) dazu kürzlich. Doch mehr Unternehmensansiedlungen bedeuten überdies noch – so alles gut läuft – zusätzliche Gewerbesteuer-Einnahmen und über die Beschäftigten auch einen zusätzlichen Schluck aus der Einkommenssteuer-Pulle. Beides kann die Stadtverwaltung in Wiesmoor aktuell und künftig gut gebrauchen, denn im laufenden Jahr hätte ohne außerordentliche Grundstücksverkäufe mit einem kalkulierten Plus von 2,8 Millionen Euro ein Loch von 4,1 Millionen Euro im Haushaltsentwurf geklafft.

Hoffen auf mehr Jobs und weitere Gewerbesteuer-Einnahmen

Nun haben sich die Gewerbesteuer-Einnahmen in Wiesmoor binnen fast zehn Jahren bereits mehr als verdoppelt: Flossen 2013 noch 3,1 Millionen Euro von den Unternehmen ans Rathaus, waren es im vergangenen Jahr 7,6 Millionen Euro – „auch, weil einige Unternehmen Nachzahlungen für die Corona-Jahre geleistet haben, die sie zuvor zinslos stunden konnten“, sagt Kämmerer Jens Brooksiek. Damit leisteten die Unternehmen im Vorjahr 42,6 Prozent der gesamten Steuereinnahmen der Stadt. Fürs aktuelle Jahr plant die Stadt mit 6,7 Millionen Euro, wiederum hoffend, dass es mehr werden als geplant. „Das ist natürlich immer ein Blick in die Glaskugel. Es kann auch anders kommen und auch darauf müssen wir vorbereitet sein“, sagt Bürgermeister Lübbers.

Man sei, was die Struktur der Wirtschaftsunternehmen betrifft, jetzt schon breit aufgestellt, sagt er. Nun hat die Stadt auf dem riesigen Areal, auf dem früher die Gewächshäuser der Wiesmoor-Gärtnerei – lange Jahre größte Topfpflanzen-Gärtnerei Deutschlands – einiges vor. So will sie dort einen ganz neuen Stadtteil entwickeln und entsprechende Flächen von der Erbengemeinschaft Quitmeyer, der das Riesen-Areal der Wiesmoor-Gärtnerei gehört, erwerben. Entsprechende Verhandlungen sind für dieses Jahr geplant.

Wo früher die Wiesmoor-Gärtnerei Pflanzen gezogen hat, sollen künfitg Unternehmen sich ansiedeln können. Foto: Schoon/Stadt Wiesmoor
Wo früher die Wiesmoor-Gärtnerei Pflanzen gezogen hat, sollen künfitg Unternehmen sich ansiedeln können. Foto: Schoon/Stadt Wiesmoor

Kommt die Fernwärme-Versorgung?

Auch das Gewerbegebiet D11 gehörte einst zur Wiesmoor-Gärtnerei. 21,6 Hektar Fläche umfasst das Areal, auf knapp 17 Hektar davon sollen Firmen Standorte errichten können. „Unser Bestreben bleibt, dafür zu sorgen, dass Wiesmoorern möglichst viele wohnortnahe Jobs zur Verfügung stehen“, sagt Bauamtschef Hinrich Beekmann. Und: „Stillstand ist Rückschritt.“ Es gebe bereits zahlreiche Interessenten. Die waren zwischenzeitlich so zahlreich, dass Bürgermeister Lübbers schon vor Monaten angedeutet hatte, die Stadt könne auf Sicht eventuell auch noch die Option ziehen, zusätzliche angrenzende Flächen zu erwerben, mit denen das Gewerbegebiet sich erweitern ließe. „Die Option ist da – und das ist auch gut, denn das Interesse ist groß“, sagt Beekmann.

Spezielle Herausforderung für die Stadt bei der Erschließung ist aktuell noch die Frage, wie die Unternehmen, die sich dort ansiedeln, mit Wärme versorgt werden. Die Verwaltung selbst möchte das Areal gern als „Grünen Gewerbecampus“ einrichten und vermarkten – indem die Betriebsgebäude dort über eine Fernwärmeleitung mit bislang ungenutzter Abwärme des etwa zwei Kilometer südlich gelegenen Biomasse-Kraftwerks in Hinrichsfehn versorgt werden.

Eine von der Stadt bei den Stadtwerken Bremen in Auftrag gegebene Machbarkeitsstudie war laut Lübbers bereits zum Ergebnis gekommen, dass so eine Fernwärmeleitung technisch wie wirtschaftlich durchaus machbar wäre. Aktuell laufen indes noch Detailuntersuchungen und bislang ist auch die Frage nach einem möglichen Betreiber dieser geplanten Leitung noch offen. „All das sind Details, die wir auch bei der Erschließung mit einbeziehen müssen, weshalb da aktuell noch zahlreiche Gespräche laufen“, sagt Beekmann. Entsprechend könne man im Moment auch noch keinen konkreten Zeitplan vorlegen. „Ziel ist es aber, dass wir in diesem Jahr mit der Erschließung beginnen – und wir im kommenden Jahr mit der Vermarktung der Grundstücke starten können.“

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