Berlin  Weitere MeToo-Fälle: ARD-Sendung belastet Julian Reichelt und Springer

Lorena Dreusicke, Pia Hinrichs
|
Von Lorena Dreusicke, Pia Hinrichs
| 17.02.2023 16:52 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Die Fernsehsendung „Reschke Fernsehen“ erhebt neue Vorwürfe gegen den früheren Chefredakteur der „Bild“-Zeitung, Julian Reichelt. Foto: dpa/Bernd von Jutrczenka
Die Fernsehsendung „Reschke Fernsehen“ erhebt neue Vorwürfe gegen den früheren Chefredakteur der „Bild“-Zeitung, Julian Reichelt. Foto: dpa/Bernd von Jutrczenka
Artikel teilen:

Der mutmaßliche Machtmissbrauch durch den ehemaligen „Bild“-Chefredakteur soll größere Ausmaße haben als bislang bekannt war. Die ARD hat neue Details zum Fall Julian Reichelt aufgedeckt. Um diese Vorwürfe geht es.

In der ARD-Sendung „Reschke Fernsehen“ erheben frühere Mitarbeiterinnen der „Bild“-Zeitung neue Anschuldigungen gegen Julian Reichelt. Der 42-Jährige war von 2017 bis 2021 Chefredakteur der bekannten Boulevardzeitung des Springer-Verlags. Er war im Oktober 2021 entlassen worden, nachdem interne Untersuchungen mutmaßlichem Machtmissbrauch im Zusammenhang mit einvernehmlichen sexuellen Beziehungen mit Mitarbeiterinnen sowie Drogenkonsum am Arbeitsplatz ergeben hatten.

Moderatorin Anja Reschke startete am Donnerstag die dritte Folge des neuen ARD-Formats „Reschke Fernsehen“ mit einem allgemeinen Rückblick auf MeToo-Berichte von Frauen. Die Machtkonstellation bei Missbrauchsfällen sei fast immer „der Mann oben, die Frau unten“, sagt Reschke.

Dann rollt sie den Fall Reichelt noch einmal auf. Nicht alle Vorwürfe sind neu: Den Schilderungen ehemaliger „Bild“-Mitarbeiterinnen zufolge soll Reichelt mehrfach durch sexuelle Äußerungen gegenüber Kolleginnen aufgefallen sein. Zudem habe er Affären am Arbeitsplatz gehabt. Diese Frauen geben an, dass der Sex zwar einvernehmlich, aber vor allem aus Sorge vor beruflichen Nachteilen stattgefunden hätte.

Laut Pressemitteilung hat der NDR vor der Sendung mit 13 betroffenen Frauen gesprochen. Sie alle geben an, bei Springer Anmachen, Affären und berufliche Auswirkungen erlebt zu haben. Ihre Schilderungen blendet „Reschke Fernsehen“ nach und nach ein.

Die Betroffenen fordern eine Entschuldigung für „systematisches Fehlverhalten im Verlag“ sowie die Richtigstellung des Ergebnisses der hausinternen Untersuchung, wonach es sich bloß um einen Einzelfall handele.

Mindestens zwei der Frauen, mit denen der NDR sprach, hätten als Mitarbeiterinnen bei der „Bild“-Zeitung schon 2019 anonym schwere Vorwürfe gegen Reichelt erhoben. Der Springer-Vorstand habe darauf lediglich mit einer allgemeinen Stellungnahme reagiert. „Es gab keine Konsequenzen“, klagt eine Betroffene.

Wie „Reschke Fernsehen“ auch thematisiert, sollen einige Frauen, die im Rahmen der Untersuchung gegen Reichelt innerhalb der „Bild“-Zeitung aussagten, später „subtil aus [dem] Job befördert“ worden seien. Zudem behaupten mehrere Frauen in der Sendung, vertrauliche Informationen aus dem Verfahren seien bei Reichelt gelandet.

Dieser ließ von seinem Anwalt gegenüber dem NDR alle Vorwürfe dementieren. Reichelt sei in Wahrheit „Teil einer Verleumdungskampagne“. Gegenüber dem Branchenmagazin „Meedia“ versicherte ein Sprecher von Axel Springer, man prüfe die neuen Vorwürfe und werde „alle Hinweise“ von Mitarbeitern „sehr ernst nehmen“.

„Reschke Fernsehen“ in der ARD-Mediathek: Julian Reichelt und die Frauen: „Bumsen, belügen, wegwerfen“

Ähnliche Artikel