Nach Auftritt bei „Lego Masters“ auf RTL „DerBoor“ gibt Tipps – so wird man Lego-Baumeister
Frank Boor ist einer der besten Lego-Bauer Deutschlands. Im Fernsehen erschuf er Bauwerke, die ihn fast zum „Lego Master“ gemacht hätten. Er verrät, wie man Kreativität in die richtigen Bahnen lenkt.
Utgast - Das Kreativzimmer von Frank Boor könnte auch ein gut sortierter Einzelhandel für Legosteine sein: Unzählige Regale mit Einschüben und Kleinteilemagazinen stehen griffbereit um seinen Arbeitstisch herum. In seinem vor einem Jahr in Utgast (Samtgemeinde Esens) bezogenen Einfamilienhaus hat der 52-Jährige die obere Etage zu seinem Klemmbausteine-Reich erklärt und nach seinen speziellen Bedürfnissen umgebaut: Ein Raum dient als Lager, ein anderer als Kreativwerkstatt und zusätzlich gibt es in einem Vorraum eine kleine Ausstellungsfläche. Boor ist in Sachen Lego einer der kreativsten Köpfe Deutschlands. Der Fernsehsender RTL verpflichtete ihn aus diesem Grund bereits zweimal für seine „Lego Masters“-Reihe: Seit 2018 treten die versiertesten Lego-Bauer des Landes in Zweierteams im TV gegeneinander an und erfüllen gezielt Aufgaben. Der Entstehungsprozess im Fernsehstudio wird von Kameras begleitet.
Boor war zuletzt im Dezember dabei und stand sogar im Finale. Er verpasste nur haarscharf den Titel „Lego Master Winter Champion“. Doch wie wird man von einem einfachen Spielkind mit Begeisterung für die sogenannten Bricks zu einem hochkarätigen Kreativen, der mit seinem Hobby die Fernsehzuschauer unterhält? Das kann sich auch der aus dem Rheinland stammende Frank Boor keine Erklärung. Sehr wohl verrät er im Gespräch mit dieser Zeitung ein paar Tricks für große und kleine Lego-Enthusiasten, wie sie Stein auf Stein Ideen Formen annehmen lassen können.
Was und warum
Darum geht es: Frank Boor begeistert sich seit seiner Kindheit für Lego. Über die Jahrzehnte hat er es zu einem der besten Bauer in Deutschland gebracht.
Vor allem interessant für: jeden, den es beim Anblick der Klemmsteine in den Fingern juckt
Deshalb berichten wir: Mit Lego spielen kann jeder. Aber wie wird man ein richtiger Baumeister? Wir haben Frank Boor nach Tipps gefragt. Die Autorin erreichen Sie unter: s.ullrich@zgo.de
Vom Spielkind zum Baustrategen
Grundsätzlich gibt es ein paar Dinge, die sein müssen: „Man muss gut sortiert und organisiert sein.“ Boor besitzt grob geschätzte 500.000 Steine im Wert von mehreren Zehntausend Euro. Da bricht schnell das Chaos aus. Er räume auch nach dem Bauen konsequent wieder auf. Boor besitzt schon eine Menge Klemmbausteine – doch fast täglich kommen neue dazu. Kein Wunder, denn die Lego-Gruppe ist seit der Gründung 1932 durch Ole Kirk Kristiansen ein sehr fleißiges Familienunternehmen und produziert ständig neue Sets und auch Bricks. Zunächst fertigte es Spielzeug aus Holz an. Ab 1949 aber stellt das Unternehmen eigenen Angaben zufolge die Plastikbausteine her. 1969 wurden die international. Der Statistik-Plattform Statista zufolge ist es mit einem Umsatz von rund 7,4 Milliarden Euro im Jahr 2021 umsatzstärkster Spielwarenhersteller weltweit und mit mehr als 6,5 Milliarden US-Dollar die mit großem Abstand wertvollste Spielwarenmarke der Welt. Längst stellt der nicht mehr nur Spielzeug her.
Neue Steine bringen Frank Boor stets neue Ideen ins Haus: Wer seine Sammlung wirklich kostengünstig aufrüsten will, sollte jedoch nicht auf spezielle Sets festgelegt sein, sagt er. Dann finden sich durchaus Schnäppchen, beispielsweise in speziellen Foren online, so der passionierte Sammler. Auch ein Kauf gebrauchter Bricks kann sich lohnen: Hier sollte man jedoch den Zustand der Steine genau prüfen, rät er.
Als Erwachsener Lego wiederentdecken:
- Eine Frage sollte schon vor dem Setzen des ersten Steins geklärt sein: Bausatz oder Eigenkreation? Um Fingerfertigkeit zu trainieren, reicht ein handelsübliches Set. Die gibt es längst nicht mehr nur für Kinder. Die haben ihren Preis: Mehrere Hundert Euro kann man für ein solches Set investieren. Wer in Gedanken schon nach dem Titel „Lego Master“ strebt, sollte jedoch eigene Konzepte entwickeln – kann dafür aber Sets als Basis für eine sogenannte Moc nutzen. Das ist kurz und englisch für „My own creation“, also „meine eigene Kreation“.
- „Nicht überlegen, machen!“ Eine zündende Idee hat Frank Boor fast immer. „Wenn ich nicht weiß, was ich bauen soll, dann lass ich das“, sagt er. Kreativität kann man nicht erzwingen. Manchmal aber reiche ein Spaziergang oder Film. „Du greifst in die Kiste und baust einfach drauf los.“
Inspiration für neue Legomeisterwerke findet Frank Boor überall. Ihm reicht dafür ein Spaziergang, ein Film oder ein Alltagsgegenstand wie dieser Lego-Sneaker. Foto: Ortgies - Wie viel Planung brauche ich? Frank Boor macht nur selten vorab eine schnelle Skizze. Andere Teilnehmer bei den „Lego Masters“ hingegen würden ihre Vorstellungen recht detailliert aufzeichnen.
- Den Alltag hinter sich lassen und Ruhe finden: „Für mich war Bauen immer Entspannung“, verrät der als „DerBoor“ im Internet bekannte Brickartist. Auf seiner eigenen Internetseite berichtet der Freiberufler über seine Projekte und deren Fortschritt. Entscheidend ist für ihn aber etwas anderes: „Du vergisst alles, du denkst nicht an die Arbeit und tauchst ein in deine Fantasiewelt.“
- In Kindheitserinnerungen schwelgen kann das Anknüpfen erleichtern. Wer lange nicht mit Legosteinen gebaut hat, sollte sich langsam rantasten. Nicht gleich ein Set mit 10.000 Teilen bestellen, sondern mal auf dem Dachboden nachschauen: „Viele haben ja noch Lego in der Familie.“
Einige Lieblingsstücke hat Frank Boor stets aufgebaut. Ähnliche Modelle wie diese finden sich vermutlich noch auf einigen Dachböden Ostfrieslands. Foto: Ortgies
Die Kleinsten für das Spiel mit Lego begeistern:
- Für die Kleinsten gibt es Duplo ohne verschluckbare Kleinteile, empfohlen schon für Eineinhalbjährige. Das Zusammenstecken trainiert die Motorik. Auch später sollte man das Duplo nicht aus der Hand geben, rät Frank Boor. Denn es ist kompatibel mit den Lego-Bricks. Nicht wenige, die gern Großes aus den kleinen Steinen bauen, nutzten dafür als Basis Duplo.
- Kinder sollten lernen, „mit Versatz“ zu bauen: Also die Steine so zu stecken, dass das Gebaute auch stabil ist. Sonst ist die Haltbarkeit ihrer Ideen nicht gegeben – und sie verlieren früher oder später die Lust auf Lego.
Wer schon im Kindesalter beispielsweise das Bauen nach Anleitung lernt, hat es später leichter. Frank Boor zeigt Tessa, wie man auch ohne konkreten Plan ein Haus entstehen lassen kann. Foto: Ortgies - Das Steineangebot für Kinder sollte unbedingt altersgerecht sein, damit die weder über- noch unterfordert sind. Und dann: „Einfach machen lassen.“ Nur da helfen, wo es gebraucht und auch gezielt eingefordert wird, schlägt Boor vor. Kinder können so Grenzen erfahren und möglicherweise durch ausprobieren allein eine Lösung finden.
- Bei Kindern ist weniger mehr, findet Boor: Reizüberflutung durch zu viele und zu bunte Steine sollte man tunlichst vermeiden. „Früher hatten wir nur weiße und rote Steine. Da waren die Wände weiß und die Dächer rot.“ Heute gibt es unzählige verschiedene Bricks. Das kann Kinder schnell verwirren und dann frustrieren. Für den Anfang tue es möglicherweise ein Sortiment Basissteine samt Platte statt des verführerisch bunten Lego Friends. „Das ist cool, aber nicht sehr vielseitig.“
- Die Klemmbausteine gibt es auch im Creator-Set: Das sind drei Sets in einem. Aus den gleichen Steinen können die Kids drei verschiedene Kreationen bauen. Das schult beispielsweise das räumliche Denken. Und ist zugleich eine wichtige Lektion: „Wenn Kinder mit Anleitungen bauen, lernen sie Pläne zu lesen.“ Nix lernt man später noch so leicht wie in der Kindheit, unterstreicht der 52-Jährige. Und der sollte es wissen, denn er baut schon seit fast 50 Jahren mit den bunten Steinen.Ähnliche ArtikelFinalist bei „Lego Masters“
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