Berlin  Beyoncé, Madonna, Springsteen: Warum Fans für diese Mega-Stars tief in die Tasche greifen müssen

Pia Hinrichs
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Von Pia Hinrichs
| 15.02.2023 15:26 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
200 Euro und mehr geben Fans häufig für Konzerte großer Stars wie die Sängerin Beyoncé aus. Foto: dpa/ David Maxwell
200 Euro und mehr geben Fans häufig für Konzerte großer Stars wie die Sängerin Beyoncé aus. Foto: dpa/ David Maxwell
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2023 werden die Bühnen Deutschlands von Musikern der Superlative bespielt. Dass Konzertkarten für Weltstars wie Beyoncé oder Bruce Springsteen schnell ausverkauft sind, ist nichts Neues. Doch woran liegt es, dass inzwischen immer öfter Tickets mit Preisen in schwindelerregender Höhe zu erwerben sind?

Bereits nach 20 Minuten waren die Karten vergriffen: Die US-amerikanische Sängerin Beyoncé, die seit vergangener Woche Grammy-Rekordhalterin ist, wird diesen Sommer in Köln, Hamburg und Frankfurt auftreten.

Wer den Popstar live sehen möchte, konnte letzten Freitag im Vorverkauf Tickets für vergleichsweise „bodenständige“ 70 Euro erwerben. Einziger Haken an der Sache: Wie das Musikmagazin „Rolling Stone“ berichtet, besteht in dieser Preiskategorie dann durchaus die Möglichkeit, vor einer Sichtbehinderung zu landen.

Für einen uneingeschränkten Blick auf die Bühne oder gar auf die Sängerin selbst schnellen die Preise rasch in die Höhe. Wer die Show nicht von einem der obersten Ränge verfolgen möchte, sondern dafür einen Sitzplatz – zwar seitlich von der Bühne, aber immerhin näher dran – ergatterte, musste bereits 199 Euro pro Karte ausgeben, so die Recherche des „Rolling Stones“.

Doch damit nicht genug: Für das exklusive Konzert-Erlebnis habe sich der Veranstalter noch etwas Besonderes für Beyoncés Fans einfallen lassen. Wer sich nämlich auf Tour-Geschenke oder gar eigene Sanitäranlagen freuen möchte, müsse durchaus etwas tiefer in die Tasche greifen und bis zu 3000 Euro für VIP-Paketpreise in die Hand nehmen.

Das Geschäft mit Exklusiv-Angeboten für Konzertgänger ist kein neues: Lesen Sie hier, wie erst im vergangenen Jahr auf einem Helene Fischer-Konzert VIP-Tickets für Aufreger sorgten.

So viel zu den regulären Ticketpreisen. Doch was hat es mit Konzertkarten auf sich, die auch nach Ausverkauf noch zu erwerben sind - oftmals aber zu Preisen im hohen dreistelligen Bereich? Dieses Phänomen lässt auch Fans von anderen Mega-Stars zusammenzucken. So berichtet beispielsweise der „Berliner Kurier“, dass die Website Ticketmaster für ein im November in Berlin stattfindendes Madonna-Konzert Karten für 659 Euro anbietet.

1318 Euro ergab die Stichprobe einer privaten Nutzerin auf der Suche nach 2 Madonna-Platin-Tickets, wie diese auf Twitter mitteilte:

Verursacht werden solche Preise durch das System der sogenannten dynamischen Preisgestaltung, auf das Ticketanbieter wie „Ticketmaster“ zurückgreifen. Unter dem vielversprechenden Begriff „Platin Ticket“ werden dann Tickets verkauft, die im Vorverkauf zunächst zurückgehalten wurden und dann „nachfrageorientiert direkt vom Künstler und Management bereitgestellt werden“, erläutert Ticketmaster auf seiner Website.

Konkret bedeutet dies jedoch, dass gewöhnliche Tickets ganz ohne Zusatzleistungen einfach zu einem späteren Zeitpunkt und zu einem zumeist deutlich höheren Preis verkauft werden.

Das Prinzip der dynamischen Preisgestaltung hat schon im Zusammenhang mit der Tournee des US-amerikanischen Singer-Songwriters Bruce Springsteen – oder wie Fans ihr Idol liebevoll nennen: „The Boss“ – für Furore gesorgt: So seien in den USA Einzeltickets für stolze 5000 Dollar zu erwerben gewesen, wie auch hier der Rolling Stone berichtet.

Dass trotz der schwindelerregenden Preiskategorien die Konzerte von Beyoncé, Madonna oder Springsteen voraussichtlich ausverkauft sein werden, steht teilweise in extremen Kontrast zu den Erfahrungen, die die Musikbranche in Bezug auf kleinere Künstler und Künstlerinnen aktuell machen muss.

Viele Konzertveranstalter und Clubbesitzer beobachten schon länger, dass sich die Branche der Live-Musik von den Auswirkungen der Corona-Pandemie nur langsam erholt. Nicht nur der dadurch entstandene Personalmangel, sondern auch geringerer Ticketverkauf führe nicht selten dazu, dass Veranstaltungen wieder abgesagt werden müssen.

„Wir wollen ganz ehrlich sein: Im Augenblick sind die Vorverkäufe zu schwach“ – Viele Bands wie Tocotronic gehen inzwischen transparent mit der Problemlage der Live-Musik um.

So musste beispielsweise die Hamburger Indie-Rock-Band „Tocotronic“, die bereits seit 20 Jahren deutsche Bühnen bespielt, im vergangenen Herbst eine Reihe von Live-Konzerten absagen. Zu wenige Tickets seien verkauft worden, teilte die Band um Frontmann Dirk Lotzow auf ihrem Instagram-Account mit.

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