Autorinnenduo veröffentlicht neuen Krimi Warum es sich am Neuharlingersieler Hafen gut morden lässt
Für Christiane Franke und Cornelia Kuhnert passt Mord perfekt in die Idylle Neuharlingersiels. Die Leichen sind erfunden, die Schauplätze aber sind echt. Eine Spurensuche am Siel.
Neuharlingersiel - Manchmal liegen Fakt und Fiktion ganz nah beieinander. Obwohl das Autorinnenduo Christiane Franke und Cornelia Kuhnert seine Toten erfindet, ermordet es sie doch an Originalschauplätzen in der beschaulichen Idylle Neuharlingersiels. Diese Tatorte kann man mit etwas Ortskenntnis – oder einem druckfrischen Krimi in der Hand – wiedererkennen oder gar besuchen. Berthold Kissmann, Wirt der urigen Kultkneipe Dattein am Neuharlingersieler Kutterhafen, kennt heute alle Werke dieser Reihe. Aus gutem Grund. „Einmal hat mich einer bei Whatsapp angeschrieben: Da sitzt ein Mörder an deinem Tresen. Da erschreckst du erstmal.“ Heute kennt er die gewaltsamen Todesfälle, die Neuharlingersiel literarisch erschüttern. So einen Schreck wie damals erspart er sich lieber.
Was und warum
Darum geht es: Christiane Franke und Cornelia Kuhnert bringen mit „Tote Lämmer lügen nicht“ ihren zehnten Fall der Neuharlingersiel-Reihe heraus. Ihre Tatorte und Schauplätze sind stets detailgetreu und gut nachvollziehbar beschrieben.
Vor allem interessant für: Krimibegeisterte mit Humor und Fans von Neuharlingersiel
Deshalb berichten wir: Die Neuharlingersiel-Krimis haben mittlerweile eine große Fangemeinde. Sie brachten die Autorinnen auf die Spiegel-Bestseller-Liste. Jetzt erscheint Fall Nummer Zehn. Die Autorin erreichen Sie unter: s.ullrich@zgo.de
Was ihn selbst an den Büchern fasziniert? „Du hast wirklich Neuharlingersiel vor Augen.“ Und die Mordfälle, bei aller kreativen Freiheit der Autorinnen, passten einfach an die Küste: „Solche Sachen passieren ja hier auch – nur eben anders, als im Buch drin steht.“ Viele begeistere, dass sie den Urlaub so mit nach Hause nehmen könnten, berichtet Franke. Das kommt an in der ständig wachsenden Leserschaft der norddeutschen Schriftstellerinnen. Die haben es mit den humorigen Ermittlungen von Lehrerin Rosa, Postbote Henner und Dorfpolizist Rudi auf die Spiegel-Bestsellerliste geschafft. Diese Woche nun erscheint mit „Tote Lämmer lügen nicht“ der bereits zehnte Teil ihrer Neuharlingersiel-Reihe. Der Neuharlingersiel-Krimi (ISBN 978-3-499-01165-8) hat 288 Seiten und kostet 12 Euro. Und auch im Leer der Nachkriegsjahre tobt sich das Duo aus. Gerade erschien mit „Frisch ermittelt: Der Fall Kaltwasser“ der Nachfolger von „Frisch ermittelt: Der Fall Vera Malottke“.
Von der Hafeneinfahrt ins Meer gestürzt
„Wir gucken ganz gezielt: Was passt hier in die Region“, erklärt Christiane Franke bei einem Treffen am Tatort Neuharlingersiel Anfang der Woche. Die 59-Jährige lebt in Wilhelmshaven und ist mindestens einmal im Monat vor Ort, sagt sie. Ihre 66 Jahre alte Mitautorin Cornelia Kuhnert lebt in Isernhagen in der Region Hannover. Sie kommt seltener an die Küste. Also ist es an Franke, regelmäßig am Dorfklatsch dranzubleiben. Sie ist stets auf der Suche nach „Themen, die die Bevölkerung hier umtreiben“. Im zehnten Fall des Ermittlerduos geht es darum beispielsweise auch um den Wolf, der den Deichlämmern nach dem Leben trachtet. „Wir haben in Ostfriesland so viele Themen, die man aufgreifen kann.“
Doch nicht nur den Schafen geht es ans Leder, auch Eigenbrötler Lenny. Der wird erschossen in seinem Zuhause aufgefunden. Und dann wird einer der Verdächtigen aus seinem Dunstkreis im Watt gefunden. Eine Begegnung mit seinem Mörder an der Hafeneinfahrt wurde ihm zum Verhängnis. Die Mauer dort, sagt Franke mit einem verwegenen Lächeln und Fingerzeig, habe die passende Höhe: Wenn man das Opfer an den Beinen packe, könne man es mit Schwung über die Mauer befördern. Deichschäfer Gerhard ereilte dieses Schicksal. Er ist allerdings nicht der erste Tote, der vom Polizisten Rudi und seinen Kollegen aus dem Watt auf der gegenüberliegenden Seite der Hafenmauer gezogen wird.
Der traumhafte Hafen
Auch der Strand dahinter bietet idyllische Tatorte für kuriose Verbrechen: Dort wurde im achten Fall „Wenn Wattwürmer weinen“ der Marketingmanager des Ortes mit Wein im Schlafstrandkorb vergiftet. Und ja, die Autorinnen haben ein Faible für wohlklingende Titel. Die kämen stets gut an bei Besprechungen mit den Verantwortlichen beim Rowohlt Taschenbuchverlag, verrät Franke. Im Ergebnis heißen Teile der Serie „Krabbenbrot und Seemannstod“, „Muscheln, Mord und Meeresrauschen“ oder „Zum Teufel mit den fiesen Friesen“.
Oft ereignen sich spannende Dinge rund ums Neuharlingersieler Hafenbecken. „Der Hafen ist so traumhaft“, schwärmt Christiane Franke. Dennoch scheuen die Autorinnen sich nicht davor, ihn mit Leichen zu garnieren. Postbote Henner beispielsweise kommt in „Es muss nicht immer Labskaus sein“ aus der Bäckerei Johann Hinrichs und sieht etwas im Wasser treiben. Franke: „Er entdeckt eine gelbe Daunenjacke im Hafen.“ Zur Jacke taucht schnell auch die dazugehörige Leiche auf. Bei Hinrichs ist stets etwas los, im echten Leben wie auch in den Küstenkrimis, weiß die Autorin aus Wilhelmshaven: „Da stehen die Figuren am Tresen und können sich unterhalten.“
Was nicht beim Bäcker ausgetauscht wird, macht in den Büchern schnell im gegenüberliegenden Lokal Dattein die Runde: Dort trifft sich die hiesige Damenwelt, der Häkelbüdel-Club. „Das Schöne ist: Das Dattein ist beständig.“ Auch ihr elfter Fall wird Rosa, Henner und Rudi wohl wieder hierher führen. An dem schreiben die fleißigen Schriftstellerinnen bereits. Wirt Berthold Kissmann ist schon gespannt: „Ich freue mich auf viele Bücher, die noch kommen.“