Osnabrück Nikki Haley gegen Donald Trump: Sind die Republikaner reif für diese Frau?
Sie war die rechte Hand von US-Präsident Donald Trump auf internationaler Bühne. Nun wirft Nikki Haley im Kampf um die Präsidentschaftskandidatur ihren Hut in den Ring - gegen ihren Ex-Chef.
Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus. Im innerparteilichen Rennen um die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner bekommt Donald Trump weibliche Konkurrenz. Es sei an der Zeit, dass eine „neue Generation die Führung übernimmt“, sagte Nikki Haley in einem Video. Ursprünglich war die Ankündigung ihrer Kandidatur am Mittwoch bei einer Großveranstaltung in Charleston erwartet worden.
Die Kandidatur Haleys als erste asiatisch-amerikanische Frau bei den Republikanern ist ein Meilenstein für die konservative Partei. Doch kann die frühere Trump-Getreue tatsächlich gegen ihren Ex-Chef im innerparteilichen Kräftemessen der Vorwahlen bestehen?
Sie solle sich die Schmach ersparen, unken bereits Kritiker auf Twitter - und dürften damit Haleys Ehrgeiz nur noch anheizen. Tatsächlich gibt es auch Pluspunkte für die erste Herausforderin Trumps.
Noch gilt die 51-Jährige in der Grand Old Party (GOP) als Außenseiterin. Laut einer Umfrage im Auftrag von „Newsweek“ unter 3459 Republikanern, die sich an den Vorwahlen beteiligen werden, sagte knapp die Hälfte, ihr Favorit sei Donald Trump. 31 Prozent sprachen sich für Ron DeSantis aus, den Gouverneur von Florida, acht Prozent für den ehemaligen Vizepräsidenten Mike Pence. Für Haley gab es gerademal drei Prozent. Und doch gibt es manches, das für sie spricht.
Eine Umfrage, die jüngst von der konservativen Anti-Trump-Website The Bulwark und dem republikanischen Meinungsforscher Whit Ayres durchgeführt wurde, ergab, dass sich potenzielle GOP-Wähler mehrheitlich jemanden anderen als Kandidaten der Partei für 2024 als Trump wünschen.
Nikki Haley ist nicht irgendwer. Sie kann auf zwei erfolgreiche Amtszeiten als Gouverneurin von South Carolina verweisen, bevor sie in die Bundespolitik wechselte. Und ist es nicht auch in den USA Zeit für die erste Frau an der Staatsspitze?
Andere konservative Parteien in der Welt haben es vorgemacht, die Tories in Großbritannien mit Margaret Thatcher, zum Beispiel, und die Christdemokraten hierzulande mit Angela Merkel. Die Republikaner könnten sich geradezu als fortschrittlich präsentieren, was die Demokraten alt aussehen lassen könnte.
Und haben die US-Amerikaner nicht auch ein Herz für Aufsteiger, wenn sie unter Beweis stellen, dass sie allen erdenklichen Widrigkeiten gewachsen sind? Haley gilt als kämpferisch. Bei den Zwischenwahlen im November 2022, bei denen die Republikaner die Mehrheit im Repräsentantenhaus zurückerobern konnten, hat sie Dutzende Kandidaten unterstützt - und war dabei erfolgreicher, als Trump.
Geboren wurde Nimrata Nikki Randhawa 1972 in South Carolina als Kind indischer Einwanderer der Sikh-Glaubensrichtung.
Im Alter von 24 Jahren heiratete die studierte Buchhalterin den Soldaten Michael Haley und konvertierte wenig später zum Christentum. Als Finanzchefin baute sie das von ihrer Mutter gegründete Bekleidungsgeschäft zu einem Unternehmen mit Millionenumsätzen aus. Parallel dazu zog es sie in die Politik. 2004 wurde sie erstmals ins Repräsentantenhaus von South Carolina gewählt.
Politisch steht Haley für einen stramm konservativen Kurs. Sie tritt für weniger Staat und niedrige Steuern ein und hat sich sowohl gegen die gleichgeschlechtliche Ehe wie auch die Krankenversicherungsreform „Obamacare“ positioniert; zudem ist die zweifache Mutter gegen Abtreibungen nach der 20. Schwangerschaftswoche.
Haley gilt als weltgewandt und außenpolitisch sattelfest. Als US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen 2017 und 2018 unter Präsident Trump machte sie eine starke Figur. Sie setzte Sanktionen gegen Nordkorea durch, leitete den Rückzug der USA aus dem Menschenrechtsrat und galt als eine Schlüsselfigur bei der Erhöhung des Drucks auf das Mullah-Regime im Iran.
Wiederholt kam es dabei auch zu Spannungen mit Trump, unter anderem als Haley eine härtere Gangart bei den Sanktionen gegenüber Russland einforderte. Dass sie ihren eigenen Kopf hat, zeigte sie schließlich, als sie den Job Ende 2018 schließlich vorzeitig an den Nagel hing.
Ausdrücklich gebrochen hat Haley bis heute gleichwohl nicht mit Ex-Präsident Trump. Doch sie ist auf Distanz gegangen. So sagte sie über seine Rolle beim gewalttätigen Sturm aufs Kapitol am 6. Januar 2021 dem Onlinemagazin Politico: „Wir müssen einsehen, dass er uns im Stich gelassen hat. Er ging einen Weg, den er nicht hätte gehen sollen, und wir hätten ihm nicht folgen sollen“.
Im selben Jahr ließ Haley auch wissen, dass sie selbst keine Kandidatur um das Präsidentschaftsamt anstrebe, wenn Donald Trump kandidieren würde. Das ist offenbar Schnee von gestern. Trump lässt das kalt: „Menschen ändern ihre Meinung. Also habe ich gesagt: Wenn dein Herz es will, dann musst du es tun“ - wohl wissend, dass die Reaktionen seiner Anhängerschaft auf Haleys Schritt wohl alles andere als schmeichelhaft sein werden.