Hamburg Internetsuchen mit ChatGPT werden CO2-Emissionen in die Höhe treiben
KI-Chatbots wie ChatGPT haben sich schon bei Politikerreden und bei Uni-Prüfungen behauptet, jetzt wollen Microsoft und Google auch solche Alleskönner bei sich integrieren. Doch was das Klima angeht, sind Chatbots alles andere als perfekt.
Erst kürzlich hat Microsoft angekündigt, die künstliche Intelligenz hinter ChatGPT für seinen Browser und seine Suchmaschine Bing zu nutzen. Der Softwareentwickler verspricht sich davon, die Dominanz von Google bei der Web-Suche zu brechen. Allerdings entwickelt sich auch Google in diese Richtung – die Weichen für den Wettkampf der Tech-Riesen bei künstlicher Intelligenz sind gestellt.
Auch wenn Konkurrenz das Geschäft belebt und das für Nutzer größere Innovationen in kürzerer Zeit bedeuten könnte, wird sich dieser Machtkampf auch stark auf das Klima auswirken – im negativen Sinne, wie das Magazin „Wired“ jetzt analysiert hat.
Rechenleistung verbraucht Energie und erzeugt entsprechend auch CO2 – das ist nichts Neues. Im Jahr 2020 ist einer Schätzung des Öko-Instituts zufolge jeder Deutsche für 26 Kilogramm CO2-Emissionen allein für Suchanfragen im Internet verantwortlich gewesen, betrachtet man die Internetnutzung und die dahinter steckende Rechenleistung in ihrer Gesamtheit, kommt jeder Deutsche auf über 310 Kilogramm pro Jahr.
Mit der Integration der Chatbots wird die Rechenleistung künftig noch weiter ansteigen, ist sich Alan Woodward, Experte für Cybersicherheit an der britischen University of Surrey sicher: So erfordere das Durchsuchen von Internetinhalten bereits „enorme Ressourcen“. Aber die Einbeziehung von KI benötige „eine andere Art von Feuerkraft“.
„Sie erfordert sowohl Rechenleistung als auch Speicherplatz und eine effiziente Suche. Jedes Mal, wenn sich die Online-Verarbeitung weiterentwickelt, steigt der Energie- und Kühlungsbedarf großer Rechenzentren erheblich an“, erläutert er.
Offiziell ist nicht bekannt, wie hoch der Ressourcenverbrauch für die Verwendung der KI ist. Doch eine unabhängige Analyse ergibt, dass allein das Training des GPT-3-Modells von OpenAI – die Grundlage von ChatGPT – 1287 Megawattstunden verbraucht haben muss. Das sei dem „Wired“-Magazin zufolge äquivalent zu 550 Hin- und Rückflügen zwischen New York und San Francisco.
Doch bei dem Training bleibt es natürlich nicht. Ist sie einmal trainiert, muss sie trotzdem weiter ausgeführt und für Milliarden von Nutzern bereitgestellt werden.
Zur Einordnung: Die UBS-Bank schätzt laut „Reuters“, dass 13 Millionen Menschen täglich ChatGPT nutzen. Weltweit werden aber über 5,2 Milliarden Internetnutzer gezählt. Bei der Implementierung der KI in Suchmaschinen ist also mit einem massiven Anstieg der CO2-Emissionen zu rechnen. Martin Bouchard, Chef des Computerdienstunternehmens QScale, vermutet gegenüber „Wired“ ein Wachstum der Rechenleistung um mindestens das Vier- oder Fünffache bei jeder Sucheingabe.