Schutz vor Hochwasser  Deichacht Krummhörn überdenkt Alarmierungs-Methoden

Michael Hillebrand
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Von Michael Hillebrand
| 12.02.2023 10:01 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Bei stürmischem Wetter kann es unter anderem auch an der Emder Knock ungemütlich werden, wie dieses Bild zeigt. Am dortigen Siel und Schöpfwerk befindet sich einer der Punkte, von denen aus man bei drohenden Katastrophen Funkkontakt zu den anderen Küstenschützern halten kann. Archivfoto: Wagenaar
Bei stürmischem Wetter kann es unter anderem auch an der Emder Knock ungemütlich werden, wie dieses Bild zeigt. Am dortigen Siel und Schöpfwerk befindet sich einer der Punkte, von denen aus man bei drohenden Katastrophen Funkkontakt zu den anderen Küstenschützern halten kann. Archivfoto: Wagenaar
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Alarmpläne helfen den Küstenschützern im Ernstfall und sie werden regelmäßig angepasst. Was sich jetzt und in Zukunft ändert beziehungsweise ändern könnte.

Krummhörn/Altkreis Norden - Alarmpläne sollen dafür sorgen, dass bei den Deichachten und Entwässerungsverbänden jeder sofort weiß, was im Notfall zu tun ist. Regelmäßig müssen diese Katastrophenschutzpläne angepasst werden, wie auch jetzt teilweise wieder. Wir haben bei den zuständigen Stellen in der Gemeinde Krummhörn und in Norden nachgefragt, wie der aktuelle Stand ist und was sich künftig ändern könnte.

Was und warum

Darum geht es: wie die Küstenschützer fortlaufend ihre Notfallpläne an sich ändernde Bedingungen anpassen

Vor allem interessant für: Bewohner der Region, deren Hab und Gut von funktionierenden Deichen und einer guten Entwässerung abhängig ist

Deshalb berichten wir: Wir hatten in einem Medienbericht gelesen, dass es Anpassungen bei der Deichacht Norden gibt und hatten uns gefragt, was sich indes auch in der Krummhörn tut.

Den Autor erreichen Sie unter: m.hillebrand@zgo.de

Bei der Deichacht Krummhörn könnte so eine Änderung in näherer Zukunft die Kommunikation betreffen, wie ihr Rendant Frank Rosenberg auf Nachfrage ankündigt. Derzeit sei bei hohen Wasserständen nämlich vorgesehen, dass jeweils zwei Mitglieder des Deichachtvorstands und -ausschusses fünf Außenposten an der Deichkrone besetzen: das Siel und Schleusenbauwerk Leysiel, die Deichschäfereien Hamswehrum und Loquard, das Siel und Schöpfwerk an der Emder Knock und das Gebäude von Niedersachsen-Ports (N-Ports) an der Emspier.

Handys verdrängen analogen Funk

Der Hintergrund: Sie müssen dort per Funk mit den Deichachtmitarbeitern zwischen den einzelnen Stationen in Kontakt bleiben, die die Deichlinie im Auge behalten. Die Reichweite von deren Antennen sei nämlich nicht hoch genug, um etwas direkt zur Haupteinsatzstelle in Pewsum zu melden, wo die Deichacht ihren Verwaltungssitz hat. Stattdessen geben die Mitarbeiter in den technisch besser ausgestatteten Außenposten die Meldungen nach Pewsum weiter, wo man bei drohenden Katastrophen wiederum Kontakt zum Landkreis Aurich und zur Stadt Emden hält.

Dieses System ist jedoch aus der Zeit gefallen und eigentlich könnte man auf die Außenposten verzichten und nur noch die mobilen Kräfte vor Ort behalten, wie Rosenberg deutlich macht. So könne man inzwischen auch über das reguläre Mobilfunknetz kommunizieren. Sollten es zu viele Leute gleichzeitig nutzen und es überlasten, gebe es für die Küstenschützer und andere systemrelevante Personen sogar reservierte Sonderkapazitäten, die nur für Ihre Diensthandynummern freigeschaltet seien.

Tücken des Digitalfunks

So habe man den alten analogen Funk bislang auch noch nicht auf Digitalfunk umgestellt, worüber jedoch in diesem Jahr gesprochen werden soll, kündigt der Rendant an. Immerhin kann das Mobilfunknetz auch mal ausfallen und der Digitalfunk, der über eigene Weitergabepunkte (Relais) verfügt, könnte weiterlaufen.

Dafür jedoch braucht man genügend Antennen beziehungsweise Relais-Standorte, wie in der Vergangenheit schon die Erfahrung mit Rettungskräften in Ostfriesland gezeigt hatten. Gerade das Digitalfunknetz benötigt nämlich besonders starke Signale und die Verständigung läuft entweder gut oder gar nicht. Beim analogen Sprechfunk hingegen lassen sich weitere Entfernungen überbrücken, weil man zunächst ein immer stärker werdendes Rauschen hört, bevor der Empfang endgültig weg ist.

Sanddepots und 20.000 Säcke

Auch bei der Festlegung der Pegel, ab denen eingeschritten werden muss, gibt es laut Rosenberg Prüfungsbedarf. Die Alarmpläne für die Küstenschützer in Ostfriesland existierten immerhin schon seit vielen Jahren und die Deiche seien in dieser Zeit erhöht worden. Da stelle sich die Frage, ob man weiterhin schon Voralarm auslösen müsse, wenn der Wasserstand unaufhaltsam auf acht Meter und darüber hinaus ansteige. Das sei bislang die Regel.

Wie der Name schon vermuten lässt, machen sich beim Voralarm schon einmal alle Verantwortlichen bereit. Ein Pegel von acht Metern entspricht dabei 1,5 Meter über dem sogenannten mittleren Hochwasser am Messpunkt Emden. Steige der Pegel gar auf mehr als neun Meter an, wird laut Rosenberg aus dem Voralarm ein Alarm. Dann überwache man die Wasserstände noch genauer als sonst und die Experten tauschten sich untereinander aus. Für den Notfall verfüge alleine die Krummhörner Deichacht über 20.000 sofort zur Verfügung stehende Sandsäcke sowie über mehrere Sanddepots entlang der Deichlinie. Jedes fasse etwa 100 bis 150 Kubikmeter Sand. Allerdings sei der Nutzen der Sandsäcke begrenzt – gerade bei großen Sturmfluten. „Wir selbst brauchten sie schon 50 Jahre lang nicht mehr.“

Regelmäßige Abfragen bei Firmen

Carl Noosten ist Oberdeichrichter der Deichacht Norden. Auch diese passt ihren Alarmplan immer wieder – auch an die Deichhöhen – an, wie er auf Nachfrage bestätigt. Jedes Jahr hake man außerdem bei den Fachfirmen nach, ob sie im Notfall nach wie vor bereitstehen und helfen. Namen von Geschäftsführern und Fahrern werden bei Bedarf ausgetauscht.

Auch eine bessere Visualisierung des Alarmplans wurde zuletzt bei den Nordern beschlossen, damit bei Bedarf jeder noch besser und schneller sehen kann, wer wann für was zuständig ist, so Noosten. Demnächst seien außerdem Treffen vorgesehen, um neu abzustimmen, in welchen Situationen die Feuerwehr sicherheitshalber alarmiert wird und wie man sich schon Tage vor einer Sturmflut optimal vorbereiten kann. Laut dem Oberdeichrichter fließen dabei auch Erfahrungen aus vergangenen Hochwasser-Einsätzen mit ein. So gab es zum Beispiel inzwischen auch schon Übungen, in denen Einsatzkräfte des Technischen Hilfswerks (THW) und der Feuerwehr lernten, wie man möglichst schnell Sandsäcke befüllt.

Forschungsergebnisse für das Binnenland werden vorgestellt

Alarmpläne gibt es allerdings nicht nur bei den Deichachten, sondern zumindest teilweise auch schon bei den Entwässerungsverbänden. In Norden hingegen wird er gerade im Rahmen der Projekte „Klever“ und „Klever-Risk“ erstellt, wie Obersielrichter Rainer Mellies bestätigt. Bei den Projekten geht es darum, das Risiko von Binnenhochwassern im Nordwesten unter Berücksichtigung des Klimawandels möglichst zu minimieren. Beteiligt sind daran neben der Uni Oldenburg und der Jade-Hochschule Wilhelmshaven/Oldenburg/Elsfleth als Kooperationspartner unter anderem auch der Krummhörner, der Norder und der Auricher Entwässerungsverband.

„Wir werden in diesem Frühjahr das Projekt abschließen und dann auch eine entsprechende Abschlussveranstaltung in der Knock durchführen“, kündigt Mellies an. Der Entwurf für den eigenen Alarmplan befinde sich gerade „in der letzten Abstimmung mit den anderen Verbänden und dem Landkreis“. Ziel sei es, die Hochwasseralarmpläne von Verbänden zu vereinheitlichen und mit den entsprechenden Stellen beim Landkreis und der Stadt Emden zu vernetzen.

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