Kolumne „Intern“ Grüezi statt Moin – was Schweizer Zeitungsmacher den Ostfriesen voraus haben
Die Schweiz ist weit weg von Ostfriesland, aber immer eine Reise wert. Hohe Berge, freundliche Menschen, weltläufig und doch provinziell. Auch sonst gibt es viele Parallelen zu den Ostfriesen.
Wenn einer eine Reise tut: Zwei Tage war ich diese Woche zu Besuch in Chur im schweizerischen Graubünden, beim Verlag Somedia, Herausgeber der Bündner Zeitung und anderer Blätter in deutscher und rätoromanischer Sprache (das Plattdeutsch der Schweiz), Betreiber eines regionalen Fernsehsenders und einer Radiostation. Die Auflage ist zusammengenommen ähnlich wie die von OZ und GA, die Redaktion aber deutlich größer - und teurer, wie alles in der Schweiz. Nicht nur, dass der Kaffee dort umgerechnet sieben Euro kostet, der Hauptgang im Restaurant mindestens 38 Euro und die Dreieinhalb-Zimmer-Wohnung im Hochhaus 1900 Euro Monatsmiete.
Zur Person
Joachim Braun (57) ist Chefredakteur der Ostfriesen-Zeitung, des General-Anzeigers und der Borkumer Zeitung. Davor leitete er die Redaktionen der Frankfurter Neuen Presse und des Nordbayerischen Kurier in Bayreuth. 2012 wurde er von einer Fachjury zu Deutschlands „Regional-Chefredakteur des Jahres“gewählt.
Aber ich war nicht zum Essen in Chur - eine Stadt so groß wie Leer - und auch nicht auf Wohnungssuche, sondern zum fachlichen Austausch. Zeitungsverlage haben überall auf der Welt die gleichen Probleme: sinkende Printauflagen und eine digitale Transformation, die leider noch nicht schnell genug funktioniert, um die sinkenden Erlöse auszugleichen. Und alle entwickeln eigene Ideen, neue Produkte und probieren aus, egal ob in Chur oder in Leer.
Was liegt da näher, als Erfahrungen auszutauschen. Technisch haben uns die Schweizer einiges voraus, redaktionell sind wir schon ein paar Schritte weiter. Was keine Eitelkeit ist, sondern sich in Zahlen belegen lässt: Unser Haus hat bis jetzt etwa acht Mal so viele Online-Abonnenten wie suedostschweiz.de. Woran das liegt? Da waren wir mit Chefredaktor Reto Furter und Geschäftsführer Thomas Kundert einer Meinung. Auch der geschäftliche Erfolg eines Verlags hängt davon ab, wie es journalistisch gelingt, die Bedürfnisse der Leser abzubilden.
Klar ist auch, dass die Redaktion das Herzstück des Verlags ist. Personelle Einsparungen gehen am Ende nach hinten los: Der Journalismus leidet, und die Unzufriedenheit der Redakteure, aber auch der Leser, steigt. Bei Somedia hat man damit schon Erfahrungen gemacht. Demnächst kommen die Schweizer nach Leer. Wir haben viel zu besprechen. Online ist für uns die Webseite und nicht unser E-Paper
Meine Texte will online keiner lesen