Stürmischer Monat Der Januar in Ostfriesland war windreich und viel zu warm
Normale Monate aus Sicht der Wetterstatistik sind nicht mehr die Regel, sondern längst die Ausnahme. Der Klimawandel macht sich immer stärker bemerkbar. Im Januar wich vor allem ein Wert deutlich ab.
Emden - Wenn man mit Jörg Deuber über das Wetter in Ostfriesland spricht und sich Monat für Monat die dazugehörigen statistischen Daten ansieht, gibt es schon länger für ihn vor allem ein Thema: den Klimawandel. Deuber, der sich seit 1979 beruflich wie privat mit Wolken, Wind und Witterung befasst, kann nicht nachvollziehen, dass es Leute gibt, die die menschengemachten und wissenschaftlich immer besser belegten Veränderungen leugnen. In seinen Augen ist es offensichtlich: Die Werte, die an der Messstation des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Emden erhoben werden, fallen regelmäßig aus dem Rahmen. Die Abweichungen vom langjährigen Mittel, das als Vergleich dient, sind oft extrem – so auch im Januar.
Mit durchschnittlich 5,4 Grad war der erste Monat des Jahres viel zu warm. Legt man die Jahre 1961 bis 1990 daneben, beträgt der Unterschied 4 Grad. „Das ist schon sehr außergewöhnlich“, stellt der Wetterbeobachter aus Oldersum fest. Was ihm zu denken gibt, ist nicht allein, dass am Neujahrstag in Emden frühlingshafte 14,5 Grad gemessen wurden. Ihn beschäftigen die Konstanz und die langfristige Entwicklung. Seit etwa zehn Jahren in Folge seien die Temperaturen im Januar zu hoch für Ostfriesland, stellt er fest. Diesmal wurden gleich an neun Tagen zweistellige Tageshöchstwerte gemessen.
Nullgrad-Grenze nur knapp verpasst
Frostig war es vor allem in der zweiten Monatshälfte, allerdings nur mäßig. „Selbst am Boden waren es maximal -5 Grad“, so Deuber, „das fällt eigentlich noch unter leichten Frost“. In die Statistik schaffte es aber auch ein Eistag. In der Meteorologie wird darunter ein Tag verstanden, an dem die Temperaturen es nicht über den Gefrierpunkt schaffen. Im Januar war das in Emden am 25. Januar der Fall. Die Marke wurde nur knapp verpasst. Mit -0,1 Grad blieb die Anzeige gerade eben unterhalb des Grenzwertes.
Neben milden bis deutlich zu warmen Temperaturen brachte der Monat in Ostfriesland reichlich Regen. Mit 100,6 Litern auf den Quadratmeter gab es wesentlich mehr Niederschlag als im Langzeitvergleich. Statistisch erwartbar sind für einen Januar an der DWD-Messstation Emden 62,5 Liter. Bei einer Fahrt über Land ist zu sehen, dass die Böden das zusätzliche Wasser kaum aufnehmen können. „Die Landwirte könnten Probleme bekommen, ihre Felder zu bestellen“, so Jörg Deuber.
„Pustig“ und ein Sonnenplus
Eine gute Ernte brachten die vergangenen Wochen all jenen, die von viel Wind profitieren. „Es war ein stürmischer Monat“, urteilt der Oldersumer. An sechs Tagen erreichten die Böen auf der Beaufortskala die 8. Für den ersten Monat des Jahres ist das nicht ungewöhnlich, sondern eher der Normalfall. Aber „etwas pustig“, sagt Deuber, sei es schon gewesen. In freier Landschaft und auf den Inseln, wo weniger Häuser, Büsche und Bäume die Naturkraft ausbremsen, dürfte der Sturm noch einmal stärker ausgefallen sein.
Annähernd eine Punktlandung, gemessen am Vergleich mit dem langjährigen Mittel, brachte der Sonnenschein. Die Sonne ließ sich an den 31 Tagen des Monats exakt 47,5 Stunden über den Messinstrumenten nahe dem Flugplatz Emden blicken – 4,6 Stunden mehr als rechnerisch üblich. Es ist eine der wenigen moderaten und vermutlich auch bei Jörg Deuber sehr willkommenen Abweichungen von der Wetterstatistik.