Hamburg Sabine Mertens – die Frau, die in Hamburg das Gendern stoppen will
Gendersternchen und -Schrägstriche soll es an Hamburgs Schulen und Unis nicht geben dürfen. So will es Sabine Mertens, die dafür die direkte Demokratie bemüht. Warum tut sie das?
Erstmals in Deutschland könnten Bürger das letzte Wort über die Anwendung von Gendersprache sprechen. Am Dienstag ist in Hamburg eine Volksinitiative offiziell gestartet, die der öffentlichen Verwaltung, den Schulen und den Hochschulen in der Hansestadt den Einsatz von Gendersternchen und Co. untersagen lassen will. Am Ende des dreistufigen Verfahrens sollen alle Hamburger Wahlberechtigten parallel zur Bürgerschaftswahl Anfang 2025 entscheiden, ob im Amtsdeutsch gegendert werden darf oder nicht.
Kopf der Initiative ist Sabine Mertens, Kunsttherapie-Coach und Vorstandsmitglied im Verein Deutsche Sprache. Was bewegt sie zum Kampf gegen die „Hypersexualisierung der Sprache“, wie sie es nennt? Im Gespräch mit unserer Redaktion berichtet die 65-Jährige vom Auslöser ihres Engagements. In einem ihrer Texte für eine Fachzeitschrift habe der Herausgeber vor ein paar Jahren zwei Begriffe gegendert – ohne ihr Wissen. Die Hamburgerin zog dagegen vor Gericht und setzte sich durch.
„Ich werde als Autor übergendert, da habe ich keinen Bock drauf“, erzählt Mertens, die von sich tatsächlich konsequent als „Autor“ und „Kunsttherapeut“ spricht, nicht als „Autorin“ und „Kunsttherapeutin“. Warum? „Mir gefällt die verallgemeinernde Berufsbezeichnung einfach besser.“
Es gehe es nicht um ein „Gender-Verbot“, stellt sie klar. Vielmehr sei es die andere Seite, die dabei sei, ein Quasi-Verbot einer korrekten deutschen Sprache durchsetzen. Das gelte es zu verhindern. „Die Genderverfechter haben die gewachsene Standardsprache einseitig aufgekündigt.“ Die Hamburger Initiative wolle ein Zeichen setzen, „dass der Souverän etwas zu sagen hat: Die Sprache gehört uns allen – und nicht einer politischen Elite, die uns sagt, wie wir reden sollen.“
Formal möchte die Volksinitiative Hamburgs öffentliche Institutionen verbindlich darauf verpflichten, in der schriftlichen Kommunikation die deutsche Standardsprache anzuwenden, so wie diese vom Rat für deutsche Rechtschreibung festlegt sei. Also ohne Sternchen, Binnen-I, Schrägstrich und andere Sonderzeichen.
Eine diplomatische Wortwahl kann man der Anti-Gender-Streiterin nicht unbedingt nachsagen. Ohne Scheu bemüht Sabine Mertens auch heikle Begriffe. Den „links-grünen“ Genderbefürwortern wirft sie „identitäre Klientelpolitik“ vor.
Bedienen sie und ihre Mitstreiter also rechte Narrative, ganz im Sinne der AfD? Sie wehrt ab: „Oh nein. Ich bin eher in K-Gruppen sozialisiert. Die AfD ist völkisch, nationalistisch und verfolgt ein identitäres Programm.“
Ihre Initiative lasse sich von keiner Partei vereinnahmen. Auch nicht von der CDU, deren Hamburger Landesverband um Parteichef Christoph Ploß aktiv mithelfen will, Unterschriften zu sammeln. Sie persönlich, sagt Sabine Mertens, gehöre keiner Partei an.
Hamburgs Gleichstellungssenatorin Katharina Fegebank (Grüne) betont, es gebe keinen Genderzwang in Hamburgs Behörden. Seit 2021 existiere zwar ein Leitfaden des Senats für den Umgang städtischer Einrichtungen mit Sprache. Aber, so Fegebank: „Wir wollen keine Vorschriften machen, wie jemand sprechen oder schreiben soll. In Hamburg ist weder in der Verwaltung noch in der Schule oder an der Uni die gendersensible Sprache vorgeschrieben. Es muss aber möglich sein, sie zu benutzen.“
Kann sich Sabine Mertens einen Kompromiss mit der rot-grünen Rathausregierung vorstellen? „Nein. Ein bisschen Gendern kann es nicht geben. Wir ziehen das bis zum Ende durch.“
Die Volksinitiative muss in sechs Monaten 10.000 Unterschriften sammeln. In der zweiten Stufe braucht sie 66.000 Unterstützer binnen drei Wochen, bevor es zum abschließenden Volksentscheid kommen kann. Vom Erfolg ist Sabine Mertens überzeugt: „Ich glaube, dass es eine klare Mehrheit bei den Hamburgern gegen Gendersprache gibt.“