Geldräuber in Niedersachsen  Neuer Standort für gesprengten Automaten in Riepe steht fest

Nicole Böning
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Von Nicole Böning
| 07.02.2023 10:06 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Zwei Explosionen erschütterten Riepe im September 2021 und zerstörten den Geldautomaten auf dem Netto Gelände. Foto: Archiv
Zwei Explosionen erschütterten Riepe im September 2021 und zerstörten den Geldautomaten auf dem Netto Gelände. Foto: Archiv
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Der neue Geldautomat der Sparkasse Aurich-Norden soll auf dem Gelände der Baustoffunion in Riepe stehen. Wie eine echte Diva lässt er aber noch auf sich warten.

Riepe - Eineinhalb Jahre ist es bereits her, seit der Geldautomat auf dem Gelände des Netto-Marktes in Riepe in der Nacht zum 2. September 2021 gesprengt wurde. Zwei heftige Detonationen hatten damals den kleinen Ort in der Gemeinde Ihlow erschüttert. Noch immer wartet Riepe auf einen Ersatz. „Die Planung, die Risikoanalyse und die Genehmigung haben viel Zeit gekostet“, sagt Petra Zschietzschmann, Pressesprecherin der Sparkasse Aurich-Norden. Aber es sei Bewegung in die Sache gekommen, der neue Standort steht bereits fest.

Was und warum

Darum geht es: Bei dem langersehnten Nachfolger für den gesprengten Geldautomaten in Riepe geht es voran.

Vor allem interessant für: alle, die die Tat damals schockierte und die schon lange auf Ersatz warten

Deshalb berichten wir: Ihlows Bürgermeister Arno Ulrichs (parteilos) kommentierte einen Beitrag auf Facebook mit neuen Infos

Die Autorin erreichen Sie unter: n.boening@zgo.de

Nachdem der Automat am früheren Standort nachweislich zweimal das Ziel von Übergriffen geworden war, wird der neue Standort weiter von der Autobahnzufahrt in Riepe entfernt liegen. Das Gelände des Baumarkts der Baustoffunion an der Friesenstraße 85 sei dafür ausgewählt worden. Es liegt 2,3 Kilometer weiter von der Autobahn entfernt in Richtung Ochtelbur. Nicht jedes Gebäude sei dafür geeignet, hatte es kurz nach der Tat geheißen. Auch das Umfeld müsse stimmen, denn die Furcht vor weiteren Sprengungen ist groß.

Der Ersatz lässt auf sich warten

Noch immer lässt der Ersatz allerdings auf sich warten. Der Automat sei zwar schon seit längerer Zeit bestellt, wann er geliefert wird, könne aber niemand sagen. „Bei der Lieferung von Geldautomaten gibt es momentan große Verzögerungen“, so Zschietzschmann. Sie vermutet Materialengpässe und die vielen Sprengungen von Geldautomaten als Ursache für die lange Wartezeit.

Schon vier Monate nach der Explosion war klar, dass es mit einem Ersatz für den Automaten in Riepe nicht so schnell gehen würde. Gesucht wurde vor allem ein sicherer Standort. „Wir wollen den Standort Riepe gerne behalten. Aber wir sind aufgeschreckt worden durch diese Sprengung“, hatte Sparkassen-Pressesprecherin Inka Lottmann damals verkündet. Es müsse genau abgewogen werden, ob der Standort für einen Geldautomaten geeignet sei. „Durch die Nähe zur Autobahn ist der Fluchtweg gut geebnet“, sagt sie damals.

Ein trauriger Rekord in Niedersachsen

Nach Angaben des Landeskriminalamts haben versuchte und erfolgreiche Geldraube durch Automaten-Sprengungen in Niedersachsen im vergangenen Jahr mit 68 Taten einen traurigen Rekord erreicht. 2021, das Jahr, in dem auch der Automat in Riepe zerstört wurde, waren es bereits 55 Sprengungen in ganz Niedersachsen. In Riepe hatten Unbekannte bereits im Juli 2021 versucht, den Geldautomaten aufzubrechen. Laut Polizei beschädigten sie allerdings nur das Display. Aus Auskünften des niedersächsischen Landeskriminalamts geht hervor, dass die Täter die Automaten zuerst aufbrechen, um dann Gas einleiten oder Sprengstoff anbringen zu können. In Verbindung mit dieser Tat hatte die Polizei im Mai 2022 eine heiße Spur zu zwei 43 beziehungsweise 19 Jahre alten niederländischen Staatsangehörigen aus dem Raum Enschede, die den Tätern schnelle Autos vermittelt haben sollen.

Der Automat konnte damals weiter betrieben werden, bis er in der Nacht zum 2. September endgültig zerstört wurde. Nach Angaben der Polizei schlugen die Täter gegen 2 Uhr nachts zu. Dort, wo das Bedienfeld des Automaten war, klaffte nach dem Anschlag nur noch ein Loch. Das Automatenhäuschen wurde durch die Sprengung zerstört. Die Unbekannten waren mit dem erbeuteten Bargeld in einem dunklen Fahrzeug in Richtung Autobahn geflüchtet. Wie viel Geld damals erbeutet wurde, verrät die Sparkasse nicht.

Der Automat hatte nur ein kurzes Leben

Anwohner hatten seinerzeit über den Notruf zwei Detonationen im Industriegebiet gemeldet. Es war das erste Mal, dass ein Automat der Sparkasse Aurich-Norden gesprengt wurde. Vorher waren eher der Landkreis Leer und das Emsland betroffen. Das SB-Terminal, zu dem auch ein Kontoauszugsdrucker gehörte, wurde durch die Wucht der Explosion vollständig zerstört. Trümmerteile schleuderten auf die Straße. Auch das Gebäude des Discounters nahm durch umherfliegende Teile erheblichen Schaden.

Der Automat der Sparkasse Aurich-Norden hatte an diesem Standort nur ein kurzes Leben, bevor ihn die Geldräuber entdeckten. Erst Anfang November 2018 war er auf das Netto-Gelände an der Friesenstraße 241 gezogen. Vorheriger Automatenstandort war die Friesenstraße 183. Weitere Automaten gibt es in Aurich-Haxtum, Ihlow und Emden.

Viele Verdächtige – wenige Spuren nach Riepe

Noch ist nicht bekannt, ob die Täter aus dem September 2021 unter den bereits festgenommenen Automaten-Sprengern sind. Erst im Januar waren mutmaßliche Täter nach einer 200 Kilometer langen Verfolgungsjagd in der Gemeinde Thuine (Landkreis Emsland) gefasst worden. Sie hatten einen Automaten am Eingang eines Campingplatzes in Wietzendorf (Landkreis Heidekreis) gesprengt.

Schon im Juni 2022 war ein internationales Ermittlerteam in mehreren Bundesländern und den Niederlanden gegen Geldautomaten-Sprenger vorgegangen. 13 mutmaßliche Täter seien über einen längeren Zeitraum bei insgesamt 28 Durchsuchungen festgenommen worden, teilte die Polizei damals mit.

17 Mitglieder einer Tätergruppierung aus den Niederlanden standen im dringenden Verdacht, in unterschiedlicher Zusammensetzung insgesamt zwölf Geldautomatensprengungen in Deutschland verübt zu haben – drei in NRW, sechs in Rheinland-Pfalz, eine in Hessen und zwei in Niedersachsen (Melle und Nordhorn). Laut Mitteilung der Ermittlungsbehörden in Osnabrück wird zwei der Verdächtigen die Sprengung in Melle zugerechnet. Ob der Automat in Riepe auf ihr Konto ging, ist noch nicht bekannt.

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