Stellplätze an der Küste  Digitales Parksystem an der Küste sorgt für Ärger

Susanne Ullrich
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Von Susanne Ullrich
| 06.02.2023 13:59 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Parken kostet, nicht nur in den Orten entlang der Küste. Die Systeme, mit denen Autofahrer bezahlen müssen, variieren stark. Symbolfoto: Pixabay
Parken kostet, nicht nur in den Orten entlang der Küste. Die Systeme, mit denen Autofahrer bezahlen müssen, variieren stark. Symbolfoto: Pixabay
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Das neue Parksystem in Neuharlingersiel scannt die Kennzeichen der Autos. Die Abrechnung soll so möglichst bargeldlos und zeitgenau erfolgen. Nico Schifferer ist das deutlich zu viel Digitalisierung.

Neuharlingersiel - Da habe er nicht schlecht gestaunt, als er vor einigen Tagen auf den Parkplatz am Fähranleger nach Spiekeroog in Neuharlingersiel kam, berichtet Nico Schifferer aus Bad Wörishofen in einem Gespräch mit der Redaktion. Da nämlich kam er erstmals mit dem neuen und digitalen Parksystem der Küstenorte im Kreis Wittmund in Berührung. Die haben sich zusammengetan, um für insgesamt 16 Parkflächen in den Wittmunder Touristenhochburgen eine gleichmäßige digitale Lösung zu schaffen. Neuharlingersiel hat als erster Küstenort umgestellt, Bensersiel und Carolinensiel folgen. Das laut Unternehmen Avantpark so innovative System funktioniert ohne Schranken und Papierausdruck für die Windschutzscheibe. Stattdessen wird beim Einfahren in den Parkraum ebenso wie beim Verlassen der Flächen das Nummernschild gescannt. Bezahlt wird vor Abreise durch die Eingabe des Kennzeichens am Parkautomaten.

Was und warum

Darum geht es: Das Parken in den Wittmunder Küstenorten wird digitaler. Das hat Vor- und Nachteile.

Vor allem interessant für: jeden, der ab und zu am Strand spazieren geht oder sich am Hafen ein Fischbrötchen schmecken lässt

Deshalb berichten wir: Als erster Ort im Trio stellt Neuharlingersiel derzeit um. Das wirft für einige Nutzer wie Nico Schifferer augenscheinlich Fragen auf.

Die Autorin erreichen Sie unter: s.ullrich@zgo.de

Schifferer sieht allerdings gleich mehrere Probleme: „Sie werden gefilmt beim Reinfahren, Sie werden gefilmt beim Rausfahren.“ Ihm ist das ein Dorn im Auge. „Das ist bundesweit durchaus umstritten“, moniert er. Das sei datenschutzrechtlich alles in Ordnung, versichert Kurdirektor Andreas Eden auf Nachfrage. „Sonst hätten wir das nicht gemacht.“ Auch das Bezahlen findet Schifferer schwierig: ohne Karte kein Parken. Am Fährhafen ist es in der Tat so: Der neue Automat nimmt kein Bargeld an. Wer Kleingeld loswerden will, muss erst zur Tourist-Info laufen. Bezahlt wird jetzt am Hafen ausschließlich mit EC-Karte, Kreditkarte oder per App. „Was macht die Gemeinde mit diesen Tausenden von Menschen, die ihre Karte nicht dabei haben?“, will Schifferer darum wissen. Er sei einfach wieder gefahren. Anschließend machte er seinem Ärger in einem Brief an den Neuharlingersieler Bürgermeister Jürgen Peters (Neue Liste) Luft: „Was denken Sie, wie viele, gerade ältere Menschen, gar keine Karten besitzen oder so ein komplexes Gerät gar nicht bedienen können? Was denken Sie, wie viele Menschen wegen Überziehung nicht mit Karte zahlen können?“ Schifferer ist sauer: Er sagt, er habe einen geplanten Aufenthalt im Ort bereits storniert und werde künftig einen Bogen um Neuharlingersiel machen.

Beschwerde kommt nicht unerwartet

Peters zeigt sich wenig beeindruckt von Schifferers Schreiben: „Grundsätzlich finden wir das System gerecht; gebührengerecht und auch flexibel“, unterstreicht er. Der Gast zahle nur für die Dauer, die er auch wirklich vor Ort bleibt: Wird der Strandspaziergang länger als geplant, müsse niemand zurück zum Automaten gehen und eine Münze nachwerfen. Wer früher als gedacht wieder abreist, hat nicht zu viel Geld gezahlt. Darüber hinaus, unterstreicht er, würden nun alle zur Kasse gebeten: Längst nicht jeder Besucher habe immer ein Ticket gezogen und es darauf ankommen lassen, kontrolliert zu werden. Das wissen auch Andreas Eden und Erwin Jacobs vom Kurverein Neuharlingersiel. Beide gehen davon aus, dass gerade die jetzt über das neue Parksystem klagen, die sich bisher gern mal den Parkschein gespart haben.

Wer künftig wie Nadine Weber von der Nordseebad Spiekeroog GmbH am Neuharlingersieler Fährhafen parken will, dessen Kennzeichen wird erfasst. Kurdirektor Andreas Eden (links) setzt auf ein digitales Parksystem. Foto: Archiv/Ullrich
Wer künftig wie Nadine Weber von der Nordseebad Spiekeroog GmbH am Neuharlingersieler Fährhafen parken will, dessen Kennzeichen wird erfasst. Kurdirektor Andreas Eden (links) setzt auf ein digitales Parksystem. Foto: Archiv/Ullrich

Seit Ende vergangenen Jahres wurden die Parkplätze im Ort schrittweise digitalisiert. Erhöht wurden die Parktarife nicht, versichert Eden. Der Geschäftsführer des Kurvereins sagt, er habe durchaus damit gerechnet, dass die Umstellung nicht jedem Gast gefalle. Kritik komme vereinzelt, dann aber heftig, ergänzt sein Stellvertreter Jacobs. Ihm werde aber auch widergespiegelt, dass 95 bis 97 Prozent der Parkenden es einfacher finden. Hinweisschilder gibt es schon, aber noch stehen längst nicht alle, sagt Peters. Erklärtes Ziel aller Beteiligten in Neuharlingersiel ist, dass möglichst viele Besucher künftig bargeldlos zahlen. Aus einem simplen Grund: Der Umgang mit Kleingeld ist kosten- und personalintensiv. Die Automaten müssten beispielsweise regelmäßig kontrolliert und nachgefüllt werden. Das bindet laut Eden Personal, das an anderen Stellen dringender benötigt wird.

Orte setzen auf Bezahlmix

Längst nicht jeder kann oder will beim Parken auf Kleingeld verzichten: Mit einem letzten Bezahl-Automaten an der Tourist-Info wirft der Kurverein sozusagen denjenigen einen Rettungsring hin, die diesen unbedingt mit Münzen füttern wollen. Eine von Schifferer angemahnte Störanfälligkeit der digitalen Technik sei in Neuharlingersiel nicht bekannt. Dennoch weiß Jacobs: „Es gibt bei jedem System Punkte, die komplizierter sind.“ Dessen sei man sich bewusst.

Nicht zuletzt deswegen schauen die direkten Nachbarn entlang der Küste gerade mit Interesse nach Neuharlingersiel. Westlich und östlich soll das digitale Parken im Frühjahr kommen, heißt es auf Nachfrage aus Carolinensiel und Bensersiel. Das Bargeld hat aber auch dort vorerst nicht gänzlich ausgedient. Aus gutem Grund: „Manche beschweren sich, wenn sie nicht bar zahlen können“, weiß der Dornumer Tourismuschef Rolf Kopper. In der Gemeinde setzt man schon seit Jahren auf einen Bezahlmix aus bar, Karte und App, damit alle zufrieden sind. Fakt sei aber auch: Die Akzeptanz für bargeldloses Zahlen nimmt zu, schon bei kleinen Beträgen.

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