Energiewende  Emden soll riesigen Photovoltaik-Park bekommen

Mona Hanssen
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Von Mona Hanssen
| 02.02.2023 20:59 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Eugen Firus (von links), Claas Mauritz Brons, Tim Kruithoff und Jens Rötteken stellten die Pläne zum Photovoltaik-Park im Wybelsumer Polder vor. Foto: Hanssen
Eugen Firus (von links), Claas Mauritz Brons, Tim Kruithoff und Jens Rötteken stellten die Pläne zum Photovoltaik-Park im Wybelsumer Polder vor. Foto: Hanssen
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Die geplante Photovoltaik-Anlage im Wybelsumer Polder soll die grüne Wasserstoff-Infrastruktur in der Region versorgen. Die ersten Wasserstoff-Busse sollen zwischen Emden und Aurich pendeln.

Emden - Die Stadt Emden will bei der Energiewende ganz vorne mit dabei sein. Das betonte Oberbürgermeister Tim Kruithoff (parteilos) an diesem Donnerstag erneut, als eine geplante Photovoltaik-Freiflächenanlage vorgestellt wurde. Der PV-Park soll der niedersachsenweit größte zusammenhängende seiner Art werden und im westlichen Wybelsumer Polder entstehen. Die Emder Politik stimmte dem Vorhaben am Donnerstagabend bereits im Ratsausschuss für Stadtentwicklung, Umwelt und Klimaschutz geschlossen zu.

Auf rund 90 Hektar am Wybelsumer Polder sollen die PV-Anlagen aufgestellt werden. Grafik: Energiepark Emden
Auf rund 90 Hektar am Wybelsumer Polder sollen die PV-Anlagen aufgestellt werden. Grafik: Energiepark Emden

Im Wybelsumer Polder war in den 1990er-Jahren bereits ein Windpark entstanden, der in der Zeit als einer der leistungsstärksten Parks Europas galt. Die Windkraft-Anlagen stehen dort auch heute noch. Auf den rund 90 Hektar Land zu ihren Füßen, das vom landeseigenen Hafenbetreiber N-Ports zur Verfügung gestellt wird, sollen dann die rund 170.000 PV-Module aufgebaut werden, erklärte Jens Rötteken von der Betreibergesellschaft Energiepark Emden. Der durch diese Anlagen erzeugte Strom könnte rein rechnerisch 27.300 Haushalte, also praktisch alle in Emden, versorgen.

PV-Park könnte 2025 in Betrieb gehen

Nach dem politischen Startschuss kann es nun ins Bebauungsplan-Verfahren gehen. Er rechne mit etwa eineinhalb Jahren bis zur Baugenehmigung und auch der Erstellung aller nötigen Gutachten, so Rötteken. Wenn die Module dann zeitnah geliefert und installiert werden können, könnte 2025 der PV-Park in Betrieb genommen werden. Stand jetzt soll er die Gesellschaft rund 67 Millionen Euro kosten.

Einer möglichen Erweiterung des Windkraftparks oder einem Repowering, also dem Ersetzen alter Kraftwerksteile durch neue, stehen die PV-Anlagen aber nicht im Weg, sagte Eugen Firus von der Gesellschaft. Laut Rainer Kinzel, Leiter des Fachbereichs Stadtentwicklung, Umwelt und Klimaschutz bei der Stadt, sei ein Repowering schon seit längerem geplant. Bislang seien die Erträge des Windparks aber auch mit den älteren Anlagen „super“.

Nächstes Jahr soll der Wasserstoff fließen

Durch den Strom aus der Photovoltaik-Fläche zumindest will die Energiepark-Gesellschaft eine Wasserstoff-Produktions-Anlage betreiben. Der PV-Park ist nämlich Teil des Gesamtkonzepts für die grüne Wasserstoff-Versorgungs-Infrastruktur in Emden und umzu, die parallel geschaffen wird. 2020 war dafür die Energiepark Emden GmbH von den Unternehmen GP Joule aus Schleswig-Holstein, Terravent aus Leer und der Brons Gruppe aus Emden gegründet worden. Das Konglomerat schuf gemeinsam die Gesellschaft H2Nord, zu der unter anderem auch die Emder Tankstellen und Mineralölhandels GmbH Score gehört.

Auf der Fläche, auf der PV-Module aufgestellt werden sollen, befinden sich bereits Windkraftanlagen. Grafik: Energiepark Emden
Auf der Fläche, auf der PV-Module aufgestellt werden sollen, befinden sich bereits Windkraftanlagen. Grafik: Energiepark Emden

Es soll eine Elektrolyse-Anlage entstehen, die Wasserstoff für mehrere Tankstellen in Ostfriesland erzeugt. Aktuell war für den geplanten etwa 19,5 Millionen Euro teuren Elektrolyseur vom Land Niedersachsen eine Förderung in Höhe von acht Millionen Euro zugesagt worden. Die Anlage könnte auf dem Gelände des Emder Biomasse-Kraftwerks im Hafen errichtet werden.

Wasserstoff-Busse pendeln nach Aurich

Die erste Wasserstoff-Tankstelle soll es in Emden an der Frisiastraße beim VW-Werk geben. Später auch in Aurich und Georgsheil – und ganz langfristig auch an der Knock für Schiffe. „Mitte nächsten Jahres könnte der erste grüne Wasserstoff von H2Nord in Emden verfügbar sein“, sagte Jens Rötteken. Weil der für die Wasserstoff-Erzeugung nötige grüne Strom dann noch nicht durch die PV-Anlagen eingeholt werden kann, will Terravent einen Windpark in Brandenburg in Betrieb nehmen, der die Zeit bis dahin überbrücken soll. Je nachdem, wie groß der Bedarf nach Wasserstoff ist, könnte sukzessive die Infrastruktur in Emden und umzu weiter ausgebaut werden, so Firus.

Laut Tim Kruithoff werde es in Zukunft wohl einen Mix an Kraftstoffen geben, mit denen Fahrzeuge betrieben werden. Für den Öffentlichen Personen-Nahverkehr (ÖPNV) etwa wäre Wasserstoff sinnvoller als ein Elektro-Antrieb, meinte Rainer Kinzel. Die Emder Spedition Weets, Hinrich Folkerts Landhandel aus der Krummhörn und die Emder Reederei AG Ems sind mittlerweile an der H2Nord beteiligt und wollen langfristig Wasserstoff beziehen, hieß es im November 2021. Der Landhandel will bis Ende 2023 die erste seiner drei Sattelzugmaschinen auf den emissionsfreien Wasserstoff-Antrieb umrüsten lassen und die Spedition Weets nach und nach ihre rund 70 Diesel-Lkw.

Vom Land Niedersachsen hatte H2Nord außer der Förderung für den Elektrolyseur auch Geld für zwei Wasserstoff-Busse bekommen, die ab dem kommenden Jahr zwischen Emden und Aurich pendeln sollen, so Eugen Firus. Fünf Busse von Weser-Ems-Bus kommen hinzu. Diese werden dann zunächst in Emden tanken. Der Landkreis Aurich ist Gesellschafter bei H2Nord. Im vergangenen Sommer war ein Wasserstoff-Bus in Aurich „zu Besuch“. Weser-Ems-Bus hatte diesen getestet. Der Bus hat eine Reichweite von rund 400 Kilometern.

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