10.000 Menschen und kein Lokal Warsingsfehn ist derzeit eine gastronomische Wüste
Das einzige verbliebene Restaurant in Warsingsfehn ist zurzeit geschlossen. Warum will dort niemand ein neues Lokal eröffnen?
Warsingsfehn - Im Ristorante und Eis-Café Dolomiti in Warsingsfehn sind die Fenster zugeklebt, die Tür ist zu. Ein Aushang verrät, dass die Pizzeria vorübergehend geschlossen ist. Warsingsfehntjer und Veenhuser, die in diesen Tagen essen gehen möchten, müssen dazu mindestens nach Neermoor, nach Timmel, Rorichum, Jheringsfehn oder gleich nach Leer fahren. Denn andere Speiselokale gibt es nicht mehr.
Was und warum
Darum geht es: Im Zentrum der Gemeinde Moormerland gibt es kaum noch Restaurants. Dabei leben dort mehr als 10.000 Menschen.
Vor allem interessant für: Moormerländer und Leute, die dort unterwegs sind und Hunger haben
Deshalb berichten wir: Mit Jahresbeginn hat das Restaurant Dolomiti geschlossen, wenn auch nur vorübergehend. Die Autorin erreichen Sie unter: k.lueppen@zgo.de
Dabei leben im Zentrum der Gemeinde Moormerland um die 10.000 Menschen. Die Häuser und Gärten verraten, dass es den Fehntjern gut genug geht, um sich einen Restaurantbesuch leisten zu können. Immer wieder hört man Klagen, dass in Warsingsfehn nichts los ist. Wenn also Kundschaft da ist, wieso klappt es mit der Gastronomie nicht? In der Nachbargemeinde Großefehn gibt es bei ähnlichen Bedingungen wesentlich mehr Lokale.
Dolomiti ist nicht für immer dicht
In Moormerland gibt es erfolgreiche Restaurants, den Landgasthof Oltmanns und Zu den Linden in Neermoor, Bei Cassi in Rorichum und die Alte Scheune in Jheringsfehn. Doch andere Lokale haben vor einiger Zeit geschlossen, wie das Steakhaus Jadran im Fehntjer Zentrum oder die Gaststätte Mittelpunkt. Ein griechisches Lokal ist nach Timmel umgezogen. Kneipen gibt es ebenfalls keine mehr.
Das gastronomische Angebot in Warsingsfehn besteht aktuell aus Imbissstuben – dort gibt es Burger, Pommes, Currywurst, Döner oder Pizza. Wenigstens ist Dolomiti nicht für immer dicht. Auf der Internetseite steht zu lesen, dass Personalmangel zur Schließung geführt habe, dass man jedoch die Pause zur Renovierung nutzen und „pünktlich zur Eissaison“ wieder öffnen wolle.
Am Umfeld liegt es nach Meinung von Erich Wagner, Vorsitzender des Deutschen Hotel- und Gaststätten-Verbands (Dehoga) und Inhaber des Hotel zur Post in Wiesmoor, nicht. „Da muss sich nur jemand trauen“, glaubt er. Ein engagierter Gastronom hätte in Warsingsfehn mit „einem frischen Angebot“ beste Chancen, sagt Wagner und hat dabei das klassische Speiselokal im Blick. „Junge Leute gehen wieder gerne zum Essen in deutsche Gastronomie“, sagt Wagner – aber modern müsse es sein.
„Das könnte eine Goldgrube sein“
Frisch zubereitete Speisen, bei gleichbleibend guter Qualität seien die Voraussetzung. Es sollten ruhig vegetarische oder vegane Gerichte dabei sein, meint Wagner. Wer eine „tolle Strategie entwickelt und mit einem guten Team zusammenarbeitet“, habe beste Chancen: „Dann könnte das in Moormerland eine Goldgrube sein.“
Der Dehoga sei bereits engagiert dabei, zum Beispiel junge Gastwirte für die Übernahme von ländlichen Gasthöfen zu gewinnen, zum Teil mit Erfolg. Gäste nähmen für ein schönes Abendessen auch weitere Anfahrten in Kauf. Moormerland habe den Vorteil, dass die Niederlande nicht weit sind. „Wir haben regelmäßig Holländer bei uns zu Gast“, sagt der Wiesmoorer, der Weg störe sie nicht. Moormerland sei jedoch groß genug, um eigenes Potential zu haben.
Personal sei in der Gastronomie wieder leichter zu finden. „Viele, die sich in der Corona-Pandemie eine andere Stelle gesucht haben, kommen wieder zurück“, sagt Wagner. Diese Mitarbeiter wüssten, wie vielseitig der Beruf sei und hätten Spaß bei der Arbeit. Als Arbeitgeber müsse man heute jedoch flexibel sein, zum Beispiel bei den Arbeitszeiten. Ein Hindernis für einen Gastwirt sei hingegen die Bürokratie.
Gemeinde bietet Hilfe bei Lokalgründung an
Immer mehr Vorschriften führten dazu, dass man immer mehr Zeit mit der Dokumentation der Arbeit zubringe. „Eigentlich will man sich lieber dem Gast widmen“, sagt Wagner. Viele junge Menschen scheuten zudem das Risiko eines eigenen Lokals. Da wäre es gut, wenn es Unterstützung seitens der Gemeinde gebe.
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Moormerland bekommt neue Gastronomie im Zentrum
„Die wollen wir gerne geben“, versichert Hendrik Schulz (SPD), Bürgermeister in Moormerland. Weil das Zentrum so wenig biete, führe er bereits Gespräche mit Interessenten. „Das läuft positiv“, sagt er, doch konkret ist offenbar noch nichts. Die Gemeinde habe eigene Grundstücke, die für eine Existenzgründung geeignet seien. Über ein Entgegenkommen bei Abgaben und Gebühren als Starthilfe wäre sicherlich zu reden. Gastwirte seien willkommen: „Es muss nur jemand bereit sein, zu investieren“, sagt Schulz.