Osnabrück Judith Rakers: „Ich hatte keinen grünen Daumen und bin jetzt Selbstversorgerin“
Tagesschau-Moderatorin Judith Rakers lebt nach eigener Aussage „am Arsch der Welt“. Wir haben mit ihr darüber gesprochen, wie sie sich selbst aus ihrem großen Garten versorgt und warum sie glaubt, dass Selbstversorgung gerade für Berufstätige eine gute Idee ist.
Hören Sie im Podcast Querbeet das gesamte Gespräch, das Redakteurin Julia Kuhlmann und ihr Kollege Bastian Rabeneck mit Judith Rakers geführt haben: So wurde TV-Moderatorin Judith Rakers Selbstversorgerin mit großem Garten
Frage: Frau Rakers, Sie sind Selbstversorgerin. Wie lange machen Sie das schon?
Antwort: Seit fünf Jahren. Vor sechs Jahren ist der Basilikum noch in dem Moment eingegangen, als er in meinem Einkaufswagen stand, und keine Zimmerpflanze hat überlebt. Ich dachte, ich hätte keinen grünen Daumen. Aber ich habe mich getäuscht. (lacht)
Frage: Wie kam dieser Wandel denn?
Antwort: Der Wandel war ein Prozess. Ich bin sehr ländlich im ostwestfälischen Bad Lippspringe aufgewachsen. Wir hatten ein kleines Häuschen mit einem Garten und dort bin ich bei meinem alleinerziehenden Vater aufgewachsen. Ich fand es früher schön, in der Natur zu sein, aber als ich älter wurde, wollte ich nur noch eins - und das war WEG. Ich wollte in die große Stadt und fand das alles wahnsinnig piefig. Ich bin dann nach Münster gezogen und habe dort studiert. Danach ging es nach Hamburg, wo ich 20 Jahre lang sehr glücklich mitten in der Stadt gelebt habe. Mit Cafés, Theater und Kino um die Ecke, Nachtleben und Freunden, die in der Nähe wohnten. Aber dieses Leben in der Innenstadt, was sich wirklich zwei Jahrzehnte ganz richtig angefühlt hat, hat mir zunehmend ein Fragezeichen in den Kopf gesetzt. Als ich auf die 40 zuging, merkte ich, dass mir dieses Leben in der Stadt nicht mehr entspricht, und dass ich immer, wenn ich im Urlaub abends auf einem rostigen Gartenstuhl am Lagerfeuer saß, dachte, jetzt bin ich richtig glücklich. Warum habe ich das nicht in meinem Alltag?
Frage: Und wie kam der Garten dann in Ihren Alltag?
Antwort: Langsam (lacht). Ich habe jahrelang nach einem kleinen Häuschen gesucht, weil das in Hamburg teuer und nicht so einfach ist. Also wusste ich, ich muss raus aus der Stadt, an den Stadtrand, in die Umgebung. Dort habe ich dann ein Häuschen mit einem riesigen Garten gefunden, bin eingezogen und habe schon im ersten Jahr angefangen, ohne jegliche Vorerfahrung Gemüse anzubauen. Ich habe dafür viele Bücher gelesen und mir YouTube-Videos angeschaut und Tutorials und bin dann von jemandem, der wirklich überzeugt war: „Ich habe keinen grünen Daumen“, innerhalb kürzester Zeit zu einer Selbstversorgerin geworden.
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Frage: Und jetzt haben Sie bereits Ihr zweites Gartenbuch mit dem Titel “Homefarming - Das Kochbuch: Mit der eigenen Ernte durchs ganze Jahr” geschrieben. Im Vorwort heißt es, Sie seien früher Anhängerin der Dosen- und Tiefkühlkosternährung gewesen.
Antwort: So ist es. Ich habe festgestellt, dass sich manche Dinge in einer bestimmten Phase des Lebens richtig anfühlen. So war es auch mit den Dosenravioli (lacht). Aber dann verändert man sich und ich glaube, es ist gut, wenn man dann auch versucht, die Umstände anzupassen, damit man bei sich bleiben kann. Meine innere Stimme, die mir sagte, dass ich das falsche Leben lebe, wurde irgendwann so laut, dass ich diesen Schritt gewagt habe: Raus aus der Stadtwohnung und rein ins einsam gelegene Haus mit großem Garten. Ich war gerade frisch geschieden – das als Frau alleine durchzuziehen hat schon auch Mut erfordert.
Frage: Erleben Sie, dass man Sie mit Skepsis fragt, ob Sie das als Frau denn alleine schaffen?
Antwort: Ja, total. Die allererste Frage, die mir damals von meinen Freunden gestellt wurde, war: „Hast du keine Angst?“
Frage: Und, haben Sie Angst?
Antwort: Weil ich am Arsch der Welt wohne? (lacht) Nein, habe ich nicht. Aber das ist vielleicht auch eine Typ-Sache. Ich bin so aufgewachsen. Mein Vater war Physiotherapeut und kam abends oft erst um 21 Uhr nach Hause. Ich war viel allein und bin insgesamt sehr angstfrei von meinem ziemlich pragmatischen Hands-on-Vater erzogen worden. Dafür bin ich sehr dankbar. Ich kann auch heute noch sehr gut allein sein. Wobei ich nie einsam bin, denn ich habe Familie und Freunde, die mich sehr gern besuchen. Aber gestartet und gestemmt habe ich das ganze Projekt erst mal allein. Ich habe hier wirklich selber mit dem Spaten die Grasnarbe umgestochen und habe mir hier Beete angelegt, Schneckenzaun bestellt und den gesetzt. Ich habe am Hühnerstall die Dachpappe genagelt, ich kann vertäfeln, ich kann mit Stich-, Kreis- und Gehrungssäge umgehen.
Frage: Im Vorwort zum Buch heißt es, Ihr Vater lache sich kaputt, weil Sie kochen und sogar ein Kochbuch geschrieben haben.
Antwort: Der liegt seit drei Wochen lachend auf dem Rücken.
Frage: Angst vor Arbeit haben Sie dann wohl auch nicht?
Antwort: Nein. Bei mir gibt es nur zwei Zustände: An oder Aus. Ich bin entweder AN und dann mache ich und bin produktiv und mache gern auch mal drei Sachen gleichzeitig, oder ich bin AUS und dann liege ich alle Viere von mir gestreckt auf dem Sofa und dann geht nichts mehr.
Frage: Wie verändert sich die Wertschätzung für Gemüse, das man mit den eigenen Händen aus der Erde holt?
Antwort: Das ist eins der ersten Learnings gewesen: Wie sehr man sich über die eigenen Pflanzerfolge freut und damit auch über das Gemüse, das im Beet wächst. Ich erinnere mich zum Beispiel noch genau daran, wie ich die ersten Tomatensamen in die Anzuchtschale gelegt habe und dann jeden Morgen als erstes dorthin gelaufen bin – noch vor dem Kaffee – um zu schauen, ob schon was gesprießt ist. Und dieses Gefühl, als dann wirklich Keime zu sehen waren: Ich war sooo stolz. Verrückt, wie glücklich die kleinen Dinge des Lebens machen können.
Frage: Wenn man Sie so schwärmen hört, bekommt man den Eindruck, dass es Ihnen nicht nur um Ernährung geht, sondern um eine Lebensform.
Antwort: Ja, das ist so. Ich finde es toll, dass ich autark bin und in gewisser Weise auch unabhängig lebe auf der kleinen Farm. Das ist schon sehr nachhaltig hier. Wobei es mir darum gar nicht ging als ich anfing. Ich wollte mehr Verbindung zur Natur haben. Es hat mir einfach großen Spaß gemacht, in der Erde zu wühlen und dann Samen reinzulegen und zu gucken, ob da jetzt tatsächlich etwas wächst. Erst danach kam die Erkenntnis, dass selbst Angebautes auch alles viel leckerer ist und vielfältiger sein kann, denn wenn du eine Tomate direkt vom Strauch isst, schmeckt sie einfach viel aromatischer. Mal ganz abgesehen davon, dass man sich natürlich auch seltene Sorten in den Garten holen kann, die es im Handel nicht gibt. Auch Salat oder Möhren verlieren Geschmack, sobald sie aus der Erde raus sind. Wenn du das alles direkt und ganz frisch verarbeitest und zubereitest, dann schmeckt es einfach besser.
Frage: Meine ersten Möhren haben nicht mal den Weg ins Haus gefunden. Ich erinnere mich noch gut an den Sand zwischen den Zähnen.
Antwort: Ja, der Sand. (lacht). Ich glaube, dass Sand schön macht. (lacht)
Frage: Sie haben einen herausfordernden Beruf. Ein großer Garten mit Selbstversorgung ist sehr zeitintensiv. Wie schaffen Sie das?
Antwort: Das ist die zweithäufigste Frage nach “Hast du keine Angst?”. Es ist interessanterweise so, dass ich sogar finde: gerade wenn man berufstätig ist, ist ein Selbstversorgergarten total sinnvoll. Denn dann hat man den eigenen Bioladen 24/7 geöffnet immer direkt vor der Tür. Ich stand früher ganz oft vor dem Problem, dass der Kühlschrank leer war, wenn ich von langen Drehreisen nach Hause kam oder spät abends von der Nachrichtenschicht zurückkehrte. Weil ich vorher nicht einkaufen war, weil ich die Zeit nicht hatte oder weil das dann schon wieder schrumpelig geworden war in der Null-Grad-Zone meines Kühlschranks. Jetzt ist es so, egal von wo ich komme, von welcher Geschäftsreise oder welchem Studiodienst auch immer – ich gehe in den Garten und kann mir einfach etwas pflücken und ernten und das dann frisch und lecker zubereiten. Deswegen finde ich es gerade für Berufstätige eine gute Idee, wenn man sich selbst etwas anbaut.
Frage: Aber viel Arbeit ist es dennoch, oder?
Antwort: Das muss ja kein riesiger Selbstversorgergarten wie bei mir sein. Es ist ja schon toll, wenn man sich ein Hochbeet auf den kleinen Balkon stellt und sich etwas Pflücksalat pflanzt. Den kann man über Monate ernten. Denn bei Pflücksalatsorten muss man keinen bestimmten Erntezeitpunkt abpassen, weil er schießen könnte. Die größten Blätter erntest du einfach, wenn du Lust darauf hast und dann wächst er immer wieder nach. Das kann jeder umsetzen. Sogar in der Wohnung kannst du vor dem hellen Fenster Salat wachsen lassen.
Frage: Im Garten wächst einem doch manchmal alles übern Kopf. Die Kollegen winken beim Angebot von Zucchini auch langsam ab, weil sie genug haben. Wie gehen Sie damit um?
Antwort: Anfangs hat mich das gestresst. Jetzt nehme ich, wenn ganz viel gleichzeitig reif wird, Gemüse und Obst für den Winter in den Vorrat. Mein Buch ist genau dafür eine Anleitung. Denn ich erinnere auch immer wieder an die Vorratshaltung: Jetzt habt ihr ganz viele Himbeeren, die könnt ihr nicht alle essen, deshalb friert sie einfach portionsweise ein, dann habt ihr im Januar und Februar mit einem leckeren Kefir oder einem Sojajoghurt zusammen einen leckeren Smoothie oder Creamy zum Frühstück. Oder ihr macht Himbeeressig aus euren Himbeeren oder Likör aus den Brombeeren. Auch so habt ihr das ganze Jahr etwas von der eigenen Ernte.
Frage: Wie groß ist Ihre Anbau-Fläche aktuell?
Antwort: Es ist schon eine große Fläche. Aber ich bin jetzt auch wirklich ein Nerd geworden. Ich habe mit einem kleinen Beet angefangen. Dann kam ein kleines Hochbeet dazu, dann kam ein zweites Beet am Boden dazu, dann kam ein Folien-Anlehngewächshaus für 19 Euro dazu - für Tomaten. Jetzt habe ich einen Kartoffelacker und mehrere bodennahe Beete. Ich habe Hochbeete. Ich habe ein großes Gewächshaus, und ich erweitere gerade erneut. Das ist übrigens die einzige Gefahr, die vom Homefarming ausgeht: dass man immer mehr ausprobieren und anpflanzen möchte. Aber für den Anfang reicht auch ein kleiner Blumentopf, in dem man ganzjährig Kresse anbaut oder Kräuter. Petersilie, die man aussät, hält meiner Erfahrung nach auch länger. Selbst Basilikum hält länger, wenn man das selbst aussät und wachsen lässt. Das wuchert dann geradezu. Man kann es also im ganz Kleinen ausprobieren mit dem Gemüseanbau oder irgendwann wie ich sagen: “Ich benutze meinen halben Garten zum Selbstversorgen”.
Frage: Ihr Gartenbuch bringt das Aussäen und Pflanzen mit dem Ernten und der Zubereitung zusammen. Wie viel eigene Erfahrung steckt in diesem Ansatz?
Antwort: Meine ganze Erfahrung, die ich bisher auf dem Weg von der Anfängerin zur Selbstversorgerin sammeln konnte. Und genau das hat mich auch dazu gebracht, Kochen und Anbau mal konsequent zusammenzubringen. Denn viele, die ihr Gemüse und das Obst selbst anbauen stehen ja vor dem gleichen Problem wie ich: wie bereite ich die Zutaten aus den Beeten jetzt lecker und abwechslungsreich zu? In vielen Kochbüchern werden z.B. Gemüsesorten kombiniert, die gar nicht zur gleichen Zeit reif sind im Garten. Oft werden auch exotische Gemüse oder Obstsorten kombiniert, die ich in meinem Buch aus Rücksicht auf unser Klima weggelassen habe. Man braucht keine beheizten und künstlich beleuchteten Gewächshäuser und auch keine langen Transportwege, um leckere und vielfältige Gerichte frisch und einfach zuzubereiten.
Frage: Wir steuern jetzt schon auf den Frühling zu. Was kann man denn in dieser Jahreszeit im Garten angehen?
Antwort: Jetzt im Februar ist die richtige Zeit, um den Grundstein zu legen für ein reichhaltiges Gartenjahr. Man kann sich in Ruhe Gedanken darüber machen, welche besonderen und seltenen Sorten man sich in den Garten holen möchte, um vielleicht auch mal eine dunkelblaue oder fast schwarze Tomate auszuprobieren oder eine, die aussieht wie eine Birne oder eine, die zitronig oder nussig schmeckt. Wir können jetzt auch schon einiges im Freiland aussäen und ab Ende Februar auch immer mehr in die Vorzucht nehmen: Anfang März ziehe ich z. B. immer meine Tomatenpflanzen aus Samen vor. Paprika darf in die Erde, Aubergine und Ende März/Anfang April auch die Gurke. Und genau daran erinnere ich im Buch zur richtigen Zeit, da ich mit den Leserinnen und Lesern quasi gemeinsam durchs ganze Jahr gehe – Monat für Monat. Mit Anbautipps und Rezepten für die Ernte.
Frage: Sie teilen Ihren Garten mit einigen Tieren. Stichwort: Viel Flausch, viel Liebe. Die Hühner sind auch gute Resteverwerter, habe ich gelesen. Wie sagen Sie denen denn, was ihnen in den Schnabel kommen darf im Garten und was nicht?
Antwort: Die Federfreunde haben bei mir einen eigenen abgetrennten Bereich – ein großes Freilaufgehege. Das würde ich auch immer empfehlen, weil sie den Rasen einfach zur Wüste machen, wenn sie da herumbuddeln und kratzen. Nach ein paar Jahren hast du zwangsläufig eine Sandfläche, wo früher mal Gras war. Es ist auch gut ihnen einen eigenen Bereich zu geben, um sie mit einem kleinen Elektrozaun vor Marder und Fuchs zu schützen. Ich wohne z.B. direkt am Naturschutzgebiet. Und der Fuchs war schon einige Male auf dem Grundstück. Zu den Hühnern konnte er noch nicht vordringen. Dafür hatte ich leider schon einige Habichtangriffe. Dieser riesige Vogel schafft es, sich durch kleinste Maschen zu quetschen, wenn er Beute sieht. Und dann weidet er die Hühner an Ort und Stelle einfach aus und lässt die Reste liegen. Das ist schrecklich, aber eben auch Natur. Mittlerweile habe ich das gesamte Freilaufgehege so gesichert, dass selbst der schlaueste Habicht nicht mehr reinkommt. Die Hühner haben neben dem Freilaufgehege auch noch ein umgebautes Gartenhäuschen als Stall und eine Voliere mit Dach, in der sie sich aufhalten müssen, wenn wieder Geflügelpestalarm ist. Im gesamten Gehege stehen viele Tannen und Büsche, unter denen die Hühner sich verstecken und in Ruhe sandbaden können. Solche kleinen Ruheorte und Verstecke sind für Hühner ganz wichtig.
Frage: Aber sonst ist Hühnerhaltung einfach?
Antwort: Ja, denn grundsätzlich reicht ein kleiner Stall und ein Auslauf von 20 Quadratmetern, um sich eine kleine Gruppe von vier glücklichen Hennen zu halten. Die kann man sich auch ohne Hahn in den Garten holen, dann hat man keinen Stress mit den Nachbarn, weil ein Hahn natürlich laut ist, wenn er kräht. Eine Familie kann sich mit vier Hennen eiertechnisch auch schon selbst versorgen. Ich gebe meinen Hühnern alle meine Abfälle und alles, was übrig ist im Garten. Die Biotonne ist immer leer.
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Frage: 100 Rezepte mit Zutaten aus eigenem Anbau haben es ins Buch geschafft. Hand aufs Herz: Sind die alle alltagstauglich oder gibt es da auch welche, bei denen man erst mal drei Stunden in der Küche steht, bis es so schön aussieht?
Antwort: Die acht bis zehn Rezepte pro Monat, die von mir kommen, sind alle einfach und schnell zuzubereiten mit wenigen Zutaten, weil ich in den vergangenen fünf Jahren noch keine virtuose Köchin geworden bin: Smoothies, Frühstücksideen, Suppen, Gemüsebeilagen, Aufläufe, Pastagerichte und Desserts. Es gibt auch Rezepte für selbst gemachten Essig oder Brombeerlikör, Ideen zum Einmachen und Marmeladenrezepte. Am Ende einer jeden Jahreszeit treffe ich dann echte Profis und die liefern dann virtuose Menüs: darunter 2-Sterne-Koch Alexander Herrmann, 1-Sterne-Koch Ralf Haug und eine Kräuterfachwirtin, die zeigt, dass man Blüten und Kräuter vom Wegesrand ebenfalls mit auf den Speiseplan setzen kann.
Frage: Und wie?
Antwort: Ich habe zum Beispiel gelernt, dass man Gladiolen essen kann und Dahlien. Das wusste ich bis zu diesem Interview nicht. Brennnesssel-Samen sind wahres Superfood und vielen Wild-Kräutern werden heilsame Wirkungen zugeschrieben. Die Profis im Buch erweitern das Thema also um weitere Aspekte, die unseren Speiseplan noch vielfältiger machen.
Frage: Haben Sie eine besondere Rezept-Empfehlung? Etwas, was Sie selbst oft zubereiten?
Antwort: Ich habe die Pastinaken für mich entdeckt. Man kann daraus zum Beispiel eine sehr leckere Suppe machen. Ich liebe Suppen. Oder man schneidet die Pastinake einfach in dünne Scheiben und brät sie in der Pfanne an – fertig ist er gesunde Snack, den ich gerne esse, wenn ich abends vor dem Fernseher sitze. Rote Beete-Chips kann man auch ganz toll abends auf dem Sofa essen. Oder Fenchel-Carpaccio. Den Knollenfenchel dafür dünn hobeln, Blaubeeren oder Fenchelsalami dazulegen. Ein gutes, fruchtiges Öl drüber, ein bisschen Parmesan, Salz und Pfeffer. Zu meinen Favoriten gehören immer noch die ganz einfachen Gerichte, die schnell zuzubereiten sind. Zu den leckersten Gerichten der Welt gehört für mich auch frisch gemachte Pasta aus glücklichen Eiern mit geviertelten Tomaten direkt vom Strauch. Auch hier einfach Olivenöl und Parmesan dazu, Salz und Pfeffer und genießen.
Frage: Womit sollte man anfangen, wenn man sich noch vor dem Aufwand für Gemüseanbau fürchtet?
Antwort: In meinem ersten Buch unterscheide ich das Gemüse in Anfängergemüse und Gemüse für Fortgeschrittene und Leidensfähige und plädiere dafür, tatsächlich erstmal mit Anfängergemüse zu starten. Denn hier sieht man schnelle Erfolge, die motivieren. Wer keinerlei Erfahrung hat und sich sofort Tomaten vornimmt, hat einen schwierigen Start. Deswegen lieber nicht mit Tomaten anfangen, sondern mit Salat oder Radieschen. Man nimmt sich ein Gefäß und füllt es mit Erde. Man kann zum Beispiel ganz toll die Erde nehmen, die der Maulwurf nach oben gebuddelt hat und dann legt man da einfach die Samen rein, hält die Erde feucht und kann bei Salat und Radieschen schon nach vier bis sechs Wochen lecker ernten. Es wächst von alleine. Radieschen kannst du übrigens ganz toll karamellisieren in der Pfanne mit Honig. Superlecker auf einem Frischkäsebrötchen. Dann schmeckt das Radieschen sogar Kindern, weil es eine ganz besondere süße Note hat.
Frage: Frau Rakers, wir bedanken uns herzlich für das Gespräch.