Wirtschaft in Aurich  Aurich ist für Unternehmer zweite Wahl

Gabriele Boschbach
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Von Gabriele Boschbach
| 02.02.2023 19:07 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Die neue Halle von Stahlbau Oltmanns steht bereits im Schirumer Gewerbegebiet. Foto: Boschbach
Die neue Halle von Stahlbau Oltmanns steht bereits im Schirumer Gewerbegebiet. Foto: Boschbach
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Holger Bruns zieht mit seiner Stahlbaufirma von Riepe nach Aurich. Dort kann er sich in Schirum ansiedeln, in Ihlow gab es keinen neuen Platz für ihn.

Aurich/Riepe - Zwei, drei Minuten nur, dann ist Holger Bruns mit seinem Fahrzeug derzeit von seinem Riepster Unternehmen an der Amboßstraße auf der Autobahn A 31. Schwupps − geht es hinaus in die Welt. Das ist für den Geschäftsführer von Stahlbau Oltmanns wichtig, um seine Kunden zu erreichen. Einige seiner 35 Mitarbeiter sind froh, wenn sie auf diese Weise schnell zur Arbeit und wieder nach Hause gelangen. Die „super-Verkehrsanbindung“ kann die Belegschaft nur noch rund vier Monaten genießen. Voraussichtlich im Juni zieht das Team von Stahlbau Oltmanns nach Aurich. Dort wird gerade im Gewerbegebiet Schirum IV an der Alten Molkereistraße eine große Halle für die künftige Produktion errichtet. Die Fachfirma fertigt seit 30 Jahren Sonderkonstruktionen für Kunden in der Windenergiebranche, in der Anlagentechnik oder im Maschinenbau an, ist aber auch offen für Aufträge von Privatkunden, die ein maßgeschneidertes Dach für ihren Carport oder eine Halle für ihre Oldtimer benötigen.

„Wir wären gerne am Standort in Riepe geblieben“, sagt Holger Bruns. In Ihlow habe ihm die Gemeinde nichts anbieten können. Es gebe keine verfügbare Fläche, habe es geheißen. Seine zweite Wahl sei Aurich gewesen. Im Gewerbegebiet Schirum IV habe er sich Anfang 2020 noch aussuchen können, wo er sich dort ansiedeln möchte. Sein Grundstück sei etwas mehr als 5000 Quadratmeter groß. Wegen des Preises habe er mit der Stadt verhandelt. „Ich wusste, dass die Firmen früher in Schirum I bis III nur 15 Euro pro Quadratmeter gezahlt haben. Für Schirum IV sollten es dann plötzlich 35 Euro sein“, sagt er. Er habe versucht zu verhandeln, sei aber gescheitert. „Die Preise sind vom Rat festgelegt worden. Daran kann man nicht rütteln“, hat er gemerkt. Interessenten für Gewerbegebiete müssen sich und ihre Pläne zunächst im nicht öffentlich tagenden Verwaltungsausschusses vorstellen. Die Politik macht sich ein Bild vom Leistungsumfang der Firmen und gibt eine Empfehlung. Wenn die positiv ist, wird eine Beschlussvorlage für den Rat gefertigt. Der hat das letzte Wort.

Holger Bruns brauchte Geduld

Holger Bruns ist froh, dass es auf seinem Grundstück in Aurich jetzt sichtbare Bauerfolge gibt. Er habe sich gedulden müssen. Die Vermessung des Areals habe ungewöhnlich lange gedauert: „Das hat sich hingezogen.“ Er habe eigentlich Wärmepumpen für die Energieversorgung installieren wollen. Doch man habe ihm gesagt, dass die erst in einem Jahr lieferbar seien. Deshalb habe er abgewinkt und sich für Gas entschieden, die weniger nachhaltige Alternative. Nach eigenen Worten wird er voraussichtlich rund 2,5 Millionen Euro investieren. Holger Bruns nennt diese Zahl mit Vorbehalt: Man wisse ja nie, wie sich die Baukosten noch entwickelten, sagt er im Gespräch mit der Redaktion.

Vorsichtig ist auch die Stadt Aurich. Wenn Schirum IV belegt ist, kann sie Unternehmen kein Angebot mehr machen. Noch streiten die Fraktionen, wie sie mit der Ausweisung neuer Flächen verfahren sollen. Der Ihlower Bürgermeister Arno Ulrichs (parteilos) gibt eine klare Empfehlung: Er rät, rechtzeitig neue Gewerbegebiete anzustoßen. „Wenn man wartet, bis der Bedarf da ist, ist es bereits zu spät“, kann er aus Erfahrung sagen. Drei bis fünf Jahre dauere es oft von der Planung bis zum Baustart – eine Zeit, die viele Unternehmen nicht haben. Es geh dabei nicht nur um die Ansiedlung neuer Firmen, auch für die Erweiterung der Bestandsunternehmen sei es wichtig, Flächen vorzuhalten. Das zeigt die Abwanderung des Stahlbauunternehmens Oltmanns.

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