Flächen für Firmen Politik fordert weitere Gewerbegebiete in Aurich
Die Flächen in den drei Auricher Gewerbegebieten sind bald vergeben. Die Verwaltung hat bisher keine neuen Flächen ausgewiesen. Die Politik ist deswegen gespalten.
Aurich - Die Besucher und Angestellten im Auricher Ärztehaus an der Alten Molkereistraße in Schirum verfolgen die Bauarbeiten in der unmittelbaren Nachbarschaft schon seit Wochen. Direkt angrenzend ist eine Bodenplatte für die Firma Stahlbau Oltmanns aus Ihlow gegossen worden. Dann wurde das Stahlgerüst für eine Hallenkonstruktion auf dem rund 5000 Quadratmeter großen Grundstück errichtet. Auch das Bürogebäude für das Riepster Unternehmen steht schon. Die Firma will im Juni mit ihren 35 Mitarbeitern nach Aurich umsiedeln. Nicht nur auf diesem Areal geht es derzeit rund. Auch direkt vor und hinter diesem Bauplatz werden Grundstücke ausgemessen oder auch schon ausgehoben.
Was und warum
Darum geht es: Aurich hat bald keine Gewerbeflächen mehr.
Vor allem interessant für: Firmen, die sich in Aurich ansiedeln wollen
Deshalb berichten wir: Impuls waren die Bauaktivitäten in Schirum IV. Die Frage ist: Was passiert, wenn alle Flächen vergeben sind? Die Autorin erreichen Sie unter: g.boschbach@zgo.de
Rege Aktivität herrscht also derzeit auf dem Areal des Gewerbegebiets Schirum IV. Auf der 8,5 Hektar großen Fläche seien derzeit nur noch ganz wenige Grundstücke verfügbar, sagt Hardwig Kuiper auf Anfrage der Redaktion. Aurichs Erster Stadtrat ist Ansprechpartner für Ansiedlungswillige auf den Gewerbeflächen in Aurich. Außer den Gewerbegebieten Schirum I bis IV gibt es noch ein Gewerbegebiet in Sandhorst sowie ein etwas kleineres in Middels. Auch dort werden Unternehmen aktuell nicht fündig: „In Sandhorst sind alle Flächen vergeben, in Middels stehen noch drei Parzellen zur Verfügung“, sagt Hardwig Kuiper.
Middels könnte erweitert werden
Wie sieht die Zukunft aus? Sind Planungen für weitere Gewerbegebiete angeschoben worden? Das ist in den vergangenen Jahren nicht passiert. Einige Fraktionen bedauern das und stellen konkrete Forderungen. So hat die SPD-Fraktion im Zuge der Haushaltsberatungen den Antrag gestellt, Gewerbegebiete zügig zu entwickeln. Ganz konkret soll die Restfläche, die westlich angrenzend an Schirum IV noch zur Verfügung steht, bis Ende 2024 erschlossen worden sein. Nach den Vorstellungen der Sozialdemokraten soll es auch Schirum V geben: „Das möchten wir bis 2028 so weit entwickelt haben, dass es besiedelt werden kann“, sagte Ingeborg Hartmann-Seibt (SPD). Das sei ein sportliches Ziel. Es sei ihrer Fraktion aber wichtig, konkrete Vorgaben zu machen. Andernfalls fürchtet sie, dass die weitere Erschließung von Gewerbeflächen auf der Strecke bleiben könnte.
Ähnliche Befürchtungen treiben auch die Christdemokraten um. „Wir haben erst vor etwas mehr als einer Woche in einem Antrag zu den Haushaltsberatungen gefordert, die bisherigen Maßnahmen zur Wirtschaftsförderung auszubauen. Dazu gehört es in unseren Augen, die Suche nach neuen und den Ausbau bestehender Gewerbegebiete maßgeblich zu intensivieren“, sagt Arnold Gossel. Der CDU-Fraktionschef verlangt, die bisherige Förderungspolitik zur Neuansiedlung von Gewerbetreibenden fortzuführen. Damit meint er, dass die Stadt weiterhin auf Beiträge für den Anschluss an die Abwasserkanalisation verzichten soll. Seit rund 20 Jahren wird Firmen, die sich in Gewerbegebieten ansiedeln, diese Gebühr erlassen. Die Stadt übernimmt die Kosten und entrichtet sie an den dafür zuständigen Nettoregiebetrieb Stadtentwässerung. Das ist eine besondere Vergünstigung, die Standortnachteile von Aurich aufwiegen soll. So fehlt in der Stadt ein Autobahnanschluss, was für viele Firmen von entscheidender Bedeutung wäre.
Entwicklung dauert lange
Arnold Gossel sagt, dass man das Gewerbegebiet in Middels um einen Hektar erweitern könnte. Eine Vergrößerung wäre auch in Schirum auf einem Areal möglich, das westlich an Schirum IV angrenzt. Die Flächen müssten erworben und erschlossen werden. Das könne viele Jahre dauern, sagt Hardwig Kuiper. Es müssten Flächennutzungs- und Bebauungspläne aufgestellt werden. Parallel, oder am besten schon vorher, müsse die Stadt prüfen, unter welchen Bedingungen die Flächen zu erwerben seien, ob überhaupt.
Die Erschließung von neuen Gewerbegebieten ist in der Amtszeit von Heinz-Werner Windhorst (parteilos), dem Vorgänger von Bürgermeister Horst Feddermann (parteilos), immer rasch in die Wege geleitet worden, weil die planungsrechtlichen Schritte erfahrungsgemäß eine lange Zeit in Anspruch nehmen. Von der Idee bis zum ersten Spatenstich gehen mindestens drei Jahre ins Land.
Grüne fordern nachhaltige Gewerbegebiete
Nicht alle setzen auf Expansion um jeden Preis. Die Grünen fordern eine Analyse der bestehenden Situation, bevor weitere Flächen für Gewerbe ausgewiesen würden. „Wir sollten erst mal untersuchen, welche Fehler wir unter ökologischen Gesichtspunkten bei den bestehenden Gebieten gemacht haben“, sagt Grünen-Fraktionschefin Gila Altmann. So könnte man etwa prüfen, ob sich durch eine geschicktere Parzellierung der Grundstücke und die Vorgabe, mehrstöckig zu bauen, der Flächenverbrauch minimieren ließe. Die Auricherin ärgert sich darüber, dass die Verwaltung es trotz mehrfacher Aufforderung nicht geschafft hat, eine Referentin für die umweltgerechte Gestaltung von Gewerbegebieten in den zuständigen Fachausschuss einzuladen. Beim nachhaltigen Ausbau ist der Grundsatz bindend, das Gewerbegebiet in die Natur zu integrieren und nicht umgekehrt. Die Gesellschaft für nachhaltiges Bauen hat dafür Kriterien aufgestellt.
Grundsätzlich gilt das Gewerbegebiet Schirum als Erfolgsgeschichte. Vor rund 20 Jahren wurden die ersten Flächen in Schirum I entwickelt (siehe Grafik). Der Zuschnitt war mit rund sieben Hektar relativ klein. Schnell wuchs die Nachfrage nach Grundstücken, sodass die Verwaltung mit der Wirtschaftsförderung weitere Teilbereiche erschlossen hat. Derzeit sind nach Angaben der Stadt auf 71 Hektar in Schirum 125 Unternehmen ansässig. Grundsätzlich stehe Fläche für Gewerbegebiete zur Verfügung. Damit ist Aurich und die gesamte ländliche Region im Vorteil gegenüber vielen Ballungsgebieten. Im Ruhrgebiet ist der Mangel an Gewerbeflächen sehr groß. Erst vor Kurzem hatte die Business Metropole Ruhr als regionale Wirtschaftsförderungsgesellschaft darauf aufmerksam gemacht.