Schlechte Nachricht für Eltern In Leer bleiben Kindergartenplätze weiter Mangelware
Bei den Eltern in Leer geht die Angst um, keinen Kindergartenplatz abzubekommen. Der Landkreis räumt ein: Diese Angst ist nicht unberechtigt.
Leer - Das Vergabeverfahren für die Kindergartenplätze in Leer hat gerade erst begonnen und schon macht sich unter Eltern Angst breit, womöglich leer auszugehen. Das liegt zum einen daran, dass es schon seit Jahren viel zu wenige Plätze gibt. Im laufenden Kindergartenjahr fehlen nach Auskunft der Landkreisverwaltung 67 Krippen- und 126 Kindergartenplätze. In diesen Zahlen seien aber auch Kinder enthalten, die zwar noch versorgt gewesen seien, aber zum Beispiel von der Tagespflege in die Krippe oder von einem Vormittags- auf einen Ganztagsplatz wechseln wollten, betont Kreissprecher Philipp Koenen. Klagen wegen eines nicht erfüllten Rechtsanspruchs auf deinen Kindergartenplatz habe es im laufenden Kindergartenjahr nicht gegeben.
Was und warum
Darum geht es: Es dürfte auch im kommenden Kindergartenjahr in Leer viel zu wenige Kita-Plätze geben.
Vor allem interessant für: Eltern, Mitarbeiter und Leitung der Kindertagesstätten in Leer
Deshalb berichten wir: Es haben sich Eltern bei uns gemeldet, die fürchten im kommenden Kindergartenjahr keinen Platz für ihre Kinder zu bekommen. Die Autorin erreichen Sie unter: k.mielcarek@zgo.de
Aber auch das Vergabeverfahren macht einigen Müttern und Vätern Sorgen. Eltern geben bei der Anmeldung einen Erst-, Zweit- und Drittwunsch an, in welche Einrichtung ihre Kinder gehen sollen. Bei der Verteilung werden zunächst die jeweiligen Erstwünsche berücksichtigt. Wer dabei keinen Platz bekommen hat, kann auf den Zweit- oder den Drittwunsch hoffen. Allerdings werden die meisten Plätze schon in der ersten Runde vergeben. Dieses Verfahren solle aber nicht verändert werden, so der Stadtsprecher.
Nur scheinbar freie Plätze
Ein Vater, der sich an die Redaktion gewandt hatte, seinen Namen aber nicht in der Zeitung lesen will, macht auf ein weiteres Problem aufmerksam: „Einzelne Kindergärten können bereits jetzt grob einschätzen, dass sie keine externen Plätze vergeben werden, da vorrangig die Krippenkinder mit Plätzen bedient werden.“ So habe er schon im vergangenen Jahr seinen Erstwunsch „verschenkt“. Der Kindergarten seiner Wahl hatte offiziell sechs Plätze zu vergeben, aber sieben Krippenkinder, die in den Kindergarten nachrücken wollten.
In diesem Jahr habe er nach intensiven Nachfragen von einem Kindergarten gehört, den besser nicht als Erstwunsch anzugeben. „Es ist eine fatale Situation, da es viele Kinder gibt, die den Rechtsanspruch haben, diesen aber in Summe mangels Plätzen auch nicht durchsetzen können“, schreibt der Vater.
150 Krippenkinder rücken in die Kindergärten auf
Im August dieses Jahres, wenn das neue Kindergartenjahr beginnt, seien rund 150 der jetzigen Krippenkinder drei Jahre alt, teilt Koenen mit: „Diese werden in aller Regel im Anschluss einen Kindergartenplatz wünschen.“ Ob sie ihn in ihrer bisherigen Kindertagesstätte auch bekommen, entschieden die Einrichtungen alleine. Sie dürften die Vergabekriterien selber festlegen, solange sie niemanden diskriminierten. „In der Regel begünstigen hier Geschwisterkinder, die bereits die Einrichtung besuchen, Berufstätigkeit und Alleinerziehung die Aufnahme“, so Koenen.
Wie viele freie Plätze es im August geben wird, sei derzeit noch ungewiss. Das hänge auch davon ab, ob Familien wegzögen und wie viele der sogenannten Flexikinder noch ein weiteres Jahr im Kindergarten bleiben. Flexikinder werden erst nach dem 30. September sechs Jahre alt, könnten aber schon eingeschult werden. „Unter Berücksichtigung dieser Faktoren gehen wir derzeit davon aus, dass zwischen 270 und 370 Plätze frei werden“, so Koenen.
15 zusätzliche Plätze
Der Landkreis ist erst seit dem vergangenen August für die Leeraner Kindergärten zuständig. Die Stadt hatte die Zuständigkeit für die Kinderbetreuung an den Kreis zurückgegeben, weil sich beide Seiten nicht über eine Kostenverteilung einigen können. Nun steht der Kreis vor der Aufgabe, zusätzliche Kindergarten-Plätze zu schaffen. Bis August 2023 würden voraussichtlich 15 zusätzliche geschaffen, kündigt Koenen an. Statt der 1011 Plätze aus dem August 2022 werde es dann wohl 1026 Plätze geben: „Es finden derzeit Verhandlungen mit freien Trägern zwecks Kapazitätenerweiterung statt.“
Bisher hat die Stadt Leer auf Wunsch des Landkreises die drei städtischen Kindergärten (Leerort, Rasselbande und Niedersachsenring) weiter betrieben, die Kosten trägt der Landkreis. Wie Bürgermeister Claus-Peter Horst (parteilos) hat nun mitgeteilt, dass dieses Konstrukt noch ein weiteres Jahr fortgeführt werden solle. Koenen bestätigt, dass beide Seiten sich derzeit in Abstimmung zu diesem Thema befänden.