23 Millionen Euro Miese  Neuer Klinikchef hat schlechte Nachrichten

Marion Luppen
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Von Marion Luppen
| 01.02.2023 14:21 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Dirk Balster ist neuer Geschäftsführer der Trägergesellschaft Kliniken Aurich-Emden-Norden. Foto: Ortgies
Dirk Balster ist neuer Geschäftsführer der Trägergesellschaft Kliniken Aurich-Emden-Norden. Foto: Ortgies
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Seit dem 1. Januar ist Dirk Balster Geschäftsführer der Kliniken Aurich, Emden und Norden. Der neue Chef bekommt es gleich mit unerfreulichen Zahlen zu tun. Das Defizit schießt in die Höhe.

Aurich - Die Krankenhäuser in Aurich, Emden und Norden machen in diesem Jahr laut Wirtschaftsplan voraussichtlich 23 Millionen Euro Verlust, rund 10 Millionen mehr als im vergangenen Jahr. Diese Zahlen nannte Dirk Balster, neuer Geschäftsführer der Trägergesellschaft Kliniken Aurich-Emden-Norden, am Mittwoch in einem Pressegespräch in Aurich. Rund 11 Millionen Euro Minus entfallen auf die Ubbo-Emmius-Klinik (UEK) Aurich/Norden, 12 Millionen auf das Hans-Susemihl-Krankenhaus Emden.

Der Landkreis Aurich und die Stadt Emden tragen den Gesamtverlust nach der Aufteilung 70:30. Das heißt: Aurich muss 70 Prozent ausgleichen, Emden 30 – unabhängig davon, welche Defizite an welchem Standort entstehen. So war es durch eine Änderung des Konsortialvertrags 2020 beschlossen worden. Die beiden Kommunen planen den Bau einer 814-Betten-Klinik in Uthwerdum (Gemeinde Südbrookmerland). Das neue Krankenhaus soll Ende 2028 eröffnet werden und die drei bestehenden Häuser ersetzen. Sowohl die UEK als auch das Hans-Susemihl-Krankenhaus schreiben seit Jahren rote Zahlen.

Kliniken kämpfen ums Überleben

Als Ursache für das wachsende Defizit nannte Balster neben Inflation und steigenden Lohnkosten die in diesem Jahr ausbleibenden Coronazahlungen und Ausgleichszahlungen des Bundes für Erlösrückgänge. In den Jahren 2020 bis 2022 habe es diesen finanziellen Ausgleich gegeben. „Das ist die Lauterbach’sche Finanzierungsdelle“, sagte Balster in Anspielung auf Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD).

Dieses Problem treffe sämtliche Kliniken in Deutschland, fügte der neue Klinikchef, der seit dem 1. Januar im Amt ist, hinzu. Nach Angaben der Deutschen Krankenhausgesellschaft wird sich das strukturelle Defizit der Kliniken in diesem Jahr bundesweit auf rund 15 Milliarden Euro summieren. Die Krankenhausversorgung sei akut gefährdet, da Insolvenzen drohten.

Er drängt auf den Förderbescheid

Die Bündelung der drei Klinikstandorte Aurich, Emden und Norden ist aus Balsters Sicht alternativlos. Krankenhäuser dieser Größenordnung (Aurich und Norden unter 300 Betten, Emden 350 Betten) seien nicht überlebensfähig, sagte der 56-Jährige, der zuletzt Geschäftsführer des Klinikums Chemnitz war. Die Finanzierung der neuen Klinik ist nur mit Fördermitteln von Land und Bund möglich. Balster drängt mit dem Auricher Landrat Olaf Meinen und dem Emder Oberbürgermeister Tim Kruithoff (beide parteilos) darauf, aus Hannover den Förderbescheid zu bekommen. Es gibt zwar Absichtserklärungen, dass sich das Land mit 81 Prozent an den Baukosten beteiligen wird, doch der schriftliche Förderbescheid steht noch aus. Er werde auch das Gespräch mit dem neuen Gesundheitsminister Andreas Philippi (SPD) suchen, sagte Balster. „Es ist von höchster Bedeutung, dass wir den Förderbescheid haben.“

CDU und FDP im Auricher Kreistag hatten zuvor gefordert, Philippi möge das ostfriesische Großprojekt zur Chefsache machen. „Uns reichen die wohlwollenden Worte und Absichtserklärungen aus Hannover nicht mehr aus. Es muss nun endlich konkrete Beschlüsse aus Hannover zur Finanzierung der Zentralklinik geben“, heißt es in einer gemeinsamen Pressemitteilung der beiden Fraktionen. Die Geldgeber aus Hannover und Berlin müssten nun Farbe bekennen.

Im vergangenen Jahr waren die voraussichtlichen Baukosten der Zentralklinik auf bis zu 720 Millionen Euro beziffert worden. Ob sich diese Summe halten lässt, vermag Balster nicht zu sagen. Er weiß auch nicht, ob die Förderquote von 81 Prozent im Falle steigender Kosten beibehalten wird oder ob etwaige Mehrkosten allein von der Stadt Emden und dem Landkreis Aurich gestemmt werden müssen. „Da bin ich im Moment nicht aussagefähig.“ Er strebe jedenfalls Budgettreue an, fügte der Diplom-Ökonom hinzu. Balster versprach nicht, dass die Zentralklinik schwarze Zahlen schreiben wird. Entscheidend sei die medizinische Versorgung. „Wir müssen attraktive Medizin anbieten, verlässliche Medizin.“

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