DGzRS bildet Retter aus Ostfriesische Seenotretter werden jetzt vor Ort geschult
Die DGzRS bildet ihre Retter jetzt auch vor Ort auf einem Spezialschiff aus. Unter anderem ist nächsten Monat eine Schulung in Norddeich geplant.
Norddeich / MM/HIB - Die Besatzung des in Norddeich stationierten Seenotrettungsbootes „Otto Diersch“ blickt erwartungsvoll auf die Tage vom 9. bis zum 12. Februar. Dann nämlich wird die „Carlo Schneider“ – das neue Trainingsschiff der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) – in den Westhafen einlaufen. Erstmals seit der Gründung des Seenotretter-Trainingszentrums Neustadt i. H. (Schleswig-Holstein) im Jahr 1996 erfolgt die Aus- und Weiterbildung der Seenotretter mit diesem Spezialschiff nun direkt vor Ort bei den jeweiligen Stationen und in deren Gewässern.
„Das ist natürlich optimal für uns, wenn wir in unserem eigenen Seegebiet trainieren können“, zeigt sich Marcus Baar, Vormann der „Otto Diersch“, erfreut über diese neue Übungsmöglichkeit. Dies sei ein großer Vorteil für die Mannschaft der Freiwilligen. „Dabei kommt auch unser eigenes Seenotrettungsboot zum Einsatz“, erläutert er.
Das wird unterrichtet
Am 9. und 10. Februar werden die Ausbildungseinheiten jeweils abends angeboten, um den Berufstätigen entgegenzukommen. Am Sonnabend, 11. Februar, ist dann ab 9 Uhr ein achtstündiges Training in Theorie und Praxis geplant. Sollte darüber hinaus noch weiterer Unterrichtsbedarf bestehen, wird der Sonntag eventuell noch als Übungstag ins Programm genommen.
Wie Sven Detlefsen, Schiffsführer der „Carlo Schneider“, im Gespräch erklärt, steht das Training in Norddeich unter dem Thema „Seemannschaft“. Es sei in drei Module aufgeteilt: Seemannschaft (Verhalten, Kameradschaft, Umgang mit Tauwerk und Geräten), Manövrieren (Drück- und Zugpunkte, Werkzeuge dafür und Ähnliches) sowie Schleppen. Der Unterricht sei so aufgebaut, dass man damit auf jeden Wissensstand der jeweiligen freiwilligen Seenotretter eingehen könne, von den Nachwuchskräften (Trainees) bis hin zu den erfahrenen Kolleginnen und Kollegen. Die Übungseinheiten würden vor Ort individuell angepasst, je nach Ausbildungsstand der Retter.
Was sonst noch mit dem Schiff möglich ist
Detlefsen hält es für sehr sinnvoll, die Seenotretter direkt vor Ort in ihrem vertrauten Umfeld und mit ihrem Material zu schulen. „Wir trainieren hauptsächlich Freiwillige und die Motivation, die sie dabei mitbringen, ist unfassbar hoch“, lobt er den Einsatz der Frauen und Männer auf den DGzRS-Stationen. Es sei ihnen anzumerken, dass sie große Lust auf die Übungen hätten. „Es ist unglaublich, was dann am Ende dabei rauskommt“, sagt er.
Die „Carlo Schneider“ wird in allen Revieren der DGzRS zwischen Borkum und Ueckermünde eingesetzt. Geprobt werden darauf unter anderem Standards wie Sicherheit und Seemannschaft, Längsseitsgehen, Schleppen, Manövrieren, technische Navigation wie Radarausbildung, Kollisions- und Begegnungsfahrten, aber auch die Rettung Verletzter aus Schiffsinnenräumen. Da die Maschinen an Bord baugleich sind mit denen der neueren Seenotrettungsboote, kann auch die technische Ausbildung ermöglicht werden. Insgesamt können acht Trainees beziehungsweise Freiwillige an Bord untergebracht und auch an entsprechend ausgerüsteten technischen Navigationsplätzen geschult werden.
Schon viele Orte angefahren
DGzRS-Sprecher Patrick Testa-Kreitz ergänzt auf Nachfrage, dass das Schiff schon die meisten ostfriesischen Inseln für die Ausbildung angefahren hat. Borkum stehe noch aus. Bislang hätten die Seenotretter einen Teil ihrer Ausbildung im Trainingszentrum in Schleswig-Holstein absolvieren müssen. Durch die Fahrten der „Carlo Schneider“ soll es den Ehrenamtlichen nun einfacher gemacht werden, sich zu qualifizieren, so Testa-Kreitz.
Benannt worden ist das Schiff nach dem Schweizer Carl-Erich August Schneider (1924-2017), der die DGzRS großzügig in seinem Nachlass bedacht hatte. Testamentarisch machte Schneider zur Auflage, dass das Geld zur weiteren Erhöhung der Sicherheit ihrer Besatzungen bei deren nicht selten gefahrvollen Einsätzen verwendet werden sollte. Diesem Ziel dienten die umfangreichen Aus- und Fortbildungsmaßnahmen der DGzRS, zusammengefasst in der Seenotretter-Akademie, so Pressesprecher Christian Stipeldey.