Konzerte nach Corona Plakate für Fury-Konzert, obwohl eine Genehmigung fehlt
Bands müssen sich immer mehr einfallen lassen, um ihre Fans zu Konzertbesuchen zu animieren. In Aurich soll es eine ganz besondere Location sein. Konflikte sind vorgezeichnet.
Aurich - Nach der coronabedingten Veranstaltungsflaute herrscht bei etlichen Musikfans immer noch eine gewisse Zurückhaltung beim Buchen von Konzerten. Deshalb müssen sich die Stars etwas einfallen lassen, um einen attraktiven Anreiz zu bieten. Das haben sich auch Fury in the Slaughterhouse gedacht. Die Rock-Band aus Hannover bietet für ihrer Sommertournee nur Open-Air-Konzerte an − auch in Aurich. Dort gastieren die sechs Musiker um Sänger Kai Wingenfelder am Sonnabend, 1. Juli, und stellen ihr neues Album „Hope“ vor, das am 28. Juli 2023 erscheinen soll. Das ist zumindest der Plan.
Das Besondere an dem Auftritt in Aurich: Erstmals gibt es ein Konzert auf dem Parkplatz der Sparkassen-Arena. Ob das Areal dafür geeignet ist, werde seit Wochen von den Behörden sorgfältig geprüft, wie Helmut Lücht versicherte. Der Leiter des Ordnungsamtes bei der Stadt Aurich sagte, dass das insbesondere für die Fluchtwege gelte. In der Regel sichere man das Gelände von Open-Air-Konzerten mit mobilen Absperrungen. Das ist aber bei dem Parkplatz an der Sparkassen-Arena nicht oder nur bedingt möglich. Dort wird ein Teil der Fläche durch Zäune, aber auch durch eine Hecke abgegrenzt. Das zweite Problem sei die Nähe zur Bundesstraße. Die berge Gefahren, weil alkoholisierte Besucher unter Umständen ihre Sorgfaltspflichten im Umgang mit dem Verkehr vernachlässigen könnten. Sprich: Sie könnten betrunken auf die Fahrbahn treten und sich und andere in Gefahr bringen.
Das Ordnungsamt ist zuständig
Stichwort Verkehr: Eine Lösung muss auch für die Frage gefunden werden, wo die Besucher ihre Fahrzeuge abstellen können. Der dafür eigentliche gedachte Platz ist schließlich belegt. Marema als Veranstalter erwartet zu dem Auftritt von Fury in the Slaughterhouse rund 5000 Besucher. Der Vorverkauf hat bereits vor einigen Wochen begonnen − trotz noch fehlender Genehmigung. Seit einigen Tagen machen auch Plakate auf die Veranstaltung aufmerksam. Wann mit einer Genehmigung zu rechnen ist, steht noch nicht fest. „Wir sind noch dabei, alles zu prüfen. Die Angelegenheit ist im Prozess“, sagte Bürgermeister Horst Feddermann (parteilos) auf Anfrage. Auch bei der Veranstaltungsagentur Marema wollte Redaktion sich erkundigen, warum Werbung für ein Konzert gemacht wird, das noch nicht offiziell genehmigt ist. Marema-Chef Ewald Maas war trotz wiederholter Anrufe für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.
Die Band ist für die Auricher eine alte Bekannte. Bereits im Mai 2017 waren die Hannoveraner auf dem Mehrzweckgelände in Tannenhausen zu Gast. „Top Open Air, Fury live ist ein Erlebnis. Würde ich mir immer wieder anschauen“, schreibt Torsten auf der Fan-Report-Seite des Konzert-Portals Eventim. Die Begeisterung war damals vermutlich auch deshalb so groß, weil sich die Gruppe erst ein Jahr zuvor wieder zusammengefunden hatte. Die 1986 gegründete Combo war in den 90er Jahren mit Alben wie „Mono“ oder „Brilliant Thieves“ eine der erfolgreichsten deutschen Rock-Bands, löste sich aber 2008 auf.
Auf der Fan-Report-Seite wird auch deutlich, wie wichtig Spitzen-Locations für ein Konzert sind. Sehr gut schneidet die Bühne auf der Loreley in St. Goarshausen ab. Die Kulisse muss den Kommentaren der Fans nach sehr beeindruckend sein. Auch bei der aktuellen Tour machen die Jungs um Kai Wingenfelder dort wieder Station. Sie gastieren außerdem im saarländischen Losheim am See, einer ebenfalls sehr imposanten Kulisse im Dreiländerecke Deutschland – Frankreich – Luxemburg. Es muss eben alles stimmen: Musik, Location sowie die Versorgung mit Essen und Trinken. Einige Bands haben auch über neue Formate nachgedacht, um die Fans zum Ticktet-Kauf zu bewegen – und sie gleich erprobt. So bietet etwa Metallica in diesem Jahr im Rahmen ihrer M72-World-Tour für Hamburg und München jeweils 2-Tages-Tickets an. Das heißt, dass die Band an zwei aufeinander folgenden Tagen zwei unterschiedliche Programme spielt. Thrash-Metal im Doppelpack: Für wahre Fans dürfte das eine Offenbarung sein.