Alles Kultur Luxus, den ich mir leiste – Stimmt so!
Wie halten Sie es eigentlich mit dem Trinkgeld? Unsere Kolumnistin berichtet, wie sie mit dem Dankeschön an die Service-Mitarbeiter umgeht.
Menschen, die mit mir in einem Restaurant am Tisch sitzen, werden meistens von mir eingeladen. Ich bin gerne großzügig und mag mich mit dieser Geste dankbar für die Zeit zeigen, die wir in Geselligkeit verbracht haben. Meist kommt noch ein Trinkgeld für die Bedienung oben drauf, welches eher dem amerikanischen Tip-Verhalten ähnelt als dem deutschen. Der Knigge rät hierzulande zu fünf bis zehn Prozent. Ich finde aber, es darf sich lohnen bei so einem Knochenjob, wenn jemand in dieser stressigen Gastronomiewelt den Überblick behält, aufmerksam und freundlich ist.
Taxifahrern gebe ich oft extra viel Trinkgeld, wenn sie so richtig blöd zu mir waren und sich während der ganzen Fahrt grummelnd über eine „zu kurze“ Strecke beschweren. Ich mache das, damit sie erstens: ein schlechtes Gewissen haben und zweitens: aus dieser Erfahrung lernen. So dass sie das nächste Mal nicht den Fahrgast rausschmeißen (alles schon passiert) und dabei ihre gute Kinderstube vergessen.
Ich mache das, weil ich es kann. Ich weiß, das ist purer Luxus. Einer, den sich so viele nicht leisten können – nicht nur das Trinkgeld, sondern Essen gehen und Taxifahren an sich. Das sind doch vermeidbare Ausgaben. Für viele, für mich nicht. Denn ich bin 200 Tage im Jahr nicht zuhause und bin darauf angewiesen, in Lokale einzukehren, um mich zu versorgen. Mein Körper kann zudem kaum mit Umsteigestress von Bahn und Bus umgehen und mein schweres Tourneegepäck und Kopfsteinpflaster vertragen sich nicht mit meinem Bandscheibenvorfall. Ich fahre fast jeden Tag Taxi und ja, es ist also eher ein „weil ich es muss“. Doch viele Menschen müssen das und können es am Ende nicht. Es bleibt Luxus. Oder besser, es bleibt ein Privileg.
In Japan hat mir mal jemand das von mir gegebene Trinkgeld hinterhergetragen, dort gilt es nämlich als Beleidigung. In der Türkei heißt es übrigens „Badegeld“ und in China (wenn auch dort wie in Japan nicht üblich) nennt man es „Teegeld“. Ich finde, bei dieser Begrifflichkeit darf sich Ostfriesland gerne sinnvoll einreihen.