Alarmierung bei Notfällen  Wenn in beiden Hosentaschen ein Pieper losgeht

Michael Hillebrand
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Von Michael Hillebrand
| 30.01.2023 09:57 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Feuerwehrleute mit doppelter Mitgliedschaft können sich nicht nur aussuchen, ob sie ausrücken, sondern auch wohin. Symbolfoto: Pixabay
Feuerwehrleute mit doppelter Mitgliedschaft können sich nicht nur aussuchen, ob sie ausrücken, sondern auch wohin. Symbolfoto: Pixabay
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Bei der Feuerwehr sind Doppel-Mitgliedschaften möglich. Wie man in Hinte, Emden und der Krummhörn damit umgeht – und wie neue Technik den Brandmeistern hilft.

Hinte/Krummhörn/Emden - Früher war es normal, im selben Ort zu wohnen und zu arbeiten. Wer heutzutage nicht in den Genuss von Homeoffice kommt, muss jedoch häufig mit dem Auto zum Dienst ins Umland fahren, was gerade in kleinen Orten Auswirkungen für die Feuerwehren hat. Wenn ihre Mitglieder ihrem Beruf nachgehen, sind sie über die ganze Region verstreut. Dazu kommt noch ein weiterer Faktor: doppelte Mitgliedschaften. Am Beispiel der 50.000-Einwohner-Stadt Emden und den benachbarten ländlichen Gemeinden Krummhörn und Hinte haben wir nachgehakt, was passiert, wenn in den Hosentaschen beide Pieper gleichzeitig losgehen.

Was und warum

Darum geht es: um die Einsatzbereitschaft der Feuerwehren in Emden, der Krummhörn und Hinte

Vor allem interessant für: Leute, die in diesen Kommunen im Notfall Hilfe benötigen

Deshalb berichten wir: Wir hatten mit Kilian Peters auf das abgelaufene Jahr bei der Krummhörner Wehr zurückgeblickt. Dabei kam er auf das Thema doppelte Mitgliedschaften zu sprechen.

Den Autor erreichen Sie unter: m.hillebrand@zgo.de

Kilian Peters ist der Sprecher der Krummhörner Feuerwehren. Er bestätigt, dass es dort einige Mitglieder gibt, die gleichzeitig auch noch einer anderen Feuerwehr angehören. Sie wohnen beispielsweise in der Gemeinde und arbeiten in der Samtgemeinde Brookmerland oder in Emden. Bei den Hinteranern sieht es ähnlich aus, sagt der dortige Gemeindebrandmeister Bastian Kahlert. Die Betroffenen seien in Wirdum oder Südbrookmerland aktiv. Es gebe aber auch zwei, deren Arbeitsstätte in Emden liegt – bei der Hauptberuflichen Wachbereitschaft (Berufsfeuerwehr). Kahlert ist einer von ihnen.

Die meisten können sich den Einsatz aussuchen

Normalweise sind Arbeitgeber dazu verpflichtet, ihre Angestellten freizustellen, wenn sie Mitglieder einer freiwilligen Feuerwehr sind und zum Einsatz müssen. Stellt aber auch die Hauptberufliche Wachbereitschaft (HWB) ihre Mitarbeiter frei, wenn diese zum Brand oder Unfall in ihrem Heimatort müssen? „Das hängt von der jeweiligen Wachstärke bei der HWB ab“, antwortet Emdens Stadtbrandmeister Bernd Lenz über die Pressestelle der Stadt. „Fährt die HWB mit der sogenannten Mindestwachstärke, darf diese Person nicht nach Hinte fahren, da für Emden der Sicherstellungsauftrag gilt. Wenn Personal im Überhang ist, dürfte die Person nach Hinte fahren. Hier müsste dann eine Einzelfallentscheidung getroffen werden.“

Ansonsten sehe die Lage etwas anders aus, fügt Lenz hinzu. Dann könne ein Doppelmitglied selbst entscheiden, ob es lieber zu Einsatz A oder B ausrücken will beziehungsweise kann. Das Niedersächsische Brandschutzgesetz enthalte keine Bestimmungen dazu, wie in solch einem Fall zu verfahren ist. Außerdem gelte das zumindest auch in Emden für die städtische Feuerwehrsatzung. Das sei eine „von mehreren anderen Herausforderungen, die zurzeit nicht geklärt sind“.

Apps helfen bei der Koordinierung

Kilian Peters ergänzt, dass die Entscheidung der Doppelmitglieder nicht nur davon abhängen kann, welche Feuerwache gerade die nähere ist, sondern auch von der Schwere des jeweiligen Notfalls und der Frage, wie viele Kameraden sonst noch zur Verfügung stehen. Auf dem Melder sehe man, ob es sich zum Beispiel nur um einen kleineren Einsatz wie eine Notfall-Türöffnung handele oder um eine große Gefahrenlage, für die dann auch schon mal der Ort verlassen werde, an dem man arbeite.

Was es heißen kann, zu wenige Einsatzkräfte zur Verfügung zu haben, merke das Gemeindekommando in der Krummhörn vor allem zur Mittagszeit, wenn beim Emder Volkswagen-Werk Schichtwechsel sei und viele Mitglieder im Berufsverkehr stecken. Da helfe es gerade in den kleinen Orten, dass man sich untereinander gut kenne und wisse, wer wann wo arbeiten muss. Eine gute Übersicht darüber sei auch im Rahmen der Feuerwehr-Bedarfsplanung in der Gemeinde erstellt worden. Zusätzlich dazu gibt es mittlerweile auch diverse Apps, die nach einer Alarmierung für einen schnellen Überblick sorgen.

Hinteraner Feuerwehr baut System aus

So nutze man beispielsweise in der Krummhörn die App „aPager“. Wenn etwas passiere, gingen dann neben den Piepern der Feuerwehrleute auch ihre Smartphones los. „Man kann darin auswählen, ob man zum Einsatz kommen kann oder nicht – oder man hinterlegt eine Nachricht“, erklärt der Pressesprecher. Das helfe nicht nur den Einsatzleitern, sondern auch den einzelnen Feuerwehrleuten dabei, abzuschätzen, ob auch sie noch hinzukommen müssen oder nicht oder ob noch bestimmte Personen wie Atemschutz-Geräteträger gefordert sind. Weiterhin gebe es im Greetsieler und im Pewsumer Feuerwehrhaus Bildschirme, auf denen man bei einem Alarm sofort sehen könne, wo der Einsatzort liege. Früher habe man dafür immer noch bei der Leitstelle nachhaken müssen.

In Emden wird bei allen sieben freiwilligen Ortsfeuerwehren auf „Divera“ gesetzt, teilt Bernd Lenz mit. Ebenso in Hinte, wo die App seit anderthalb Monaten in der ganzen Gemeinde genutzt wird, so Bastian Kahlert mit. Zuvor sei dies nur in Osterhusen und Loppersum der Fall gewesen. Auch in Hinte sollen nun die Feuerwehrhäuser mit Bildschirmen ausgestattet werden, freut sich der Gemeindebrandmeister. Das helfe dabei, die Einsätze zu koordinieren.

Die freiwilligen Feuerwehren in Emden zählen laut Lenz etwa 240 Mitglieder. Dazu kommen 38, die bei der Hauptberuflichen Wachbereitschaft eingeteilt sind, so Lenz. Fünf Personen sind zudem aktuell Brandmeisteranwärter. In der Gemeinde Hinte gibt es 194 aktive Feuerwehrleute und in der Gemeinde Krummhörn sind es 280.

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