Lehrermangel Lehrkräfte kritisieren vorgeschlagene Maßnahmen
Über das Pensionsalter hinaus arbeiten und mehr Stunden pro Woche unterrichten – solche Maßnahmen könnten laut Experten gegen den Lehrermangel helfen. Gewerkschafter wie Stefan Störmer aus Leer sehen darin den falschen Weg.
Berlin/Leer - Den Schulen in Deutschland steht nach Experteneinschätzung beim Personal noch eine lange Durststrecke bevor. „Das Problem des Lehrkräftemangels wird aller Voraussicht nach in den kommenden 20 Jahren bestehen bleiben“, heißt es in einer am Freitag vorgestellten Stellungnahme von Wissenschaftlern für die Kultusministerkonferenz (KMK). Der Mangel bedrohe die Sicherstellung der Unterrichtsversorgung und beeinträchtige auch die Qualität.
Die Kommission empfiehlt als Gegenmaßnahmen unter anderem Schritte zur Rückgewinnung von Lehrkräften aus dem Ruhestand oder zur Weiterbeschäftigung über die Altersgrenze hinaus. Die Experten sprechen sich zudem für eine Begrenzung der Möglichkeiten für Teilzeitarbeit aus. Auch sollte nach Ansicht der Wissenschaftler eine befristete Erhöhung der Unterrichtsstunden von Lehrern pro Woche geprüft werden – mit finanziellem Ausgleich oder Abgeltung durch weniger Arbeitszeit in späteren Jahren.
Gewerkschafter fordert: Lehrerberuf muss attraktiver werden
Bei Lehrervertretern stießen die Vorschläge auf Kritik. Dem Lehrermangel entgegenwirken könne man „nur über die Attraktivität des Berufs“, sagte Stefan Störmer, Vorsitzender der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Niedersachsen sowie Lehrer aus Leer, bereits vor der Veröffentlichung der Stellungnahme. Konkret bedeute das etwa eine faire und einheitliche Besoldung der Lehrkräfte – unabhängig von der Schulform.
Auch Störmer befürchtet einen anhaltenden Lehrermangel: „Wir werden eine Zeit lang mit dem Mangel leben müssen“, sagte er. So lange der Lehrerberuf aber nicht attraktiver werde, würden sich auch nicht mehr junge Leute finden, die sich für ein Lehramtsstudium entscheiden, so Störmer.
Mit Material von DPA