Gericht hat entschieden  Zwei-Mann-Regel für Wassertaxis bleibt bestehen

Michael Hillebrand
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Von Michael Hillebrand
| 26.01.2023 12:03 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Mit kleinen Wassertaxis wie diesem kommt man seit einigen Jahren schneller zu den Inseln. Foto: Archiv
Mit kleinen Wassertaxis wie diesem kommt man seit einigen Jahren schneller zu den Inseln. Foto: Archiv
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Die Wassertaxis an der ostfriesischen Küste müssen weiter jeweils zwei Besatzungsmitglieder an Bord haben. In der Branche hat man sich bereits umgestellt.

Ostfriesische Küsten - Der Juister Töwerland-Express sowie die Bootstouren Spiekeroog GmbH (BTS) hatten mit ihren Beschwerden keinen Erfolg: Die Wassertaxis von ihnen und auch vom Inselexpress (Cassens-Tour, Tochtergesellschaft der AG Reederei Norden-Frisia) dürfen weiterhin nur mit einer jeweils zweiköpfigen Besatzung fahren. Das hat nun das Hamburgische Oberverwaltungsgericht entschieden und damit zwei vorherige Beschlüsse des Verwaltungsgerichts bestätigt. Für die betroffenen Reedereien bleibt der Betrieb der kleinen Fähren damit nicht nur unwirtschaftlicher, sondern sie benötigen auch mehr Personal in einer Zeit des Fachkräftemangels.

Was und warum

Darum geht es: wie sich die Betreiber von Wassertaxis auf die neue Besatzungsregel für kleine Fährten einstellen

Vor allem interessant für: Insel-Reisende

Deshalb berichten wir: Wir hatten den Hinweis bekommen, dass das Oberverwaltungsgericht Hamburg eine Einscheidung in der Sache getroffen hat.

Den Autor erreichen Sie unter: m.hillebrand@zgo.de

Wie zuvor schon das Verwaltungsgericht weist nun auch das Oberverwaltungsgericht auf die zusätzliche Sicherheit hin, für die ein zweites Besatzungsmitglied in Notfällen sorgen kann. So könne der zusätzliche Schiffsmann an Deck in Notfällen unter anderem den Fahrgästen beim Anlegen der Schwimmwesten oder der sicheren Evakuierung von Bord behilflich sein. Beim Ausfall des Kapitäns könne das zweite Besatzungsmitglied zudem die Navigation des Schiffes übernehmen oder Erste Hilfe bei einem medizinischen Notfall leisten. Ein Verstoß gegen Europarecht liege mit der Zwei-Mann-Regel nicht vor, führt das Oberverwaltungsgericht in seinem Beschluss weiter aus.

Baltrum-Verkehr ohne feste Fahrpläne

Die beiden Unternehmen Töwerland-Express und Bootstouren Spiekeroog können jetzt noch Klage im sogenannten Hauptsacheverfahren einreichen. Das Verwaltungsgericht Hamburg würde dann die Rechtslage nochmals „in Ruhe“ prüfen. Töwerland-Express-Chef Jörg Schmidt kündigt auf Nachfrage an, diesen Schritt gehen zu werden. „Ich habe Zeit“, versichert er.

In der Zwischenzeit bleiben die Abläufe in seiner Reederei etwas anders als sonst. So wird nach einem vorübergehenden Personalmangel nun neben der Strecke Norddeich-Juist auch wieder Neßmersiel-Baltrum bedient. „Wir haben gute Leute eingestellt“, freut sich Schmidt. Allerdings konzentriere man sich nun im Baltrumverkehr ganz auf Handwerker und andere Pendler, die zuvor schon zu den Stammkunden der Minifähren gehörten. Einen regulären Fahrplan nach Baltrum gebe es jetzt nicht mehr, dafür aber Whatsapp-Gruppen, in denen man mit den Kunden über die anstehenden Fahrten zur Insel kommuniziere. „Die erste Fahrt morgens nach Juist ist meist sehr voll und wir brauchen drei Töwis.“ Später am Tag könne man einen davon aber schon mal entbehren und für Touren nach Baltrum einsetzen, nennt Schmidt ein Beispiel für die geänderten Abläufe.

250.000 Euro Mehrkosten im Jahr

Auch was den Juist-Verkehr angeht, müsse sich die Reederei aber „neu entwickeln“, kündigt er an. Statt über eine neue Fähre für 40 bis 50 Personen nachzudenken, könnte nun vielleicht ein etwas kleineres und besser ans Wattenmeer angepasstes Schiff kommen – schnell, aber ohne Jetantrieb.

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Während Schmidt auf die Zukunft blickt, ärgert er sich jedoch weiterhin über die neue Besatzungsregel, die in seinem Falle für 250.000 Euro Mehrkosten pro Jahr sorge. In einem kleinen Passagierflugzeug sitze immerhin auch nur ein Pilot und wenn der zusammenbreche, seien die Überlebenschancen für die Besatzung gleich Null, nennt er ein Beispiel. Zudem gebe es in Hamburg Fähren mit nur einem Kapitän und bis zu 100 Leuten an Bord und da sage trotz der Strömung auch niemand etwas. Dann werde auch noch darüber diskutiert, dass es irgendwann autonom fahrende Busse ganz ohne Personal geben soll.

Mehr Service und weniger Fahrten bei BTS

Das Wattenmeer hingegen sei flach und die Strecke zwischen Juist und Norddeich beziehungsweise Baltrum und Neßmersiel nicht weit. Da könne im Notfall jeder Laie das Wassertaxi zum nächsten Ufer bringen, ist der Reederei-Chef überzeugt. Das Verwaltungsgericht hatte dahingegen schon im Oktober argumentiert, dass Passagiere in Extremsituationen möglicherweise nicht richtig reagieren.

Auch BTS musste sich wegen der Besatzungsregel umstellen. Wie Mit-Betreiber Joschka Gerdes auf Nachfrage sagt, gebe es nun zwar weniger Fahrten. Dafür setze man jedoch mehr auf den Service rund um die Fahrt, um attraktiv zu sein. So gebe es einen kostenlosen Parkservice für die Passagiere und man kümmere sich um die Gepäckabfertigung. Dafür habe man sogar zusätzliches Personal eingestellt. Auch BTS hat nun Insulaner und Pendler stärker im Fokus als Ausflugsgäste.

Die Reederei Frisia hingegen hatte schon nach den Beschlüssen des Verwaltungsgerichts gesagt, dass für die Fahrgäste alles so bleibt, wie gehabt. So profitiere man davon, dass sich die Tochtergesellschaft Cassens-Tours jetzt außerhalb der Ausflugssaison befinde und man ihr Personal nun verstärkt für den Inselexpress einsetzen könne.