Hannover  Ministerwechsel in Niedersachsen: Wer ist Andreas Philippi?

Lars Laue
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Von Lars Laue
| 25.01.2023 15:46 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Schlüsselübergabe: Vorgängerin Daniela Behrens übergibt die Schlüssel fürs Sozial- und Gesundheitsministerium an den neuen Minister Andreas Philippi. Behrens ist nach dem Wechsel von Boris Pistorius ins Bundesverteidigungsministerium jetzt neue Innenministerin von Niedersachsen. Foto: Lars Laue
Schlüsselübergabe: Vorgängerin Daniela Behrens übergibt die Schlüssel fürs Sozial- und Gesundheitsministerium an den neuen Minister Andreas Philippi. Behrens ist nach dem Wechsel von Boris Pistorius ins Bundesverteidigungsministerium jetzt neue Innenministerin von Niedersachsen. Foto: Lars Laue
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Niedersachsen hat einen neuen Gesundheitsminister: Doktor Andreas Philippi. Wer ist der Mann, der die Nachfolge von Daniela Behrens antritt? Ein Porträt.

Andreas wer? Philippi. Doktor Andreas Philippi. So heißt Niedersachsens neuer Sozial- und Gesundheitsminister. Nach der Vereidigung am Mittwoch im Landtag dauert es nicht mal eine Stunde, bis der Neue seine erste Rede hält. Thema: „Paritätsgesetz und Frauenquote – was steckt dahinter?“.

Philippi - zuvor SPD-Bundestagsabgeordneter für den Wahlkreis Göttingen - sucht noch etwas unbeholfen nach den Knöpfen zur Höhenverstellung des Rednerpults und liefert dann als Gleichstellungsminister, der er auch ist, ein klares Bekenntnis zu Parität und Frauenquoten.

„Dahinter steckt der Wille, Frauen gleichberechtigt an den Willensbildungsprozessen und der Macht zu beteiligen. Und damit einen wichtigen Baustein unseres Grundgesetzes wirksam einzulösen“, antwortet der neue Minister in der aktuellen Stunde auf die Anfrage der AfD.

Dann geht es runter in die Empfangshalle des Landtages. Durch die kleine runde Brille freundlich lächelnd stellt der 57-Jährige sich den Fragen der Journalisten.

Seine Sprecherin zupft ihm noch das Einstecktuch zurecht, streicht ihm übers Sakko, und dann sagt Philippi Sätze wie: „Als Arzt weiß ich um die großen Aufgaben, die es mit sich bringt, gute Rahmenbedingungen im Gesundheitsbereich für Menschen jeden Alters, als Patient und Patientin oder als Beschäftigte - ob auf dem Land oder in der Stadt lebend - zu schaffen.“

Philippi jedenfalls scheint große Lust auf die Herausforderung in der Landespolitik zu haben. „Ich krempele gern die Ärmel hoch, wir haben viel zu tun“, betont der Vater zweier erwachsener Kinder, der getrennt von seiner Frau lebt und dessen Tochter Miriam an der European Medical School (Oldenburg) Medizin studiert.

Die 29-Jährige kam zur Amtseinführung des Vaters am Mittwoch extra nach Hannover. „Das hat mich sehr gefreut“, sagt Philippi, dessen Sohn Johannes (33) Hauptmann bei den Gebirgsjägern war und nun bei einem großen Rüstungskonzern tätig ist. Philippi selbst hatte einst Zivildienst geleistet - man kann sich die Vater-Sohn-Diskussionen lebhaft vorstellen.

Doch gewissermaßen ist der in Marburg als ältester von vier Söhnen geborene Andreas Philippi - seine Mutter war Hauswirtschaftsmeisterin und leitete den Ortsverein des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), sein Vater war evangelischer Pastor - nun indirekt übers Militär an seinen neuen Job gekommen.

Schließlich wurde Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius Bundesverteidigungsminister, verschob Ministerpräsident Stephan Weil seine „Allzweckwaffe“ Daniela Behrens (alle SPD) als Pistorius-Nachfolgerin vom Gesundheits- ins Innenministerium und holte Philippi aus Berlin nach Hannover, um ihn die Nachfolge von Behrens antreten zu lassen.

Eine kleine Personalrochade mit noch einer ganz speziellen Folge: Durch den Wechsel Philippis von Berlin nach Hannover wird sich der FC Bundestag - eine Fußballmannschaft aus aktiven und ehemaligen Bundestagsabgeordneten - einen neuen Team-Arzt suchen müssen.

Und dennoch: „Keine zehn Sekunden“ habe er überlegt, als Weil ihn gefragt habe, ob er sein neuer Minister für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Gleichstellung werden wolle: „Wenn der Ministerpräsident ruft, zögert man nicht lange.“

Lange überlegt hat auch Daniela Behrens nach eigenen Worten nicht, als Weil ihr nahelegte, das Innenministerium zu übernehmen.

Und so steht die 54-Jährige ebenfalls vor Journalisten in der Landtagshalle und freut sich auf ihre neue Aufgabe. Ihre Schwerpunkte?

Neben dem Werben für einen respektvollen Umgang mit Polizei-, Feuerwehr- und Rettungskräften will Behrens das Engagement des Landes im Kampf gegen Gewalt an Frauen und Kindern intensivieren. Außerdem wolle sie als erste Frau an der Spitze des Innenministeriums in Niedersachsen besonders empathisch auf all ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zugehen.

Als Innenministerin ist Behrens sozusagen auch die oberste Polizeichefin des Landes. Ob sie selbst schon Berührungspunkte mit der Polizei hatte? „Bis auf ein paar Geschwindigkeitsüberschreitungen hält sich das in Grenzen“, antwortet die neue Innenministerin, lacht und schreitet rüber zum Gesundheitsministerium, um ihrem Nachfolger Philippi offiziell die Schlüssel zu übergeben.

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