Bremen Deshalb muss der SV Werder gegen Union Berlin ein Zeichen setzen
Der ehemalige Fußball-Profi Hans-Jürgen Gundelach analysiert exklusiv für das „Delmenhorster Kreisblatt“ die Fußball-Bundesliga und die Spiele des SV Werder Bremen. Der Torhüter kam in 194 Erst- und Zweitligaspielen für Eintracht Frankfurt, den FC Homburg und den SV Werder zum Einsatz. In Bremen, wo er später Trainer im Nachwuchsleistungszentrum wurde, beendete er 1997 seine aktive Laufbahn. Er hat sich in Hude selbstständig gemacht und ist Coach des FC Hude.
1:7 – der Start des SV Werder in den zweiten Teil der Bundesliga-Saison 2022/23 beim 1. FC Köln war schon sehr, sehr bitter. Während meiner Profi-Laufbahn musste ich natürlich auch heftige Niederlagen verarbeiten, auch wenn ich mir maximal vier Gegentore eingefangen habe. Doch letztendlich ist diese Zahl nicht das Entscheidende bei der Bewertung einer solchen Schlappe, sondern die Art und Weise, wie sie zustande gekommen ist. Die war am Samstag leider erschreckend. Die Bremer waren darauf vorbereitet, was sie erwartet. Die Stärken der Kölner sind ja kein Geheimnis. Werder hat es ihnen einfach viel zu leicht gemacht, diese auszuspielen.
Ich bin mir sicher, dass sich das Köln-Spiel nicht negativ auf das Klima in der Werder-Mannschaft auswirken wird. Natürlich hat das Trainerteam um Ole Werner in den vergangenen Tagen die Fehler offen angesprochen und per Video mehrfach vorgeführt. Dabei mussten sich die einzelnen Mannschaftsteile und vermutlich auch der eine oder andere Spieler viel Kritik anhören. In einer homogenen Mannschaft, wie Werder sie hat, wird es deshalb aber keinen Streit geben. Trotzdem gilt es, zu beobachten, was in den nächsten zwei, drei Wochen passiert. Sollte es in dieser Zeit weitere Begegnungen geben, in denen Profis, die für sich eine Führungsrolle beanspruchen, auf dem Platz so gut wie nichts gelingt, kann das schnell Unruhe in den Kader bringen. Hinzu kommt: Die Bremen zehren noch von einem Punktepolster, das sie sich aufgebaut haben. Das ist allerdings schnell aufgebraucht. Steckst du dann erst mitten im Abstiegskampf, musst du plötzlich auch noch viele Bedenken im Umfeld abarbeiten. Man schaue nur auf Hertha BSC und Schalke 04.
Ole Werner hat nach dem Spiel in Köln völlig zurecht deutlich darauf hingewiesen, dass niemand vergessen darf, dass der SV Werder ein Aufsteiger ist, der sich jeden Sieg im Kollektiv hart erarbeiten muss. In der Bremer Mannschaft ist es eben nicht wie beim FC Bayern, der elf individuell so starke Spieler aufbietet, dass es sich nicht negativ auswirkt, wenn zwei von ihnen nicht ihren besten Tag erwischen, weil diese von den anderen aufgefangen werden. Werder hat, zum Beispiel, ein großes Problem, wenn Marvin Ducksch und Niclas Füllkrug im Sturm nicht funktionieren.
Am Mittwoch, 25. Januar, geht es für die Werder-Profis im Weserstadion darum, ein Zeichen für sich, für ihre Fans und für die Konkurrenz zu setzen. Gegen das starke Team von Union Berlin, das mit aller Macht wieder einen europäischen Wettbewerb erreichen will, müssen sie so auftreten wie vor der Winterpause: als Mannschaft, die mit vollem Einsatz gemeinsam angreift und gemeinsam verteidigt. Das ist für mich das Wichtigste. Sollte dies auch noch dazu führen, dass nach dem Schlusspfiff ein Heimsieg gefeiert wird, wäre der Abend perfekt.