Ausblick der Schausteller  So soll die Volksfest-Saison 2023 laufen

Heiko Müller
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Von Heiko Müller
| 24.01.2023 19:36 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Bald drehen sich in Ostfriesland wieder die Karussells auf den Jahrmärkten. Foto: J. Doden/Archiv
Bald drehen sich in Ostfriesland wieder die Karussells auf den Jahrmärkten. Foto: J. Doden/Archiv
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Trotz der Krisen und vieler Sorgen überwiegt in der ostfriesischen Schausteller-Branche der Optimismus. Zum Auftakt gibt es eine neue Veranstaltung in Emden.

Ostfriesland - Die ostfriesischen Schaustellerinnen und Schausteller blicken trotz einiger Sorgen überwiegend mit Zuversicht auf die bevorstehende Volksfest-Saison. „Wir sind Berufsoptimisten und lassen uns nicht unterkriegen“, sagte der Vorsitzende des Vereins reisender Schausteller Ostfriesland, Timo von Halle (Großefehn), dieser Zeitung in einem Ausblick auf das Jahr.

Was und warum

Darum geht es: die Situation der Schausteller in Ostfriesland und einen Ausblick auf die Jahrmarkt-Saison

Vor allem interessant für: alle, die gerne Volksfeste besuchen, und diejenige, die sich für wirtschaftliche Entwicklungen in Ostfriesland interessieren

Deshalb berichten wir: Wenige Wochen vor den ersten Volksfesten in diesem Jahr haben wir mit dem Chef des ostfriesischen Schausteller-Vereins über die Aussichten gesprochen.

Den Autor erreichen Sie unter: h.mueller@zgo.de

Dennoch machten Folgen der Corona-Pandemie, steigende Preise und die durch die Energiepreise herrschende Unsicherheit der Branche zu schaffen, sagte von Halle. Hinzu kämen der Personalmangel und Lieferengpässe beispielsweise bei Plüschtieren und anderen Spielwaren, die überwiegend aus China kämen. Viele osteuropäische Saisonkräfte hätten sich während des Stillstandes in den Corona-Hochzeiten andere Jobs gesucht, die ihnen sicherer erschienen.

Preise sollen bezahlbar bleiben

Bauchschmerzen bereitet der Branche auch der Preisanstieg für Lebensmittel und Transporte. „Wir können die höheren Kosten aber nicht 1:1 auf die Besucher umlegen“, sagte von Halle. Der kleine Mann, der sich vielleicht keinen Urlaub erlauben könne, sollte sich noch einen Bummel über den Jahrmarkt leisten können.

Timo von Halle steht seit etwa anderthalb Jahren an der Spitze des Vereins reisender Schausteller Ostfriesland. Foto: Privat
Timo von Halle steht seit etwa anderthalb Jahren an der Spitze des Vereins reisender Schausteller Ostfriesland. Foto: Privat

Höhere Preise für die Bratwurst oder die Karussellfahrt seien zwar „unumgänglich“, so der Verbandsvorsitzende, die Schausteller wollten sie aber so weit wie möglich stabil halten. Ansonsten blieben die Besucherinnen und Besucher fern. „Wir setzen deshalb mehr auf Masse als auf Gewinnmargen“, so von Halle.

„Die Leute haben uns vermisst“

Nachdem sich die Schausteller während der Pandemiejahre 2020 und 2021 teilweise mit Pop-up-Jahrmärkten, den sogenannten Bliede-Parks, oder stationären Ständen über Wasser gehalten hatten, seien die großen Volksfeste der Region wie das Schützenfest in Emden oder der Gallimarkt in Leer sehr gut verlaufen. „Die Leute haben gezeigt, dass sie uns vermisst haben“, so der Verbandschef. Er sei überzeugt davon, dass die Volksfeste mit ihrer über 1000 Jahre alten Geschichte nicht aussterben werden.

Über die Krisen hätten nur wenige Geschäfte der Branche aufgegeben. „Das gab es nur vereinzelt altersbedingt und wenn sich kein Nachfolger fand“, sagte der Vereinsvorsitzende. Teilweise drückten auch offene Kredite aus Corona-Hochzeiten viele Kolleginnen und Kollegen. Die Hilfen des Staates hätten aber Wirkung gezeigt: „Ganz ohne sie wären viele von uns nicht mehr da“, so von Halle.

Märkte und Feste sind längst geplant

Die Märkte und Feste in diesem Jahr sind längst geplant. Die steigenden Kosten für Transporte haben laut von Halle jedoch dazu geführt , dass Touren jetzt anders geplant werden. Es werde zum Beispiel genauer darauf geachtet, dass große und attraktive Geschäfte wie der „Breakdancer“, die außerhalb der Region beheimatet sind, mehrere Plätze nacheinander anfahren können. „Für eine einzelne Veranstaltung würde sich die Anfahrt nicht lohnen“, so der Verbandschef.

Die Jahrmarkt-Saison in Ostfriesland beginnt am Osterwochenende im April mit dem Ostermarkt auf dem Emder Schützenplatz. Den Markt gibt es dann zum ersten Mal in der Stadt. Er beginnt am Gründonnerstag (6. April), bleibt am darauffolgenden Karfreitag wegen des stillen Feiertags geschlossen und geht bis einschließlich Ostermontag.

Emden und Aurich machen den Anfang

Diese Veranstaltung löst den traditionellen Frühlingsmarkt in Emden ab. „Dieser Markt wird aber mit fünf bis sechs größeren Fahrgeschäften größer und attraktiver“, sagte von Halle. Denn in der größten Stadt Ostfriesland locke man „nur mit einem Autoscooter oder einer Berg-und-Tal-Bahn niemanden mehr hinter dem Ofen hervor“. Auf den Ostermarkt in Emden folgt der gleichnamige Markt in Aurich, der vom 14. bis zum 18. April an der Sparkassen-Arena ist und traditionell in der Woche nach Ostern startet.

Der Verein reisender Schausteller Ostfriesland zählt nach eigenen Angaben etwa 100 Mitglieder mit 165 Geschäften. Viele der reisenden Betriebe sind in Familienbesitz und werden von Generation zu Generation weitergeführt. Bundesweit gibt es laut dem Deutschen Schaustellerbund zwischen 4000 und 4500 Unternehmen in der Branche.

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