Verkehrssicherheit für Schüler  Emder Grundschule kämpft für Zebrastreifen

Lars Löschen
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Von Lars Löschen
| 24.01.2023 12:37 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Ein Zebrastreifen könnte für eine höhere Sicherheit auf dem Schulweg sorgen. Symbolfoto: Pixabay
Ein Zebrastreifen könnte für eine höhere Sicherheit auf dem Schulweg sorgen. Symbolfoto: Pixabay
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Die Schüler der Grundschule Grüner Weg in Emden fühlen sich auf ihrem alltäglichen Schulweg nicht mehr sicher. Ein Zebrastreifen könnte helfen.

Emden - Fußgänger gehören im Straßenverkehr zu den am stärksten gefährdeten Teilnehmern. Umso wichtiger, dass diese mithilfe von Fußgängerampeln, Hinweisschilder und Zebrastreifen sicher über Straßen und durch die Stadt geführt werden. Auch auf dem Schulweg – insbesondere von Grundschulkindern – ist Sicherheit das höchste Gebot.

Doch bei der Grundschule Grüner Weg in Emden gibt es ein regelrechtes Hin und Her zwischen der Lehranstalt und der Stadt Emden. Streitobjekt sind ein oder mehrere gewünschte Fußgängerüberwege im Bereich der Hermann-Allmers-Straße und Wilhelm-Hauff-Straße. Diese liegen direkt an der Grundschule an und werden täglich von den Schülern überquert. Schüler, Lehrer und Eltern sehen hier eine besondere Gefahr, da viele Autofahrer zu schnell durch die 30er Zone fahren würden. „Die Rücksichtlosigkeit im Verkehr nimmt zu“, meint Schulleiter Thomas Philipson im Gespräch mit der Redaktion.

Was und warum

Darum geht es: Kinder, Eltern und Lehrkräfte der Grundschule Grüner Weg fordern Zebrastreifen vor der Süd- und Westseite des Schulgeländes, die Stadt Emden lehnte dies bisher ab.

Vor allem interessant für: Schüler der GS Grüner Weg und deren Eltern sowie jeden, der für Sicherheit auf dem Schulweg ist

Deshalb berichten wir: Wilke Held (CDU) hatte eine Anfrage an die Stadt gestellt, die er auch der Redaktion schickte.

Den Autor erreichen Sie unter: l.loeschen@zgo.de

140 Kinder sind potenziell gefährdet

Er erklärt, dass mehr als 140 Kinder – das sind dreiviertel der Schüler – täglich auf ihrem Weg zur Schule mindestens eine der beiden Straßen passieren müssten. Viele davon fühlten sich dabei nicht mehr sicher, so Lehrerin Sigrid Ufen gegenüber dieser Zeitung. Es wäre bereits „einige Male auch schon fast zu einem Unfall gekommen“, verletzt wurde bisher noch niemand.

Die Grundschule wandte sich aus diesem Grund im Rahmen der politischen Wandertage im September und November direkt an die Vertreter der Stadt Emden, auch Emder Stadtratsmitglied Wilke Held (CDU) stellte im Namen der Schule eine Anfrage wegen einer Verkehrsberuhigung der Hermann-Allmers-Straße und Wilhelm-Hauff-Straße – bislang ohne Erfolg. Die Stadt Emden untermauert ihre Entscheidung: „[Es] sind aus unserer Sicht quasi alle Register der Verkehrsberuhigung in Kontext zu der auch erforderlichen Leichtigkeit des Verkehrs gezogen.“ Als die Hermann-Allmers-Straße in den frühen 2000er saniert worden ist, sei auf die Verkehrssicherheit geachtet worden. Das sei der Stadt auch „durchaus gelungen“. In der Wilhelm-Hauff-Straße war früher bereits einmal ein Fußgängerüberweg. Dieser musste einer Querungshilfe mit beidseitiger Fahrbahnverengung weichen.

Fußgängerüberwege in Tempo-30-Zonen

Ufen, die schon seit 1997 an der Grundschule unterrichtet, merkt an, dass seit den Veränderungen mehr Verkehr an der Schule vorbeifahre und daraus auch mehr Beschwerden resultierten. Die Rückkehr des Zebrastreifens wäre sehr gewünscht.

Wie Oberbürgermeister Tim Kruithoff (parteilos) am zweiten politischen Wandertag im November den betroffenen Kindern sagte: „Man muss gucken, ob ein Zebrastreifen überhaupt die Lösung für das Problem ist. Der beste Zebrastreifen nützt nichts, wenn die Autofahrer sowieso rücksichtslos sind.“ Auch Schuldirektor Philipson merkt bereits an, dass Fußgängerüberwege in Tempo-30-Zonen „schwierig“ seien.

Was sind die Richtlinien?

Auf der Internetseite des Fachverbands Fußverkehr Deutschland findet man die Richtlinien für einen Fußgängerüberweg (R-FGÜ). Demnach darf es FGÜ nur in geschlossenen Ortschaften geben, auf Straßenabschnitten mit maximal Tempo 50, wo nur ein Fahrstreifen je Fahrtrichtung überquert werden muss und wo auf jeder Seite ein Fußweg vorhanden ist. Ein Zebrastreifen wird durch das Verkehrsaufkommen definiert. Untergrenze sind 50 Fußgänger und 200 bis 300 Autos pro Stunde. Für Tempo-30-Zonen, wie im Falle der Straßen an der Grundschule Grüner Weg, heißt es in den Richtlinien, dass FGÜ in der Regel „entbehrlich“ sind. Allerdings können Schulwege und wichtige Fußwegverbindungen gute Gründe für ein Zebrastreifen sein. Zumal es an der Hermann-Allmers-Straße auch die Krippe Kleine Bärenburg gibt.

Polizeihauptkommissar Hans-Günter Jelting von der Polizeiinspektion Emden/Leer sagt auf Nachfrage, dass FGÜ den Fußgängern nur eine „gefühlte Sicherheit“ vermitteln. Besser sind da aus Sicht des Verkehrsexperten Einbauten, ein veränderter Fahrbahnbelag und Verkehrsinseln in Kombination mit Querungshilfen. Dies sei in der Wilhelm-Hauff-Straße und im Abschnitt der Hermann-Allmers-Straße bereits der Fall. Zudem würden die Kosten für die Be- und Ausleuchtung eines Zebrastreifens meist unterschätzt. Wie teuer ein Fußgängerüberweg wird, konnte Jelting nicht nennen.

Grundschule mit Bitte an die Eltern

Für Sigrid Ufen gibt es bei der Thematik drei Komponenten: die Verkehrserziehung der Kinder, der Errichtung eines Zebrastreifens, um Autofahrer visuell auf viel Fußverkehr aufmerksam zu machen, und die Verminderung des PKW-Aufkommens um die Grundschule. Bei letzterem bittet die Grundschullehrerin insbesondere die Eltern, die ihre Kleinen mit dem Auto zur Schule bringen, Schüler an der Seite des Glaspalastes (Klein-von-Diepold-Straße) rauszulassen. „Dort können die Kinder direkt über die Grünfläche zur Schule laufen.“ Dadurch könnte man den Rangierverkehr mindern.

Am Ende ginge es um die Sicherheit der Kinder. In der Grundschule Grüner Weg steht die Verkehrserziehung von der ersten Klasse an auf dem Lehrplan. „In der zweiten Klasse machen die Schüler ein Fußgängerdiplom“, erklärt Ufen. Hier werden Verkehrsregeln sowie die Fähigkeit Entfernungen und Gefahrsituation einzuschätzen geübt.

Im Falle des Zebrastreifens wünscht sich die Grundschullehrerin, dass „sich das zumindest mal jemand vor Ort anschaut“. Bei den nächsten politischen Wandertagen soll das Thema erneut an die Stadt Emden herangeführt werden.

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